Debatte um Sanierung des Großen Hauses Stadtplaner bringen Opernneubau ins Spiel

Von Thomas Braun 

Nach StZ-Informationen diskutiert der Verwaltungsrat der Württembergischen Staatstheater am Montag den Abriss des Kulissenbaus. Stadtplaner schlagen zudem vor, ein neues Opernhaus jenseits des Bahnhofs zu errichten.

Das Kulissengebäude der Oper gilt als städtebaulicher Schandfleck. Nun soll es offenbar komplett abgerissen werden, um das Große Haus erweitern zu können. Foto: Lg/Achim Zweygarth
Das Kulissengebäude der Oper gilt als städtebaulicher Schandfleck. Nun soll es offenbar komplett abgerissen werden, um das Große Haus erweitern zu können.Foto: Lg/Achim Zweygarth

Stuttgart - Am kommenden Montag trifft sich der Verwaltungsrat der Württembergischen Staatstheater zu seiner nächsten Sitzung. Auf der Tagesordnung des Gremiums steht neben der Neubesetzung der Opernintendanz vor allem die Frage, in welchem Umfang die Staatsoper saniert werden muss und welche denkmalschutzrechtlichen Aspekte dem Aus- und Umbau des historischen Littmann-Baus im Wege stehen. Nach StZ-Recherchen sind sich Stadt, Land und Intendanz mittlerweile in Sachen Kulissengebäude näher kommen: Demnach läuft es wohl auf einen Komplettabriss des Betonbaus entlang der Konrad-Adenauer-Straße und nicht auf dessen Erweiterung hinaus.

Obwohl das in der Bevölkerung höchst umstrittene Thema Interimsbau derzeit nicht oberste Priorität genießt, könnte nun eine neue Idee Bewegung in die Debatte bringen: Das Stadtplanungsforum und die SPD im Stuttgarter Gemeinderat bringen eine Umwidmung des Littmann-Baus in ein Konzert- und Veranstaltungshaus und den Neubau eines Opernhauses am Straßburger Platz auf dem Stuttgart-21-Gelände ins Gespräch. „Für die Idee spricht einiges: Rund um den Eckensee bleibt so Luft für die prägenden Gebäude“, sagt SPD-Stadträtin Susanne Kletzin.

Frankfurt und Paris haben neue Opernhäuser gebaut

Auf die Fläche direkt hinter dem Rumpf des alten Bonatzbahnhofs haben in der Vergangenheit schon andere ein Auge geworfen. Der Lieblingsplaner des früheren OB Wolfgang Schuster, Werner Sobek, hatte einst den Bau einer Philharmonie angeregt, und im vergangenen Jahr hatte Bürgermeister Michael Föll Überlegungen für ein Veranstaltungs- und Kongresszentrum an gleicher Stelle bestätigt.

Und nun gesellt sich zu den Ideen noch ein Opernneubau hinzu. Wenn man den Vergleich mit anderen Städten wagt, habe der Vorschlag durchaus einen gewissen Charme, meinen zumindest die im Stadtplanungsforum vertretenen Architekten, Planer und Bürger – und haben dies in einem offenen Brief an Politiker in Stadt und Land sowie an den geschäftsführenden Intendanten der Staatstheater, Marc-Oliver Hendriks, kundgetan. Frankfurt am Main etwa hat zwischen 1960 und 1962 auf Basis des damaligen Schauspielhauses eine neue Oper gebaut und die alte zu einem Konzert- und Veranstaltungszentrum umfunktioniert: Statt Heldentenören und Sopranistinnen geben sich dort heute Rock- und Popstars sowie Comedians die Klinke in die Hand.

Auch Paris hat ein neues Opernhaus an der Bastille errichtet, in der alten Garnier-Oper fehlte es an moderner Bühnentechnik. Und das Royal Opera House in London sei durch einen Anbau ergänzt worden, ohne den Altbau „total zu überformen“, so die Unterzeichner. Es wäre sträflich, die Variante eines Opernneubaus „nicht sehr ernsthaft prüfen zu lassen“, so das Stadtplanungsforum. Der Verein fordert eine Machbarkeitsstudie, die Aufschluss über die Kosten geben soll.

Stadt und geschäftsführender Intendant sind skeptisch

Die Begeisterung über den Vorstoß hält sich allerdings in Grenzen: Der geschäftsführende Intendant der Staatstheater, Marc-Oliver Hendriks, sagte gegenüber der StZ: „Der Littmann-Bau von 1912 ist elementarer Teil der Identität der Württembergischen Staatstheater. Ich bin fest überzeugt davon, dass wir durch bauliche Modifikationen, vor allem durch die Schaffung einer Kreuzbühne, den Standort im Oberen Schlossgarten zukunftsfähig machen können.“

Bei der Stadt steht man der Idee eines Neubaus ebenfalls zurückhaltend gegenüber. Im Rathaus verweist man darauf, dass selbst bei einer Umwidmung des bestehenden Opernbaus in ein Konzerthaus Sanierungskosten anfallen würden: Das käme dann auf die Investition für eine neue Oper noch oben drauf. Hinzu kämen weiter jene mittlerweile knapp 30 Millionen Euro, die die Stadt allein für den Erwerb der sogenannten A-3-Fläche an die Bahn bezahlt hat. Das Grundstück wäre dann anderweitig nicht mehr vermarktbar.

Als Problem sieht die Stadt aber vor allem den Zeithorizont. Bekanntlich hält die Bahn offiziell noch immer an der Eröffnung des S-21-Tiefbahnhofs im Jahr 2021 fest. Selbst für diesen Fall aber rechnen Experten wie der ehemalige SPD-Baubürgermeister Matthias Hahn mit einer Dauer von bis zu fünf Jahren, bis das Gleisvorfeld geräumt und der Untergrund soweit saniert ist, dass er bebaut werden könnte. Für die Oper und das Ballett hieße das: Weiter machen im Littmann-Bau unter teilweise unhaltbaren Bedingungen für die nächsten rund zehn Jahre. Andererseits wären damit die denkmalschutzrechtlichen Streitfragen um die Aufweitung der Südfront des Großen Hauses und die Suche nach einem Interimsquartier erst einmal ad acta gelegt.

7 Kommentare Kommentar schreiben

Ich höre wohl nicht recht. : Das sind Phantastereien. In den nächsten 5 Jahren sind einfach wichtigere Dinge dran, die nach Geld verlangen (Flüchtlingsunterbringung, Sozialer Wohnungsbau). Sorry Kulturbetrieb, aber da mußt ihr zurückstecken.

Zustimmung; Zusätzlich wäre zu nennen: Massiver Ausbau des ÖPNV als Beitrag zur Entschärfung der Stau- und Schadstoffproblematik im Stuttgarter Kessel.

Klasse: Man kann sich dann ja das Projektteam aus Hamburg holen, die haben jahrelange Erfahrung mit dem Bau von Opern.

das hätte was: man kann den hässlichen kulissenbau abreißen. man erhält das große haus und muss nichts an den fassaden ändern. der neubau kommt sicher nicht teurer als der umbau des großen hauses mit interimsbau. man hat eine oper die dem neuesten stand eines opernhauses entspricht. ob man das in dem alten gebäude erreicht ist fraglich. allein die zehn jahre bis man mit dem bau beginnen kann sind eine bürde. und ob im großen haus dann cindy aus marzahn auftritt oder hochwertige unterhaltung kann man ja steuern.

Frau Ing.: Wir haben bereits hochwetige Unterhaltung im Opernhaus - hochwertiger als das Stuttgarter Ballett und die Oper geht es wohl kaum! Ein Opern - oder Balletbesuch hat auch was mit Atmosphäre zu tun! Andere Städte würden alles dafür tun so einen geschichtsträchtigen Ort zu erhalten und ihn nicht in eine andere Nutzung geben! Aber in Stuttgart hat man ja keinen Sinn für so etwas! Zum Glück werden die Stadtplaner nicht darüber entscheiden! Planen können sie gerne wenn sie sonst nichts zu tun haben!

herr stern: ja, wir haben hochwertiges programm im opernhaus. wir müssen aber mehr als eine halbe milliarde reinstecken um das halten zu können. außerdem nochmal ein paar hundert millionen für ein interimsgebäude das man hinterher wieder abreißt. verdammt viel geld. der geschichtsträchtige ort bleibt ja erhalten. und zwar so wie er geschichtsträchtiger nicht sein könnte. es wird keine außenfassade abgerissen wie es bei einer sanierung notwendig ist. und wenn der bau dann keine oper mehr bringt, kann er immer noch hochwertige (musik)kunst an die menschen bringen.

Verrückt: Gehts eigentlich noch??? Der Littmann Bau ist festverankert mit Oper und Ballett - sollen da etwa in Zukunft Cindy aus Mahrzahn und Oliver Pocher etc. auftreten????? Es geht abwärts mit Stuttgart! Gute Nacht!

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