David Petraeus CIA-Chef stolpert über erotische E-Mails

Von , Washington 

Der überraschende Rücktritt des Chefs des US-Geheimdienstes David Petraeus folgte auf peinliche Enthüllungen des FBI.

  Foto: dpa
 Foto: dpa

Einer der mächtigsten Geheimdienstchefs der Erde und die mit ihm verbandelte Publizistin, die souverän mit allen sozialen Medien von Facebook bis Twitter spielte, haben die erste Grundregel moderner Kommunikation vergessen: Wer eine Spur von E-Mails legt, spinnt das Netz, in dem er eines Tages gefangen wird. Der Rücktritt des CIA-Chefs David Petraeus, der zuvor als einer der klügsten und ehrgeizigsten amerikanischen Generäle galt, hat die USA nur zwei Tage nach der Wahl wie ein Blitz getroffen.

Die Leichtsinnigkeit von Petraeus und seiner jungen Geliebten Paula Broadwell ist erstaunlich. Offenbar blind vor gegenseitiger Zuneigung, flirteten der 60-jährige Geheimdienstler und die 40-jährige Reserveoffizierin, die Petraeus beim Schreiben einer Biografie über ihn nähergekommen war, sogar per E-Mail. Aufgeflogen ist die vermutlich seit 2011 bestehende Liebesbeziehung durch noch größere Dummheit. Broadwell schrieb einer Frau, die sie vermutlich als Rivalin um die Gunst von Petraeus betrachtete, anonyme E-Mails, welche die Empfängerin als so bedrohlich empfand, dass sie die US-Bundespolizei FBI einschaltete.

Nach mehrmonatiger Fahndungsarbeit machten die Detektive vor einigen Wochen eine pikante Entdeckung. Sie fanden nicht nur die Quelle Paula Broadwell, sondern auch E-Mails mit eindeutigem erotischem Inhalt, die eine Beziehung zum CIA-Chef nahelegten und sogar von Sex unter dem Bürotisch sprachen. Schlimmer noch: es bestand der Verdacht, dass die Geliebte an Passwörter zum privaten E-Mail-Konto des Geheimdienstchefs gelangt war. Auch wenn es nicht das CIA-Konto von Petraeus war, weckte das die Sorge, dass Unbefugte so Zugang zu Reiseplänen und persönlichen Daten eines der wichtigsten Geheimnisträger der USA erlangen könnten.

Obama muss sich unangenehmen Fragen stellen

Dieser Verdacht scheint sich nicht bestätigt zu haben. Die Liebesbeziehung des 60-Jährigen, dem am Mittwoch von seinem Stellvertreter Michael Morell der Rücktritt nahegelegt wurde, bleibt in diesem Sinne eine private Affäre und ist kein Spionageskandal. Mit dem stellvertretenden Geheimdienstchef Morell hat Präsident Barack Obama auch einen Verwalter in der Hinterhand, der den Geheimdienst bereits in der Übergangszeit zu Petraeus kompetent leitete. Als künftiger CIA-Chef ist der Antiterrorexperte John Brennan im Gespräch. Dennoch muss sich Obama unangenehmen Fragen stellen. Warum erfuhr er erst ganz zum Ende von den brisanten Recherchen? Der Präsident wurde am Donnerstag informiert, einen Tag vor dem Rücktritt. Auch die zuständigen Ausschüsse des Kongresses blieben im Dunkeln.

Für Petraeus, der politisch den Republikanern nahesteht und zeitweise als potenzieller Präsidentschaftskandidat gehandelt worden war, ist der Skandal ein tiefer Absturz. International bekannt wurde er als Architekt der Truppenaufstockung im Irakkrieg unter dem republikanischen Präsidenten George W. Bush, die im Jahr 2007 die militärische Wende brachte. Mit seiner Berufung zum CIA-Chef im Juni 2011 hatte Obama einen potenziellen Kritiker seiner Sicherheitspolitik in die Regierungsdisziplin eingebunden. Petraeus, der davor das Kommando in Afghanistan innehatte, sah dies als willkommenen Karriereschritt.

Doch der General, der an das Prinzip von Befehl und Gehorsam gewohnt war, tat sich mit der lockeren, zivilen Atmosphäre im Geheimdienst schwer. „Beide Seiten passten nicht leicht zusammen. Und schon nach Wochen hörte man das Murren aus den Rängen des CIA, dass Petraeus jedem Baum und jedem Feuerhydranten, dem er ansichtig wurde, seinen persönlichen Stempel aufdrücken wolle“, schreibt der Publizist David Ignatius in der „Washington Post“. Aber bei den persönlichen Gefühlen versagte bei dem seit 38 Jahren mit seiner Frau Holly verheirateten Perfektionisten anscheinend die Kontrolle. Die junge, harte, hyperehrgeizige Broadwell, war wohl ein Typus Frau, dem der 60-Jährige nicht widerstehen konnte, obwohl sie selbst verheiratet war und zwei Kinder hat.

  Artikel teilen
1 KommentarKommentar schreiben

Liebesverhältnis: Tja, wo die Liebe hinfällt. Oder besser gesagt, Liebe macht blind. Gefeit ist niemand davor, egal ob privat oder geschäftlich. Ist und wird dies nicht der/die einzigste wirtschaftlich wie politisch hochgestellte Persönlichkeit bleiben, 'welchem so einen Verhältnis zum Verhängnis wird'. Davon abgesehen kommen doch solche Seitensprünge-Verhältnisse in allen Bevölkerungsschichten vor. Unabhängig davon, ob weiblichen oder männlichen Geschlechts.

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.