Demo gegen Stuttgart 21
Am Rieslingtor staunt das Publikum
Erik Raidt, Fotos: Steinert, ddp, dpa,
05.09.2010 14:39 Uhr
Zaungäste: in der City kann man sich der Politik derzeit kaum entziehen. Foto: Steinert
Suttgart - Kurz vor acht Uhr abends bewegt sich ein lindgrüner Protestwurm auf das Zentrum der schwäbischen Gemütlichkeit zu. Der Demonstrationszug biegt fahnenschwenkend links am Kunstmuseum ab und hält vor dem Rieslingtor des Stuttgarter Weindorfs. Die Großdemonstration gegen Stuttgart 21 hat ihr Publikum gefunden: Es steht am Bahnhof, es sitzt auf den Stufen des Königsbaus, und es staunt am Rieslingtor: "Unfassbar, der Zug hört gar nicht mehr auf", murmelt ein älterer Herr am Weindorfeingang. "Ich hätte nie gedacht, dass der Protest mal so groß wird."
Frank Seltzer steht mitten im Spalier für den Demonstrationszug. Der Softwareingenieur läuft nicht mit, er glaubt an "eine Stadt, die den Mut zu Veränderungen hat". Als er das sagt, blickt er kurz zu beiden Seiten. "Mit der Meinung stehe ich ja in Stuttgart offensichtlich recht einsam da." An ihm zieht eine kaum enden wollende Menge vorbei. Junge Zahnspangengesichter, gesetzte Männer mit Sakkos, Frauen in Sandalen. Menschen aus allen Milieus. Seltzer redet über den Protest und die Reaktionen. "Diese Massen auf den Straßen haben Wirkung gezeitigt. Man sieht, wie die ersten Politiker vor lauter Nervosität vor den nächsten Wahlen zu wackeln beginnen."
Die Demonstrationen gegen den Abriss der Seitenflügel des Hauptbahnhofs sind in den vergangenen Wochen auch ein Happening geworden, das über den politischen Kern der Bewegung hinausreicht. Das ist auch bei dieser Großdemonstration am Freitagabend zu erkennen. Im Schlossgarten werden K21-Fahnen, Aufkleber und massenhaft T-Shirts verkauft. In diesen Tagen verabreden sich manche Stuttgarter erst zum "Demogucken" in der Stadt, um anschließend in der Weinlaube beim Viertele über die Politik zu philosophieren. Das oft gehörte Motto: "Wahnsinn, was bei uns gerade abgeht!" Die Diskussion über Stuttgart 21 ist mitten im Leben angekommen: Sie hat die Hoheit über Kantinen, Kneipen und Stadtbahnabteile errungen.
Am oberen Ende der Bolzstraße stehen zwei junge Frauen, die an diesem Tag eigentlich "nur zum Feiern nach Stuttgart gekommen sind. Jetzt sind wir in einer Riesenparty gelandet", sagt Melanie, die ihrer Freundin mit violettem Lippenstift ein "Oben bleiben" auf die Backe schminkt. Am Straßenrand stehen Partygänger und Einkäufer. Die Demo wird zum beliebtesten Fotomotiv. Dutzende von Handykameras blitzen das Banner an der Spitze des Zugs an.
Wer als Passant in diesen Tagen in der Innenstadt unterwegs ist, dem begegnen längst nicht nur die grünen Buttons und durchgestrichenen Stuttgart 21-Aufkleber. Es gibt Mahnwachen am Nordausgang des Bahnhofs, Yogaübungen gegen den Tiefbahnhof im Schlossgarten, wo auch schon das Protestival stattfand. Die Gegner haben durch ihre Aktionen das Alltagsleben in der Innenstadt geprägt: Die Villa Reitzenstein, der Landtag, der Schlossplatz, das Rathaus – an kaum einem Ort können sich die Menschen dem Streit um das Projekt entziehen.
Am Rieslingtor skandieren einige Demonstranten: "Leute lasst das Glotzen sein, reiht euch in die Demo ein!" Doch das tun an diesem Abend nur wenige, die dem Zug des Aktionsbündnisses zuschauen. Sie sind nur Publikum. Sie blicken neugierig und verblüfft auf eine Stadt, die unter Strom steht.
Frank Seltzer steht mitten im Spalier für den Demonstrationszug. Der Softwareingenieur läuft nicht mit, er glaubt an "eine Stadt, die den Mut zu Veränderungen hat". Als er das sagt, blickt er kurz zu beiden Seiten. "Mit der Meinung stehe ich ja in Stuttgart offensichtlich recht einsam da." An ihm zieht eine kaum enden wollende Menge vorbei. Junge Zahnspangengesichter, gesetzte Männer mit Sakkos, Frauen in Sandalen. Menschen aus allen Milieus. Seltzer redet über den Protest und die Reaktionen. "Diese Massen auf den Straßen haben Wirkung gezeitigt. Man sieht, wie die ersten Politiker vor lauter Nervosität vor den nächsten Wahlen zu wackeln beginnen."
Die Demonstrationen gegen den Abriss der Seitenflügel des Hauptbahnhofs sind in den vergangenen Wochen auch ein Happening geworden, das über den politischen Kern der Bewegung hinausreicht. Das ist auch bei dieser Großdemonstration am Freitagabend zu erkennen. Im Schlossgarten werden K21-Fahnen, Aufkleber und massenhaft T-Shirts verkauft. In diesen Tagen verabreden sich manche Stuttgarter erst zum "Demogucken" in der Stadt, um anschließend in der Weinlaube beim Viertele über die Politik zu philosophieren. Das oft gehörte Motto: "Wahnsinn, was bei uns gerade abgeht!" Die Diskussion über Stuttgart 21 ist mitten im Leben angekommen: Sie hat die Hoheit über Kantinen, Kneipen und Stadtbahnabteile errungen.
Am oberen Ende der Bolzstraße stehen zwei junge Frauen, die an diesem Tag eigentlich "nur zum Feiern nach Stuttgart gekommen sind. Jetzt sind wir in einer Riesenparty gelandet", sagt Melanie, die ihrer Freundin mit violettem Lippenstift ein "Oben bleiben" auf die Backe schminkt. Am Straßenrand stehen Partygänger und Einkäufer. Die Demo wird zum beliebtesten Fotomotiv. Dutzende von Handykameras blitzen das Banner an der Spitze des Zugs an.
Wer als Passant in diesen Tagen in der Innenstadt unterwegs ist, dem begegnen längst nicht nur die grünen Buttons und durchgestrichenen Stuttgart 21-Aufkleber. Es gibt Mahnwachen am Nordausgang des Bahnhofs, Yogaübungen gegen den Tiefbahnhof im Schlossgarten, wo auch schon das Protestival stattfand. Die Gegner haben durch ihre Aktionen das Alltagsleben in der Innenstadt geprägt: Die Villa Reitzenstein, der Landtag, der Schlossplatz, das Rathaus – an kaum einem Ort können sich die Menschen dem Streit um das Projekt entziehen.
Am Rieslingtor skandieren einige Demonstranten: "Leute lasst das Glotzen sein, reiht euch in die Demo ein!" Doch das tun an diesem Abend nur wenige, die dem Zug des Aktionsbündnisses zuschauen. Sie sind nur Publikum. Sie blicken neugierig und verblüfft auf eine Stadt, die unter Strom steht.
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Weindorfbizznizz '21
Natürlich hat ein Weindorf 0,nix mit S/K 21 zu tun. Aber es war eine gewaltige "Signalgeste", die die Demo dorthin mitgebracht hat; Signal soll heißen: "Ihr habt den Säckel voll Geld, Wein, Brezeln, tummelt euch von einem zum anderen Bussiness- und Starevent zum nächsten, während euren "Abfall" (vieldeutig!) das Volk fressen darf? Euch sollen durch einen "Lothar" die Brezeln vom Mund und das Weinglas vom Tisch gefegt werden (solch Szenen"event" kommt in etlichen Filmen ähnlich vor, auch im Volksschauspiel: "Drachenstich" in Furth im Wald jeden August. Szene: Kirchhofschützen spielen seelenruhig Karten, während das Volk, vor Hunger gebeugt, vorüberhechelt, bis es Sattelpogner, (Ritterfigur?) packt und er den verdutzten Kirchhofschützen aus Wut darüber die Karten vom Mauersims fegt). Dieses spontane "Getue" öffnet natürlich der Peripherie am Weindorf Ohr und Aug'. Facht dann die Diskussionen um den Unsinn '21 immer mehr an und stellt auch den sozial einseitig schief geratenen Begriff "Vergnügen" immer mehr in Frage. Dann wird vermehrt über Essentielles nachgedacht und oft (zum Guten, sei dahingestellt) umgeplant. Es kommt Wind auf, der nicht mehr uns, wo längst "verfrora ond 'buckt" daherkommen, sondern gerechterweise die Gegenseite, wo uns s' bucka erst ermöglicht hat. Das und nichts anderes soll der Effekt der plötzlich vorm Alten Schloß anstürmenden Demo sein. Dann aber: gelungen- Note eins! (Denken die " Selbstherrlichen da oben" jetzt mal!) Salem!
Kater 2.0
Wirklich, sehr beeindruckend das Ganze! Vieleicht hätte man die Besucherzahl des Weindorfes mal dagegenstellen sollen? Dass die lieber ihr Viertele schlotzen statt zu demonstrieren, ist dem Artikel zweifelsfrei zu entnehmen. Und nun noch was für all die Schwaben, die finden "hier gehe endlich was ab": Der Rest der Republik lacht euch aus, weil selbst der Protest verspießt und zudem irrational ist. Allles, was "draußen" von S21 ankommt ist: "S´isch zu teuer!", die Wirkung entspricht in etwa jener des Wortes "Kehrwoche", also "typisch Pfeffersäcke". Von der Wirkung auf die politische Landschaft mal abgesehen, sie scheint ja von sehr vielen gewollt zu sein. Auf dass ihr euch mit euren linken Helfershelfern auf dem Weg dahin bloß nicht grob verschätzt und Kopfschmerzen bekommt!
S 21 - "So wie im Kleinem, so im Großem"!
"So wie im Kleinem, so im Großem"! Das könnte auch in Stuttgart passieren, was hier im kleinen Städtchen Sulz am Neckar geschehen ist! Eine gute Idee wurde verwirklicht, nämlich mit dem Grüngutabfall der Bürger eine Biogasanlage zu betreiben, um damit eine Schule unten im Tal mit ökologischer Energie zu versorgen. Dabei wurden auch Erdarbeiten ausgeführt, die für die Versorgungsleitungen von der Hochebene ins Tal notwendig waren. Seitdem ist die Quelle, die den Jägerbrunnen gespeist hat, versiegt! Ein kleiner Verlust für die Stadt, doch ein großer für die Wanderer und Naturfreunde! Unmut über solche in Kauf genommene Nebenerscheinungen hatsich schon geäußert. Doch der Jägerbrunnen wird dadurch nicht mehr lebendig! Nicht auszudenken, wenn das empfindliche Kavernensystem Stuttgart und Bad Cannstatt mit (Gips, Keuper und Travertin) seinen einmaligen Mineralquellen beschädigt oder gar zerstört wäre. Wenn der irreparable Schaden erst da ist, will es keiner gewesen sein. Dazu darf es erst gar nicht kommen!!! Deshalb bin ich für K 21!!! Gruß Artaperma Gerhard Haberl - Teamworker bei www.rumoro.de Lebenskünstler - Artaperma 5855043 - Im jetzigen Tun gestalte ich den Morgen!