Stuttgart - Tausende von Bürgern aus Stuttgart, der Region und dem Land haben in der Landeshauptstadt am bisher heißesten Tag des Jahres erneut gegen das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 demonstriert. Während die Veranstalter getreu ihrem Motto "Wir werden immer mehr" von 20.000 Demonstranten sprachen, wollte die Polizei lediglich etwas mehr als 5000 Teilnehmer gezählt haben.
Rund 4000 Stuttgart-21-Gegner waren zuvor in vier Sternmärschen in Richtung Hauptbahnhof gezogen, wo sie auf der Schillerstraße für etwa eine halbe Stunde den Verkehr lahm legten. Die Aktion der Initiative "Parkschützer" war angemeldet und auch genehmigt. Die Polizei verbrachte demzufolge einen zwar heißen, aber ruhigen Nachmittag: "Das war ein ganz normaler, bürgerlicher Protest ohne irgendwelche besonderen Vorkommnisse", resümierte Polizeipressesprecher Stefan Keilbach.
Wenig kooperativ hatte sich im Vorfeld des Protestfestivals die Stuttgarter Feuerwehr gezeigt. Die Bitte der Organisatoren, wegen der hohen Temperaturen die Menge ähnlich wie beim Public Viewing mit Wassersprühnebel abzukühlen, sei mit dem Argument zurückgewiesen worden, dass Wasser könne Schadstoffe enthalten, berichtete Gerhard Pfeifer vom Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21.
Im Schlossgarten selbst waren dann ab 14 Uhr die Schattenplätze unter den Platanen heiß begehrt. Unter anderem richtete sich der Protest diesmal vor allem gegen den geplanten Abriss von rund 282 teilweise uralten Bäumen, die im mittleren Schlossgarten dem Bau von Stuttgart 21 zum Opfer fallen sollen. Und das "aus Größenwahn für einen Bahnhof, den niemand braucht und den kaum einer will", wie es der Stuttgarter Schauspieler Walter Sittler auf dem Podium formulierte.