Demonstration im Schlossgarten Harte Worte, friedlicher Protest
Thomas Braun, Fotos: Honzera (49), dpa (7), 23.07.2010 11:57 Uhr
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Der Mime fand scharfe Worte für die Projektbetreiber. Er sprach von einem "Kartell, das man eher bei Silvio Berlusconi und seinen Hintermännern vermutet hätte". Da wollte der Bundesvorsitzende der Linkspartei, Klaus Ernst, nicht nachstehen: "In Sizilien gibt es die Mafia, hier die Maultaschen-Connection", rief der Ex-Gewerkschafsfunktionär den "lieben Kolleginnen und Kollegen" im Schlosspark zu. Während Ernst seine Rede mit einer Prise Klassenkampf würzte ("Es gibt nur eine Gruppe in diesem Land, die über ihre Verhältnisse gelebt hat") und dazu aufrief, die nach Hause zu schicken, "die gegen uns regieren", konzentrierte sich sein Bundestagskollege Winfried Hermann (Grüne) in seinem Redebeitrag auf die Frage der Finanzierung des Tiefbahnhofs und der Neubaustrecke nach Ulm.

Viele Infrastrukurprojekte für den Schienenverkehr seien chronisch unterfinanziert, so Hermann, der auch Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Bundestags ist. Mit den von ihm auf rund zehn Milliarden Euro bezifferten Gesamtkosten für den Um- und Neubau zwischen Stuttgart und Ulm ließen sich 100 andere sinnvollere Projekte für jeweils 100 Millionen Euro angehen. Die Bahn kalkuliert bisher offiziell mit 4,1 Milliarden Euro für den Tiefbahnhof und zwei Milliarden Euro für die ICE-Trasse.



Die Pfarrerin Guntrun Müller-Enßlin kritisierte das ihrer Ansicht nach zu geringe Engagement der Kirchen in Sachen Stuttgart 21. Das Projekt insgesamt sei ein "gigantischer Geldverschiebebahnhof", die geplante Abholzung der Bäume bezeichnete sie als "Ökobarbarei", den Abriss der Seitenflügel des Bonatzbaus als "Gebäudevandalismus". Müller-Enßlin wandte sich auch gegen versuche, den Protest der Projektgegner zu kriminalisieren und die Angst vor gewalttätigen Aktionen zu schüren. Das Projekt selbst berge Gewalt in sich, wenn etwa die Bäume gefällt würden oder das Sparpaket der Bundesregierung die Ärmsten treffe, Stuttgart 21 aber verschont bleibe, so die Theologin.

Zwischendurch geriet das Protestfestival immer mal wieder zum Kulturhappening: Der Schriftsteller Wolfgang Schorlau gab einen satirischen Stuttgart-21-Kurzkrimi zum Besten, in dem der Stuttgarter Privatermittler Georg Dengler im Jahr 2025 alle Projektverantwortlichen fasst und vor Gericht bringt. Der Saxophonist Waldo Weathers erhitze das Publikum mit seiner Funk-Version der Protestparole "Oben bleiben" (Stuttgart - keep it up) und die Rapper Borna und Tobias Borke betreiben rhythmisch unterlegte Wortakrobatik.

Für die Klassikfans präsentierten die Sopranistin Sarah Wegener, Christine Busch (Violine) und Cornelius Witthoeft (Klavier) eine Händel-Arie, die den Parkschützern aus der Seele sprach: Darin wird die bezaubernde Pracht "glänzender Gärten" besungen. Zum Abschluss brachte dann der Sänger und Musiker Max Herre das Publikum nochmals ins Schwitzen.
Kommentare (251)
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JUL
24
Kai, 12:07 Uhr

Die Bürger immer schön blöd halten!

Unglaublich die bezahlten S21 Berufsjubler fordern ja immer wieder, dass nun die Bürger sich ihren Volksvertretern und diesen demokratisch gefassten Beschlüssen klaglos fügen sollen und alles ganz demokratisch erdulden sollen. Aber nun soll auch das Recht auf Information eingestellt werden, Auf die mehrfache Frage WANN die von Steuergeldern bezahlte SMA Studie veröffentlicht wird lautet die Antwort aus dem Büro: "Fazit: Überlassen Sie diese "Arbeit" und die Verantwortung den Menschen die etwas davon verstehen!" Das ist es ja eben, diese "Fachleute" zeigen ihre Kompetenz täglich bei den Planungen! Warum nur wurde der Berliner Bahnhof so teuer? Warum nur können diese "Fachleute" nicht ein mal eine S-Bahn Trasse termingerecht erweitern??

JUL
24
Stuttgarter Bürger, 11:41 Uhr

das wäre "anderst"...

S21-Fan: "was interessiert Sie und Andere die SMA-Studie ? Was ist wenn Sie diese kennen? Verstehen Sie diese Studie? Was ist anderst wenn Sie die Studie lesen? Fazit: Überlassen Sie diese "Arbeit" und die Verantwortung den Menschen die etwas davon verstehen! " Was dann "anderst" wäre: Die Öffentlichkeit, die diese Studie schließlich bezahlt hat, könnte sehen, ob die Zuständigen diese Studie dahingehend "verstanden" haben, dass sie die nötigen Konsequenzen aus ihr gezogen haben. Ihr "Text" zeigt eine erschütternd undemokratische Einstellung. Welche "Verantworetung" übernehmen die Durchdrücker, wenn die Sache finanziell aus dem Ruder läuft? Haftet Herr v. Beust für die abenteuerlich teurer gewordene Elbphilharmonie? Trägt Herr Mappus später die "Verantwortung" für seine atomare Begeisterung? Nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass Demokratie sich nicht darin erschöpfen kann, dass der Untertan alle vier Jahre ein kleines Kreuzlein malen darf. Hätten einige Politiker mehr demokratisches Bewusstsein, würden sie es begrüßen, wenn sie ihre Verantwortung mit mündigen Bürgern teilen könnten. Eigentlich müssten demokratisch gesinnte Politiker sich freuen, wenn die Bevölkerung sich für wichtige Fragen interessiert. Stattdessen haben einige Großkopfete Angst vor einem "Tag der offenen Tür" im Landtag. Kläglich und fast schon satirisch das Ganze...

JUL
24
ADE, 11:39 Uhr

@S21-Fan

@S21Fan: SIe masen sich an beurteilen zu können was andere verstehen oder nicht? Unglaublich diese Arroganz!! und genau diese Arroganz beschert dem Projekt Stuttgart 21 soviele Gegner weil Sie es einfach nicht verstehen mit anderen zu diskutieren sondern Sie sprechen den anderen einfach den Sachverstand ab und fertig!! Aber machen Sie nur weiter so sowas treibt auch noch den letzten Befürworter von S21 in die Arme der Gegner.

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