Debatte über Entwicklung im Rosensteinviertel Aufbruch Stuttgart liest Kuhn die Leviten

Von Josef Schunder 

Der Verein um die Vorsitzenden Wieland Backes und Arno Lederer ist nicht grundsätzlich gegen die OB-Ideen zum Bauen am Straßburger Platz. Er hat aber eine ganz bestimmte Forderung.

Mitte September in Stuttgart: Nach einem Aufruf von Aufbruch Stuttgart wird auf der Konrad-Adenauer-Straße für „Kultur statt PS“ demonstriert. Foto: dpa
Mitte September in Stuttgart: Nach einem Aufruf von Aufbruch Stuttgart wird auf der Konrad-Adenauer-Straße für „Kultur statt PS“ demonstriert. Foto: dpa

Stuttgart - Der Verein Aufbruch Stuttgart will sich noch mehr in städtebauliche Zukunftsfragen in Stuttgart einmischen, nicht nur in die Themen rund um die Kulturmeile und die innerstädtische Bundesstraße 14. Außerdem warnt er OB Fritz Kuhn (Grüne) vor einem „Durchmarsch“ bei der Planung des Rosensteinquartiers „ohne ernst zu nehmende Beteiligung der Bürger“. Das ist das Resultat, nachdem sich vier Projektgruppen der Initiative um den Fernsehjournalisten Wieland Backes und den Architekten Arno Lederer erstmals getroffen haben.

Der Verein liest Kuhn regelrecht die Leviten. Der eigenmächtige Durchmarsch der Rathausspitze mit einem geplanten Kulturquartier auf den wegfallenden Gleisanlagen sei eine „akute Gefahr“, sagte Backes unserer Zeitung. Er sieht die Absicht, auf den Stuttgart-21-Flächen ein zweites Kulturquartier neben den Kultureinrichtungen in der Innenstadt zu schaffen, bereits als „praktisch zementiert“ an. Diese Sichtweise begründet der Verein damit, dass die „bis vor Kurzem der Öffentlichkeit unbekannte Vorlage des Oberbürgermeisters“ über das weitere Verfahren beim Rosensteinquartier bereits den wichtigen Gemeinderatsausschuss für Umwelt und Technik passiert habe. Tatsächlich war auf der Internetseite der Stadt über die Vorlage berichtet worden, in der Kuhn den Bau eines Konzerthauses, eines Kongresszentrums und des Neubaus für das Linden-Museum direkt am Straßburger Platz beim Tiefbahnhof für möglich erklärt. Außerdem heißt es auf der Homepage, die Verwaltung sei mit dem Vorbereiten von Architektenwettbewerben beauftragt worden. Tatsache ist aber auch, dass der Gemeinderat abschließend erst am 16. November über Kuhns Vorlage abstimmen wird.

Die Initiative fordert eine städtebauliche Gesamtschau

Man sei ja nicht grundsätzlich gegen die Idee fürs Bahnhofsumfeld, sagte Backes, man bemängle aber, dass die Bürgerschaft noch nicht direkt in den Entscheidungsprozess einbezogen worden sei. Die informelle Bürgerbeteiligung zum Wohnquartier ­Rosenstein, die bereits stattgefunden hat, reicht dem Verein nicht. Diese sei von schwindendem Interesse gekennzeichnet gewesen und „praktisch gescheitert“. In dieser Situation wäre ein Alleingang der Rathausspitze in den Augen der Vereinsverantwortlichen „ein Schlag ins Gesicht“ für die Bürger. Diese müssten sofort einbezogen werden – und ohne Beauftragung teurer Agenturen wie bei der gescheiterten Bürgerbeteiligung, für die es ein Budget von 200 000 Euro gegeben habe. Immerhin stehe Stuttgart vor der einschneidendsten Veränderung seit dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Übrigen sei die vermeintliche Idee von Kuhn nicht neu. Schon der frühere OB Wolfgang Schuster (CDU) und dessen „Lieblingsbaumeister“ Werner Sobek hätten mit so einem Plan gespielt.

Im Verein gibt es auch Unmut darüber, dass Kuhn und sein Baubürgermeister Peter Pätzold zwar „die Planungen am Hauptbahnhof im Parforceritt vorantreiben“, aber im Fall des angepeilten städtebaulichen Wettbewerbs für den Bereich Kulturmeile die Nennung konkreter Termine schuldig blieben. Dabei sei nach der hoffnungsvollen Einladung des Vereins zu einem ersten Hearing Ende Juli eine weitere Anhörung für September angekündigt gewesen. Jetzt frage das eine oder andere Mitglied schon, ob man ausgetrickst werde, sagte Backes.

Vier Projektgruppen beackern unterschiedliche Themenfelder

Das hat die Initiative wohl noch bestärkt, sich auf breiterer Front einmischen zu wollen. Dem Verein gehe es jetzt um eine städtebauliche Gesamtschau, um Fragen wie jene, wo künftig die Besucherströme verlaufen sollen, wo Kultureinrichtungen am besten zugänglich sind und mit welchen Standorten man am besten Zeichen setzen könne, sagte Backes. Hier schließt man die Standortfrage für ein Interimsopernhaus ein.

Die vier Projektgruppen, die die Themen berieten, kümmern sich um die Gestaltung der öffentlichen Räume, um Raum für Kultur, um die Entwicklung Stuttgarts im Vergleich mit anderen europäischen Großstädten und um Verkehrslösungen für Stuttgart.