Demonstration in Stuttgart Bildungsplan sorgt weiter für Streit

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In Stuttgart ist es erneut zu Auseinandersetzungen wegen des vorgesehenen Bildungsplans der grün-roten Landesregierung gekommen. Rund 300 Menschen haben gegen eine Veranstaltung der konservativen Gruppierung Demo für Alle protestiert.

Im Vorfeld des Kongresses der Bildungsplangegner ist eine Kundgebung gegen die Veranstaltung organisiert worden. Foto: Martin Stollberg 21 Bilder
Im Vorfeld des Kongresses der Bildungsplangegner ist eine Kundgebung gegen die Veranstaltung organisiert worden.Foto: Martin Stollberg

Stuttgart - Als die Teilnehmer des Symposiums Gender- und Sexualpädagogik am Samstagmorgen an der Liederhalle ankamen, wurden sie schon erwartet. „Ob Demo für alle oder AfD – stoppt den Rechtsruck in der BRD“, skandierten rund 150 vor allem jüngere Leute. Mit Transparenten („Vielfalt tut gut“) und Protesttafeln („Homophobie ist heilbar“) machten sie ihrem Unmut über die Veranstaltung Luft. Etwa 200 Polizeibeamte sorgten vor dem Halleneingang dafür, dass die beiden Gruppen ohne Handgreiflichkeiten aneinander vorbeikamen. Es gab zwar die eine oder andere Dränglei, mit der Linksautonome den überwiegend älteren Bildungsplangegnern den Zugang zur Liederhalle schwer machten. Alles in allem aber verliefen die schon von den Demonstrationen des vergangenen Jahres sattsam bekannten Reibereien auch diesmal ohne Zwischenfälle.

Unter den laut Polizei zeitweise bis zu 300 Demonstrationsteilnehmern vor der Liederhalle war auch Christoph Michl vom Vorstand des CSD (Christopher Street Day) und verteilte kleine Infobroschüren in Regenbogenfarben. „Es wird hier viel Desinformation betrieben“, kritisierte Michl die Veranstalter. Eine offene Diskussion werde jedenfalls nicht geführt. Der CSD, in dem Homosexuelle und Menschen anderer sexueller Minderheiten vertreten sind, hatte im Vorfeld des Symposiums öffentlich kritisiert, dass die Stadt die Liederhalle an die Bildungsplangegner vergeben hat. Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) meldete sich daraufhin zu Wort und erklärte, dass es keine Handhabe gegen die Vermietung gebe, er distanzierte sich aber gleichzeitig von den Inhalten der Veranstaltung. „Damit haben wir unser Ziel erreicht, das Ganze ist nicht unwidersprochen geblieben“, sagte Michl.

750 Teilnehmer beim Symposium

Während es draußen nicht nur witterungsbedingt für die Veranstaltungsteilnehmer frostig zuging an diesem Morgen, erwartete sie in der Liederhalle große Einmütigkeit. An verschiedenen Ständen konnten sie sich mit passender Lektüre eindecken zu Themen wie „Die globale sexuelle Revolution“. Der in warmem Braun getäfelte und gut geheizte Mozartsaal war voll, alle 750 Plätze belegt.

Einige Zuhörer konnten die Begrüßung durch Hedwig von Beverfoerde, Gründerin der Initiative Familienschutz und Mitorganisatorin der Demo für Alle, nur am Bildschirm im Foyer verfolgen. 2016 sei „ein besonderes Jahr“, sagte von Beverfoerde, „das heilige Jahr der Barmherzigkeit, ein Krisenjahr – und ein Wahljahr“. Dass es den Organisatoren der Veranstaltung nicht nur um den Sexualkundeunterricht im Bildungsplan der grün-roten Landesregierung geht, machte die Rednerin mit einem Hinweis auf das Flüchtlingsthema deutlich. „Entgrenzung“ erscheine ihr ein Signum dieser Zeit zu sein, erklärte Hedwig von Beverfoerde. Weder Staatsgrenzen noch die Grenzen der Natur hätten heute noch Gültigkeit. Der Beifall im Saal war ihr sicher.

Hetze statt Wissenschaftlichkeit

Doch nicht alle, die sich dort eingefunden hatten, waren der Auffassung, dass die heutige Geschlechtertheorie und Sexualpädagogik an dieser Stelle tatsächlich „auf dem Prüfstand der Wissenschaft“ gestellt wurden, wie der Untertitel der Veranstaltung behauptete. „Da ist vieles nicht wissenschaftlich fundiert, wird aber so verkauft“, sagte Marion Janke, die Geschäftsführerin von Pro Familia Stuttgart, die sich zu dem Symposium angemeldet hatte, um sich die Positionen der Bildungsplangegner einmal selbst eingehend anzuhören. „Viel Populismus und Hetze“ hat Janke bei der Veranstaltung wahrgenommen. Und dass es, wie ein Redner erklärt habe, in der heutigen Gesellschaft gar keine Diskriminierung von Frauen mehr gebe, dafür hatte die Geschäftsführerin von Pro Familia nur noch ein Kopfschütteln übrig.

Derweil hatten die rund 400 Polizeibeamte, die den Tag über im weiteren Umkreis der Liederhalle im Einsatz waren, immer wieder mal zutun. Zum einen fand nebenan im Hegelsaal der Landesparteitag der SPD statt. Die mehr als 300 Delegierten wurden am Eingang durch eine kleine Gruppe von Gegnern des geplanten Freihandelsabkommen TTIP begrüßt (Plakattext: „Stoppen Sie TTIP“). Im Hegelsaal hatte aber allenfalls die Schlange vor der Garderobe etwas tumultartiges.

Dafür hielt eine Gruppe von Linksautonomen die Polizei noch etwas auf Trab, als sie nach ihrem Auftritt vor der Liederhalle geschlossen in die City zogen und ihr übliches Spiel mit den Beamten trieben.

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22 KommentareKommentar schreiben

Faktencheck? Fehlanzeige!: Der Artikel beschreibt mit keiner Silbe den Inhalt der Vorträge zum Thema. Somit handelt es sich hier nicht um guten Journalismus, sondern um "tendenziöse Berichterstattung". Frau Janke von Pro Familia konstatiert "Da ist vieles nicht wissenschaftlich fundiert, wird aber so verkauft" und "Viel Populismus und Hetze“, ohne jedoch konkret zu sagen, was denn genau "nicht wissenschaftlich" sein soll. Es ist natürlich sehr viel leichter, solche (in Wahrheit populistische) Sätze von sich zu geben, als sich einmal mit inhaltlicher, sachlich fundierter Kritik zu Wort zu melden. Herr Michl vom CSD ist da nicht besser: "„Es wird hier viel Desinformation betrieben“ - worin konkret die "Desinformation" liegt wird ebenfalls nicht erwähnt. Dreist hingegen ist sein Vorwurf, "eine offene Diskussion werde jedenfalls nicht geführt". Alle Vertreter der Gender-Hypothese, die zur Podiumsdiskussion eingeladen waren, glänzten mit Abwesenheit. Warum? Wenn es sich bei Gender um echte Wissenschaft handelt, dann können diese Thesen auch belastbar verteidigt werden. Durch das Absagen der Teilnahme an der Diskussion zeigt sich m.E. etwas ganz anderes: man hatte keine Lust vor vollem Haus, gegenüber den Gegnern des Gender Mainstreaming keine Argumente mehr zu finden. Bei einem derart wichtigen Thema, welches auf Jahrzehnte hinaus gesellschaftspolitische Auswirkungen hat, ist einen Sachdiskussion zwingend erforderlich. Leider wird diese nicht geführt und Gegener von Gender durch Linkspopulismus diskreditiert. Erchütternd, dass man Veranstaltungen dieser Art mit Polizei schützen muss! Wo sind wir bloß hingekommen?!

Nun ja,: es ist ein Zeitungsartikel, keine wissenschaftliche Abhandlung. Und wer zugehört hat, hat durchaus gemerkt, dass da nichts wissenschaftlich war. So zitierte Herr Bonelli beispielsweise Studien, die seine Sichtweise belegen sollten - ich habe mal eine davon recherchiert, es handelt sich um eine methodisch fehlerhafte Studie, die rein gar nichts beweist. Oder was sollten beispielsweise die Exkurse in Sodomie und Pädophilie? Darin lag kein wissenschaftlicher Beweis für irgendwas, das mit "Gender" zu tun hat. Es wurden Zitate aus dem Zusammenhang gerissen, behauptet der Ursprung von Gender liege im Marxismus (!) und ähnliches. Kurz gesagt war das Wissenschaft, die schön gebogen wurde, um dem Zuhörer zu gefallen.

Studie: Könnten Sie mir bitte freundlicherweise die Studie benennen, die methodisch fehlerhaft sein sollte und welche Studie Ihrer Meinung nach methodisch korrekt sein sollte?

Bildungsplan sorgt weiter für Streit: Leider wieder ein tendenziöser Bericht, der vor allem die Anliegen der Gegendemonstranten in den Blick nimmt. Deren Rechtsbrüche sollten gerechterweise auch thematisiert werden. Von diesen wurden vor der Veranstaltung Broschüren des Sozialministeriums (als Sonderdruck?) mit dem Logo der "Demo für alle" verteilt. Ziel war wohl, damit den Eindruck zu erwecken, diese seien von der Arbeitsgemeinschaft "Demo für alle" herausgegeben. Sollte dies vom Ministerium gebilligt sein (wovon ich ausgehe) wäre dies eine Verschwendung öffentlicher Gelder (wegen des Sonderdrucks) und eine bewusste Irreführung der Bürger von Seiten des Staates (wegen der unrechtmäßigen Verwendung des Logos). Sieht so Toleranz und Rechtstaatlichkeit aus?

Bildungsplan sorgt weiter für Streit: Leider wieder ein tendenziöser Bericht! Wie gut, dass ich Ihre Zeitung abbestellt habe. Übrigens, wie weit geht das Demokratie- bzw. Rechtsverständnis, wenn Broschüren des Sozialministeriums (als Sonderdruck?) mit dem Logo der "Demo für alle" verteilt werden, um damit den Eindruck zu erwecken, diese seien von der Arbeitsgemeinschaft "Demo für alle" herausgegeben? Sollte dies vom Ministerium gebilligt sein (wovon ich ausgehe) wäre dies eine Verschwendung öffentlicher Gelder und eine bewusste Irreführung der Bürger von Seiten des Staates. Sieht so Toleranz und Rechtstaatlichkeit aus?

Gewichtung unserer Probleme: Welche Gewichtung sexuelle Vielfalt im Bildungsplan bekommt, dürfte eines der untergeordnetsten Themen derzeit sein. Das sollten sich beide Seiten klar machen bezüglich der Art und Weise des Umgangs miteinander. ______________ Dennoch ist auch hier neutrale Berichterstattung wichtig. Unsinn wie der "in warmem Braun getäfelte Mozartsaal" oder wertende Zwischenüberschriften wie "Hetze statt Wissenschaftlichkeit" helfen nicht.

Warum ???: Geht niemand auf die Straßen , für die wichtigen realen Probleme die Stuttgart hat? Körperverletzung , Raub , Diebstahl , Vergewaltigungen jedes Wochenende die gleichen SCHLAG Zeilen , ist halt so.

das ist ein reales Problem: deshalb gehen die Menschen auf die Straße. Die Vorfälle sind ein Problem, keine Frage. Melden Sie doch für Ihre o.g. Anliegen eine Demo an, wer hält Sie davon ab!?!

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