"Dead Drops" in Stuttgart
Wenn Datensticks in Mauern stecken
Viola Volland,
27.02.2011 18:21 Uhr
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Ein eingemauerter USB-Stick am Stuttgarter Hauptbahnhof. Foto: Heinz Heiss
Stuttgart - Wer nicht weiß, wo er hinschauen muss, wird ihn übersehen: Auf der Rückseite eines kleinen Mäuerchens am Eingang zum Schlossgarten lugt das Ende eines USB-Sticks hervor. Christian von Pentz zieht sein Laptop und ein Kabel aus dem Rucksack, verbindet den Computer mit dem Stick. "Mal sehen, ob sich wieder etwas getan hat", sagt er. Es nieselt, Wassertropfen sammeln sich auf dem Laptopbildschirm. "Wir haben Pech", sagt Christian von Pentz. Wegen des Regens funktionieren die Kontakte zum "Dead Drop" nicht.
"Dead drop" - toter Briefkasten - so hat der Berliner Künstler Aram Bartholl die von ihm initiierte ungewöhnliche Aktion getauft, bei der USB-Speichermedien in Fassaden eingemauert werden, um Datentausch offline und anonym zu ermöglichen. Im Oktober 2010 hat Bartholl in New York den ersten "Dead Drop" installiert, den Ort dokumentiert und ihn in im Blog deaddrops.com » veröffentlicht. Das war der Beginn einer kleinen Bewegung, die danach auch Stuttgart erfasst hat.
Die genaue Position des USB-Sticks am Hauptbahnhof:
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209 "Dead Drops" sind derzeit auf Bartholls Internetseite verzeichnet - die meisten davon wurden in den USA und Europa bereits öffentlich versteckt, aber es gibt auch eingemauerte Sticks in Afrika, Australien, China, Brasilien und Thailand. In Paris kann man einen regelrechten Stadtrundgang absolvieren von "Dead Drop" zu "Dead Drop". Wer alle Sticks abgeklappert hat, der hat die ganze Stadt gesehen.
"Es ist eine vollkommen offene Geschichte. Jeder, der eine Idee hat, kann etwas draufladen", erklärt Christian von Pentz das Prinzip. Gerade für lokale Bands sei das attraktiv. Er selbst hat über eine Mailingliste von der Aktion erfahren und sich entschlossen, in Stuttgart den Anfang zu machen. "Stuttgart hat eine relativ hohe Freakdichte, dass es noch keinen Stick gab, war ein bisschen peinlich", sagt der Mitbegründer des Stuttgarter Shack Space, einem Treffpunkt für Computernerds.
Am 26. November hat der 18-Jährige den ersten "Dead Drop" in der Nähe der Buchhandlung Wittwer installiert - vorher die Hülle des Sticks entfernt und ihn mit Kunstharz zum Schutz isoliert. Auf dem Stick hat er das Manifest von Aram Bartholl hinterlassen, das die Aktion erklärt und als Grundgedanken ausgibt: "Für alles, was Du tust, bist Du selbst verantwortlich."
Tage später hatte ein anderer Nutzer bereits als Witz E-Books auf den Stick geladen. Der USB-Stick bei Wittwer sei allerdings Mitte Januar "gestorben", wie der Stuttgarter sagt. Auch der zweite Stick, der in einer Fassade an der Königstraße steckte, funktioniert inzwischen nicht mehr. Dafür hat jemand am Marienplatz ein Medium hinterlassen - und auch der USB-Stick im Schlossgarten wird seit einiger Zeit rege genutzt.
Erst am Vortag war Christian von Pentz im Schlossgarten, um die Datenlage auf dem Speicher zu prüfen. Da waren drei Viertel von vier Gigabyte belegt. Die Death-Metal-Band Credic aus Stuttgart hat drei ihrer Songs auf den USB-Stick gespielt, zwei Studenten das selbst programmierte Computerspiel "Blobby Volley" hochgeladen. Ein anderer hat das Skript zu einem Vortrag auf dem Chaos-Computer-Club-Kongress zur Verfügung gestellt. Auch die E-Books sind wieder aufgetaucht. Fast alle seien im Internet ohnehin frei verfügbare Werke, zum Beispiel "open books" über Programmiersprachen, so der 18-Jährige. Er hofft, dass mehr und mehr Künstler die "Dead Drops" als kleines lokales Stuttgarter Intranet nutzen werden. Ihm schwebt vor, einen speziellen Kunst-USB-Stick in der Nähe der neuen Stadtbücherei zu installieren. Gespräche mit DJs und Musikern hat er schon geführt. Die seien angetan.
Ein Vorteil der "Dead Drops", sagt Christian von Pentz, sei, dass sie niemandem gehören. Ein anderer, dass man als Nutzer rausmüsse, die "Dead Drops" hätten auch eine soziale Komponente. "Das Bild vom 120Kilo schweren Computerfreak, der jeden Tag Pizza bestellt und nur vor seinen Bildschirmen hockt", sei aber eh überholt.
Natürlich sei es auch möglich, räumt Christian von Pentz ein, die Idee der Kunstaktion zu missbrauchen. Theoretisch könnten auch Viren oder illegale Inhalte auf die Sticks gespielt werden. Bis jetzt seien alle USB-Sticks in Stuttgart sauber. "Die Leute, die das nutzen, sind viel im Netz aktiv, die halten sich dran", sagt Christian von Pentz. Viren würden gegen die Ethik in der Szene verstoßen. Dass die Aktion bei manchem auf Unverständnis stoßen dürfte, kann er sich durchaus vorstellen. Die Sticks würden aber extra so unauffällig wie möglich angebracht, sie sollen nicht stören. "Natürlich muss man auch den gewissen Witz an dem Ganzen sehen."
Mehr über Dead Drops im Netz finden Sie auf Aram Bartholls Website » und hier ».
"Dead drop" - toter Briefkasten - so hat der Berliner Künstler Aram Bartholl die von ihm initiierte ungewöhnliche Aktion getauft, bei der USB-Speichermedien in Fassaden eingemauert werden, um Datentausch offline und anonym zu ermöglichen. Im Oktober 2010 hat Bartholl in New York den ersten "Dead Drop" installiert, den Ort dokumentiert und ihn in im Blog deaddrops.com » veröffentlicht. Das war der Beginn einer kleinen Bewegung, die danach auch Stuttgart erfasst hat.
Die genaue Position des USB-Sticks am Hauptbahnhof:
Größere Kartenansicht
209 "Dead Drops" sind derzeit auf Bartholls Internetseite verzeichnet - die meisten davon wurden in den USA und Europa bereits öffentlich versteckt, aber es gibt auch eingemauerte Sticks in Afrika, Australien, China, Brasilien und Thailand. In Paris kann man einen regelrechten Stadtrundgang absolvieren von "Dead Drop" zu "Dead Drop". Wer alle Sticks abgeklappert hat, der hat die ganze Stadt gesehen.
"Es ist eine vollkommen offene Geschichte. Jeder, der eine Idee hat, kann etwas draufladen", erklärt Christian von Pentz das Prinzip. Gerade für lokale Bands sei das attraktiv. Er selbst hat über eine Mailingliste von der Aktion erfahren und sich entschlossen, in Stuttgart den Anfang zu machen. "Stuttgart hat eine relativ hohe Freakdichte, dass es noch keinen Stick gab, war ein bisschen peinlich", sagt der Mitbegründer des Stuttgarter Shack Space, einem Treffpunkt für Computernerds.
Am 26. November hat der 18-Jährige den ersten "Dead Drop" in der Nähe der Buchhandlung Wittwer installiert - vorher die Hülle des Sticks entfernt und ihn mit Kunstharz zum Schutz isoliert. Auf dem Stick hat er das Manifest von Aram Bartholl hinterlassen, das die Aktion erklärt und als Grundgedanken ausgibt: "Für alles, was Du tust, bist Du selbst verantwortlich."
Speichersticks segnen das Zeitliche
Tage später hatte ein anderer Nutzer bereits als Witz E-Books auf den Stick geladen. Der USB-Stick bei Wittwer sei allerdings Mitte Januar "gestorben", wie der Stuttgarter sagt. Auch der zweite Stick, der in einer Fassade an der Königstraße steckte, funktioniert inzwischen nicht mehr. Dafür hat jemand am Marienplatz ein Medium hinterlassen - und auch der USB-Stick im Schlossgarten wird seit einiger Zeit rege genutzt.
Erst am Vortag war Christian von Pentz im Schlossgarten, um die Datenlage auf dem Speicher zu prüfen. Da waren drei Viertel von vier Gigabyte belegt. Die Death-Metal-Band Credic aus Stuttgart hat drei ihrer Songs auf den USB-Stick gespielt, zwei Studenten das selbst programmierte Computerspiel "Blobby Volley" hochgeladen. Ein anderer hat das Skript zu einem Vortrag auf dem Chaos-Computer-Club-Kongress zur Verfügung gestellt. Auch die E-Books sind wieder aufgetaucht. Fast alle seien im Internet ohnehin frei verfügbare Werke, zum Beispiel "open books" über Programmiersprachen, so der 18-Jährige. Er hofft, dass mehr und mehr Künstler die "Dead Drops" als kleines lokales Stuttgarter Intranet nutzen werden. Ihm schwebt vor, einen speziellen Kunst-USB-Stick in der Nähe der neuen Stadtbücherei zu installieren. Gespräche mit DJs und Musikern hat er schon geführt. Die seien angetan.
Ein Vorteil der "Dead Drops", sagt Christian von Pentz, sei, dass sie niemandem gehören. Ein anderer, dass man als Nutzer rausmüsse, die "Dead Drops" hätten auch eine soziale Komponente. "Das Bild vom 120Kilo schweren Computerfreak, der jeden Tag Pizza bestellt und nur vor seinen Bildschirmen hockt", sei aber eh überholt.
Natürlich sei es auch möglich, räumt Christian von Pentz ein, die Idee der Kunstaktion zu missbrauchen. Theoretisch könnten auch Viren oder illegale Inhalte auf die Sticks gespielt werden. Bis jetzt seien alle USB-Sticks in Stuttgart sauber. "Die Leute, die das nutzen, sind viel im Netz aktiv, die halten sich dran", sagt Christian von Pentz. Viren würden gegen die Ethik in der Szene verstoßen. Dass die Aktion bei manchem auf Unverständnis stoßen dürfte, kann er sich durchaus vorstellen. Die Sticks würden aber extra so unauffällig wie möglich angebracht, sie sollen nicht stören. "Natürlich muss man auch den gewissen Witz an dem Ganzen sehen."
Mehr über Dead Drops im Netz finden Sie auf Aram Bartholls Website » und hier ».
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Ethik ?
Die Welt hat für vieles Platz ... Theoretisch könnten auch Viren oder illegale Inhalte auf die Sticks gespielt werden. "Die Leute, die das nutzen, sind viel im Netz aktiv, die halten sich dran", sagt Christian von Pentz. Viren würden gegen die Ethik in der Szene verstoßen. Das ganze Internet ist ein Tummelplatz von Kriminellen und ist virenverseucht ohne Ende. Und da spricht ein Unbedarfter von Ethik - ich faß es kaum.... Mit dieser Veröffentlichung ist der Stick praktisch tot oder verseucht. Die Welt hat für viele Platz - Naivlinge eingeschlossen.