Demo in Stuttgart Bildungsplan-Gegner ausgebremst

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Auf dem Schlossplatz geraten Teilnehmer der beiden Demos aneinander. Die Polizei versucht, die Gruppen zu trennen. Mehrfach kommt es zum Gerangel, auch mit Einsatzkräften.

Während der Demonstration gegen die Aufwertung des Themas Homosexualität im Schulunterricht in Baden-Württemberg ist es in Stuttgart zu Rangeleien gekommen. Foto: Heinz Heiss 26 Bilder
Während der Demonstration gegen die Aufwertung des Themas Homosexualität im Schulunterricht in Baden-Württemberg ist es in Stuttgart zu Rangeleien gekommen.Foto: Heinz Heiss

Stuttgart - Es ist eine Frage der Zeit gewesen, bis sich die beiden Demogruppen am Samstag in der Innenstadt begegnen würden. Auf dem Schlossplatz kamen Unterstützer der Petition gegen das Thema sexuelle Vielfalt im Bildungsplan zur Kundgebung zusammen. Auf dem Schillerplatz trafen sich deren Antipoden: Menschen, die für Gleichberechtigung aller sexuellen Orientierungen, für mehr Toleranz und Akzeptanz einstehen wollten. Als die Bildungsplan-Gegner vom Schlossplatz zum Staatstheater ziehen wollten – so die angemeldete Strecke – kamen sie nicht weit, Gegendemonstranten verstellten den Weg. Mehrfach kam es zu Rangeleien. Die Polizei trennte die Gruppen. Gegen 16 Uhr löste sich der Demostau auf, weit waren die Protestierenden nicht gekommen: Beim Gebäude des Kunstvereins war Schluss.

Rangeleien zwischen Demonstranten und der Polizei

Noch bevor auf dem Schlossplatz Hans Christian Fromm, Sprecher der Gruppe Besorgte Eltern in Baden-Württemberg, das Mikrofon ergriff, wurde klar, dass die Gruppe der Landesregierungskritiker nicht unter sich bleiben würde. Am Rande zeichnete ein Internetportal namens Medien-Klagemauer einen Beitrag auf. Den Worten des Sprechers war zu entnehmen, dass er wohl auf der Seite der Petitionsbefürworter und damit Bildungsplankritiker steht. Zwei Männer traten hinter ihn, grinsten in die Kamera und küssten sich. Irritiert wiederholten die Filmleute die Szene.

Es blieb jedoch nicht bei symbolischen Taten wie diesen. Die Demonstration für Vielfalt und Toleranz war von der Stadt auf den Schillerplatz verlegt worden, damit sich die Gruppen nicht in die Quere kommen würden. Eine halbe Stunde nach dem Beginn der beiden Kundgebungen zogen mehr und mehr Gegendemonstranten auf den Schlossplatz, so dass gegen 15 Uhr nichts mehr ging. Es kam zu Gerangeln zwischen Polizei und Gegendemonstranten. Eine Gruppe, die mit einem großen Transparent mit der Aufschrift „Sexismus und Homophobie sind Verbrechen“ aufgezogen war, wurde von den Beamten herausgezogen. Insgesamt war die Lage aggressiver, als sie von der Polizei vorab eingeschätzt worden war. Man rechne nicht mit Auseinandersetzungen, hatte ein Sprecher zuvor gesagt.

Beide Gruppen wähnen Gott auf ihrer Seite

Da die Gegendemonstranten den Weg verstellten und die Polizei zwischen den Gruppen Position bezog, um sie zu trennen, stand erstmal alles still auf dem Schlossplatz. Die opponierenden Gruppen überboten sich mit Sprechchören. Die Bildungsplangegner riefen „Schützt unsere Kinder!“ „Vor euch selbst!“ schallte ihnen darauf entgegen. Letztlich verlegte sich die Gruppe der Besorgten Eltern auf den Gesang und stimmte das Kirchenlied Großer Gott wir loben Dich an, und kurz war es still, als der Gesang über den Schlossplatz klang. Gott wähnten ohnehin beide Gruppen auf ihrer Seite. „Gott liebt Dich“ stand auf den Warnwesten der Ordner auf Seiten der Bildungsplangegner. „Jesus liebt keine Homophoben“ stand auf einem Plakat in der Gruppe, die am Schillerplatz startete.

Kurz nach 16 Uhr lösten sich dann beide Gruppen allmählich auf und zogen ab.

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39 KommentareKommentar schreiben

@Stefan Sell: Das bestreitet doch keiner. Allerdings muss man sich auch nicht wundern, wenn man mit falschen Aussagen und Halbwahrheiten um sich wirft und dann auf Gegenwehr stösst. Wenn es um Christen gegangen wäre, wäre doch die Gegendemo genauso da. Um Homophobie ging es trotzdem, da die meisten Plakate komischerweise überhaupt nichts mit dem Bildungsplan zu hatten. Zudem kann man seine Meinung auch ohne Polemik kundtun. @Reinhard Moysich: Genau so ist es.

Mittelalterliche Unterstellungen der Reformgegner.: Die Gegner der neuzeitlichen Bildungsreform erinnern mich stark an die Zeit im Mittelalter, als die katholische Kirche es nicht zulassen wollte, dass das Volk die Wahrheit erfährt, nämlich dass nicht die Sonne um die Erde kreist, sondern die Erde um die Sonne. Heute wie damals wird bzw. wurde befürchtet, dass sich wahrheitsgemäße Informationen schädlich für die dann mehr wissenden Menschen auswirken würden. Bekanntlich hat sich die frühere Wissenserweiterung nicht negativ, sondern vielfältig positiv ausgewirkt. Sicher wird es bei der jetzigen Informationsvermehrung bezüglich sexueller Vielfalt in der Realität ähnlich sein, zumal sie sich nicht nur positiv für die eigene Person auswirken wird (z.B. gegebenenfalls Wegfall von unrealistischen Schuldgefühlen), sondern auch sehr hilfreich sein kann, die vielen abscheulichen menschheitswidrigen Diskriminierungen oder gar kriminelles Mobbing auf diesem Gebiet zu verhindern. Spätere Generationen werden sich wohl ein weiteres Mal wundern, wie wenig Menschen bereit sein können, aus früheren Erfahrungen der Menschheitsgeschichte zu lernen.

@Renall Vogel: you are really funny... "need a lot more children Psychologists" really? If you talk about in a moderate way, it wont have an impact at all. Only a good one, which is education. And nobody gets homosexual or heterosexual just because they know it does exist - you are or you are not. I know it is hard to understand for a christian mind.

@dipl. ing. (fh) franziska theissen ect.: Als ob Sie so tolerant wären wenn jemand gegen Sie demonstrieren würde, was würden Sie denn sagen wenn jemand mit irgendwelchen Halbwahrheiten gegen Sie Stimmung macht und demonstriert? Dass es den Demonstranten nicht um den Bildungsplan ging sieht man ja an den Plakaten. "Kein Pornounterricht", da hat wieder mal jemand nicht verstanden, dass sich das Sex in Homo- oder Bisexualität auf das Geschlecht bezieht und nicht auf Sexualpraktiken. Aber das möchte man wahrscheinlich mit Absicht nicht verstehen. Dann gibt es Plakate mit der Aufschrift "Kinder haben ein Recht auf Vater und Mutter", was hat das mit dem Bildungsplan für mehr Toleranz zu tun? Im Übrigen können Homosexuelle schon längst Pflegekinder bei sich aufnehmen, nur dass es eben nicht Adoption heisst... hat keiner bemerkt, hat nichts zum negativen verändert? Sowas aber auch. Auch wird durch Aufklärung niemand schwul oder hetero. Im Grunde geht es den Leuten doch nur darum, dass sie nicht wollen, dass eine Sache mit der sie durch ihre eigene Indoktrination nicht klar kommen, gleich behandelt wird. Die Kirche bzw. Christen werfen Indoktrination vor? Finden Sie den Fehler. Zumal es 1000x sinnvoller wäre, wenn diese Leute die ganze Energie, die sie in Kommentare, Petitionen und Demonstrationen gegen mehr Aufklärung stecken, in was positives investieren würden. So wie sie es immer predigen.

Vatis Argumente!: Genau! Geh' doch nach drüben!!! Ach, das geht ja leider nicht mehr ;-) Aber wer vielleicht doch noch ein bisschen Ernsthaftigkeit in der Debatte haben will: Hier geht es nicht um Homophobie, hier geht es um die freie Meinungsäußerung. Nur so zur Erinnerung: Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden! Wer das Grundrecht der freien Meinung in Wort, Schrift und Bild beschränken will, sollte sich ernsthaft Gedanken um seine Gesinnung machen. Was ist höher einzuschätzen? Das Recht auf die freie Meinungsäußerung, auch und gerade in Demonstrationsform, oder die linksgestrickte Poltical Correctness, die nur die Meinung zulassen will, die ihr gerade opportun erscheint? Jeder hat das Recht gegen S21 zu sein und jeder hat das Recht diesen Bildungsplan abzulehnen. Ob mir das passt oder nicht. So einfach ist das!

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