""Für mich ist die nächste Stufe der Eskalation überschritten.""
Wolfgang Drexler, Stuttgart-21-Koordinator
Stuttgart - Die Auseinandersetzung um das Für und Wider des Milliardenprojekts Stuttgart 21 wird immer schärfer und bekommt neue Facetten. Nach der jüngsten Montagsdemo vor dem Nordausgang des Hauptbahnhofs sind rund 1500 Teilnehmer dem Aufruf des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21 gefolgt - sie zogen vom Bahnhof zum Haus Jägerstraße 2, wo das Koordinationsbüro für Stuttgart 21 seinen Sitz hat. Dort wurden etliche Dutzend Exemplare der neu erschienenen und an Stuttgarter Haushalte verteilten Baustellen-Zeitung der Bahn AG vor den Eingangsbereich geworfen sowie an Wände und Fenster geklebt. Die Glasfront wurde zudem mit Aufklebern bestückt.
Gangolf Stocker, Sprecher des Aktionsbündnisses, kommentierte die Aktion am Dienstag gegenüber der Stuttgarter Zeitung: "Unser Demonstrationszug nach der Montagsdemo vor dem Hauptbahnhof war ordnungsgemäß angemeldet. Wir sind von dort zur Jägerstraße gezogen, um Wolfgang Drexler seine Bauzeitung zurückzugeben."
Als Auflage des Ordnungsamtes habe er zwei Pappkartons aufstellen lassen, in die man das mitgebrachte Material hätte werfen sollen - er, Stocker, räume aber ein, "dass es am Ende vor dem Gebäude etwas unübersichtlich ausgesehen hat". Allerdings sei er der Überzeugung, "dass man unsere Hinterlassenschaft leicht wieder beseitigen konnte. Das wäre eine Affäre von fünf Minuten gewesen". Stuttgart-21-Koordinator Wolfgang Drexler bewertete die Aktion vom Montagabend jedoch ganz anders: "Mit Sorge beobachte ich die derzeitige Entwicklung." Neben den Beleidigungen und Bedrohungen, die ihn und sein Büro erreichten, sei mit der Aktion an diesem Montagabend "die nächste Stufe der Eskalation überschritten worden".
Drexler setzt verstärkt auf Information
Drexler betonte, auf eine Informationskampagne zu setzen, "bei der für mich Deeskalation und Dialog im Mittelpunkt stehen". Es zeige sich, dass viele Bürger mehr über das Projekt wissen wollten.
Schon in den Tagen zuvor hatten sich Stocker und Drexler öffentlich gestritten: Während Drexler erklärte, man habe Stocker ein Streitgespräch mit dem Bahnchef Rüdiger Grube angeboten, bestritt der Sprecher der Stuttgart-21-Gegner dies - und bezeichnete Drexler als Lügner, was dieser wiederum prompt von sich wies.
In den vergangenen Wochen ist es im Zusammenhang mit Protesten gegen Stuttgart 21 auch bereits zu Sachbeschädigungen gekommen. So haben Unbekannte Anfang April 16 Fahrkartenautomaten entlang der Linie S 6 beschädigt. Die Polizei vermutet, dass es sich um Gegner von Stuttgart 21 handeln könnte, weil diese entsprechende Parolen hinterlassen haben. In der Nacht auf Ostersonntag haben unbekannte Täter die gläsernen Firmenschilder am Büro der Crew AG zerstört und 2500 Euro Schaden angerichtet. Drei Tage vor dem Übergriff hatte die Werbeagentur am Killesberg den Zuschlag für die neue Informationskampagne zu Stuttgart 21 erhalten.