Debatte in den Niederlanden Freigabe von Drogen spart Geld
Helmut Hetzel, vom 25.05.2010 13:15 Uhr
Ganz legal: der Joint in den Niederlanden. Foto: dpa
Den Haag - "Drogen kann man nicht verbieten. Es hat sie immer gegeben. Es wird sie immer geben. Darum ist es das Beste, dass wir sie freigeben." Das ist einer der Kernsätze aus einem Manifest, das prominente niederländische Politiker in der angesehenen Zeitung "NRC-Handelsblad" veröffentlicht haben. Einige, die sich für diese Freigabe einsetzen, haben klingende Namen: Frits Bolkestein (77) etwa, einst EU-Kommissar und Verteidigungsminister der Niederlande, oder Els Borst-Eilers (78), Ärztin und frühere Gesundheitsministerin der Niederlande, sowie der Strafrechtsprofessor Theo de Roos.
Die Argumentation der prominenten Politiker und Wissenschaftler für die Freigabe aller Drogen im Land der Tulpen ist kurios, aber auch originell. Sie meinen nämlich, dass die Legalisierung dem Staat viel Geld in die Kassen bringen werde. Originalzitat: "Die Bekämpfung der vor allem vom Drogenhandel kreierten Kriminalität kostet uns jährlich rund 15,75 Mrd. Euro oder 924 Euro pro Kopf der Bevölkerung." Etwa ein Drittel aller Inhaftierten in niederländischen Gefängnissen sitze dort wegen begangener Drogendelikte. Sie könnten freigelassen werden. "Wenn der gesamte Drogenhandel staatlich reguliert wird, könnten Dealer nichts mehr verdienen", heißt es in dem Manifest weiter. Der Staat könne viel Geld sparen, weil man mit einer Legalisierung und der staatlichen Kontrolle des Drogenverkaufs den Drogenhändlern das Handwerk lege: weniger Polizeiaufwand, weniger Prozesse, weniger administrative Kosten für den Polizei- und Justizapparat. Letztlich werde das Land auch noch sicherer, weil es dann unter den Banden keine Kämpfe mehr um die Herrschaft über den Drogenmarkt gebe.
Der Jahresumsatz aller Coffeeshops liegt bei 2,5 Milliarden Euro
Die Legalisierung der Drogen leiste somit gerade in der akuten Wirtschaftskrise, durch die sich auch die Niederlande hoch verschulden mussten, einen Beitrag zur Sanierung der Staatsfinanzen. Das Land müsse in den kommenden vier Jahren bis zu 30 Milliarden Euro einsparen. Die Gewinne, die man etwa durch den Marihuanaverkauf in den ohnehin vorhandenen 750 Coffeeshops erzielen könnte, wo der Stoff für einen Joint schon seit rund 30 Jahren erworben werden kann, könnten dann in die Staatskasse fließen. Da kämen hohe Summen zustande. Allein der größte Coffeeshop des Landes in der Nähe von Maastricht machte bis zu seiner Schließung in diesem Jahr einen Jahresumsatz von 35 Millionen Euro. Sein Besitzer wurde zum Multimillionär. Schätzungen zufolge liegt der Umsatz aller Coffeeshops des Landes bei etwa 2,5 Milliarden Euro im Jahr.
Allerdings ist die Meinung der prominenten Persönlichkeiten in den Niederlanden derzeit nicht mehrheitsfähig - zumindest noch nicht. Der amtierende christdemokratische Ministerpräsident Jan Peter Balkenende und dessen Partei, die CDA, wollen nämlich die Coffeeshops sukzessive schließen. Auch die konservativ-liberale Partei für Freiheit und Demokratie VVD, der Frits Bolkestein angehört, ist gegen eine Legalisierung aller Drogen. Am 9. Juni sind in den Niederlanden vorgezogene Neuwahlen. Es sieht derzeit laut Umfragen ganz danach aus, dass CDA und VVD in der neuen Regierung vertreten sein könnten.
Kritiker befürchten, dass der Drogentourismus zunimmt
Außerdem würde eine vollständige Legalisierung aller Drogen das Land international weiter isolieren. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit würde der ohnehin schon vorhandene Drogentourismus weiter anwachsen. Ganz zu schweigen von den internationalen Verträgen, die Holland brechen würde, wenn es im Alleingang Verkauf und Konsum freigäbe.
Bolkestein und die Mitverfasser des Manifests halten dem entgehen, dass die 30-jährige Erfahrung mit dem freien Marihuanaverkauf in den Coffeeshops zeige, dass sich der Drogenkonsum in den Niederlanden nicht erhöht habe. Sie behaupten, in Ländern mit einer weit repressiveren Drogenpolitik - etwa in den USA, Frankreich oder Großbritannien - kreise der Joint öfter als in den Niederlanden.
Die Prohibition war das Lehrbeispiel dafür, dass rigide Drogenverbote wenig bringen außer einem Sumpf an Beschaffungskriminalität und organisiertem Verbrechen. Vielleicht nicht die absolute Freigabe, aber zumindest eine liberal und großzügig gehandhabte Verteilung an Abhängige würde die kriminellen Dominoeffekte der Drogenkriminalisierung einschränken. Und natürlich ist die Grunderkenntnis richtig, dass es nur eine gesellschaftliche Absprache ist, welche Drogen erlaubt und verboten sind. Fast überall gibt es mehr Tote durch legalen Nikotin- und Alkoholmißbrauch als durch Heroin & Co. Ob man durch legale oder illegale Drogen stirbt: man kann nicht toter als tot sein
MAI
25
17:17 Uhr, geschrieben von Gokart
So ein Unsinn
Es ist nun wirklich hinlänglich bekannt, welche verheerenden Folgen der Konsum harter Drogen hat. Ich finde es undenkbar, dass der Staat sagt: Das Zeug wird freigegeben, sodass jeder ab 18 (ab 16??) legal zum Junkie werden kann. Vielleicht senkt das die Kosten der Drogenbekämpfung; es kämen aber neue Kosten in Form von gestiegenen Gesundheitsausgaben sowie die Folgen von mehr Beschaffungskriminalität hinzu. Auch legale Süchtige müssen ja irgendwo ihr Geld für Drogen herbekommen. Wer kann so etwas ernsthaft wollen -- von der moralischen Kapitulation mal ganz abgesehen?
MAI
25
15:20 Uhr, geschrieben von RAGNAROEKR
Keine Macht den Drogen
Die Volksgesundheit und damit das Gemeinwohl gebietet der Politik die Verhängung absoluter Drogenverbote. Dies gilt für Alkohol, Rauchen oder Medikamentensucht genauso, wie für harte Drogen. Jede Sucht muss verboten werden. Drakonische Strafen braucht Europa in Drogendelikten. Dieser Zwang zum Verbot und der Strafe darf nicht aufgeweicht werden. Nicht einmal dann, wenn Geldersparnis die staatlichen Haushaltsprobleme der Niederlande und anderer Drogenstaaten lösen könnte. Niemand macht doch den Verbrecher zum Polizisten, um die Kriminalität zu bekämpfen. Gut ist drogenfrei - böse die Sucht. Das ist die Entscheidung der modernen Politik.
Diese Niederländer kommen doch nur auf diese Idee, weil sie sportlich gesehen unter dem Drogenverzicht leiden.
Keine Macht den Drogen, auch nicht für erfolglose Sportler. Aber auch der Drogensüchtige in Spießbürgerverkleidung muss sich seine Verantwortung stellen:
Statt Drogenfreigabe ist Totalüberwachung angezeigt. Drogenproben zu jeder Zeit, nach festgelegten Plänen und mit feststehenden Bußen.
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