Demonstration Initiative fordert Investitionen in Bildung
dpa/lsw, 26.02.2011 16:28 Uhr
 Foto: dapd
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Stuttgart - In der Stuttgarter Innenstadt haben am Samstag rund 100 Menschen für eine bessere Bildung demonstriert. Zur Demonstration mit anschließender Kundgebung hatte die Initiative "Schule mit Zukunft" aufgerufen. Die Initiative machte mit elf weiteren Organisationen wie dem Arbeitskreis Gesamtelternbeiräte, dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB)und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) auf die Missstände im Bildungswesen aufmerksam. Die Initiative fordert unter anderem mehr Lehrer, längeres gemeinsames Lernen der Schüler, mehr Ausbildungsplätze und die Durchlässigkeit des Bildungssystems. Kultusministerin Marion Schick (CDU) sah in der geringen Teilnehmerzahl eine Bestätigung, "dass die klare Mehrheit der Bevölkerung hinter unserem Bildungssystem steht".

Petra Fritsch, die Vorstandsvorsitzende des Kita Bündnisses Baden-Württemberg, forderte "alle Einrichtungen für Kinder unter drei Jahren gebührenfrei anzubieten". Statt vieler kleiner Projekte, die in den Kindergärten durchgeführt werden, aber nur wenig brächten, könnte dieses Geld sinnvoller eingesetzt werden, unter anderem für kleinere Kindergruppen und die finanzielle Aufwertung des Erzieherinnenberufs.

Für kleinere Schulklassen setzte sich die Landeselternbeirätin Marlen Pankonin ein. Sie bemängelte die zu geringe Möglichkeit der Mitbestimmung der Schüler und Eltern und plädierte für die Abschaffung der Grundschulempfehlung. Außerdem will sie den Schulen mehr Autonomie zusprechen, beispielsweise um ein längeres gemeinsames Lernen zu ermöglichen.

Kleinere Schulklassen und mehr Lehrerstunden gefordert


Die GEW-Landeschefin Doro Moritz forderte kleinere Schulklassen, mehr Lehrerstunden und Schulsozialarbeiter anstatt ehrenamtliche Helfer. Die stellvertretende DGB-Landesvorsitzende Marion von Wartenberg betonte: "Wem die Bildung tatsächlich am Herzen liegt, der soll nicht reden, sondern Mittel bereitstellen." Sie bemängelte den Unterrichtsausfall und zu wenig Plätze für Schüler an den beruflichen Schulen.

Kultusministerin Schick kündigte an, zum kommenden Schuljahr die Beruflichen Gymnasien um zusätzliche 100 Klassen auszubauen. Von Wartenberg bezeichnete dies als eine Mogelpackung. Die Landesregierung arbeite mit statistischen Tricks, da beispielsweise der Klassenteiler gesenkt werde und es letztendlich nur 40 neue Klassen seien.

Unabhängigkeit der Hochschulen gefährdet


Im Bereich der Hochschulpolitik bemängelte David Koch, Vertreter der Landesastenkonferenz der Universität Freiburg, die chronische Unterfinanzierung der Hochschulen. "Viele Stellenbesetzungen werden zeitlich hinausgeschoben", darunter leide die Lehre. Dass die Gelder teilweise von der Wirtschaft eingeworben werden müssen, gefährde die Unabhängigkeit und Vielseitigkeit der Hochschulen. Auch er forderte mehr Mitsprache für die Studierenden und eine Abkehr von der zwanghaften Studienverkürzung.

Auf den Vorwurf der Initiative, es würden zu wenig Studienplätze aufgrund des doppelten Abiturjahrgangs und der Aussetzung der Wehrpflicht bereitstehen, entgegnete das Stuttgarter Wissenschaftsministerium: Bis zum Jahr 2012 würden zusätzlich 20 000 neue Studienplätze und rund 1 500 zusätzliche Professorenstellen geschaffen. Dafür gebe das Land bis zu 210 Millionen Euro jährlich aus.
Kommentare (9)
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FEB
27
mamajeti, 23:56 Uhr

Bürgerbewegung für Bildung

Ja, eine Bürgerbewegung für Bildung wäre doch mal was! Auch ich finde es erschreckend, wie desinteressiert viele Menschen beim Thema Bildung sind. Ist das selbst auch schon ein Ausdruck mangelnder Bildung? Oder eher ein Zeichen von Resignation, dass man doch nichts ändern kann? Vielleicht ist es auch so, doch ich werde es am 27.03. auf jeden Fall versuchen, denn wie sagte schon Georg Christoph Lichtenberg: Es ist nicht gesagt, dass es besser wird, wenn es anders wird. Aber wenn es besser werden soll, muss es anders werden. In diesem Sinne wünsche ich allen eine gute Wahl!

FEB
27
Jutta, 23:11 Uhr

Wo sind die Eltern?

@Margit Nicht die Bürgerinnen und Bürger die gegen S21 demonstrieren sind hier gefragt, sonder die Eltern der Schulkinder. Wo sind die vielen Eltern, die (wenn auch berechtigterweise) immer am Schimpfen sind? 350 Mio Sanierungsbedarf allein an den Stuttgarter Schulen - wo sind die Eltern? Es reicht nicht dagegen zu sein und zu meckern, man muss auch etwas für dafür tun! Von alleine wird sich nichts bessern, das kennen wir doch schon: vor den Wahlen ist die Bildungspolitik an ganz oberster Stelle unserer Regierungsparteien und wenn die Wahl vorbei ist, wandert sie wieder in die hinterste Schublade. S21 und Bildungspolitik haben übrigens durchaus etwas miteinander zu tun. Durch das Milliardenprojekt wird das Geld gerade auch im Bildungsbereich noch knapper werden, denn bekanntlich kann man das Geld nur einmal ausgeben - zumal wenn man es eigentlich gar nicht hat und durch Schulden finanzieren muss.

FEB
27
Monika, 23:06 Uhr

Initiative fordert Investitionen in Bildung

Die Intitiative aus verschiedenen Interessensgruppen von Eltern, SchülerInnen, Studentinnen und LehrerInnen haben mit ihrer gemeinsamen Aktion die Bildung als wichtigstes Thema bei der Landtagswahl in den Mittelpunkt gerückt. Die Ressonanz war ein Vielfaches als die von Ihnen gezählten 250 Teilnehmer, denn es blieben im Laufe der 3 Stunden ständig neue Interessierte stehen, hörten den Reden zu und holten sich Informationen. Es waren auch LandtagswahlkandidatInnen der SPD, der Grünen und der Linken zugegen. Frau Schick war nicht da. Dabei hätte sie die Gelegenheit nutzen können, um sich die wirklichen Sorgen der anwesenden Eltern anzuhören. Wir konnten auf jeden Fall nicht hören, dass die Betroffenen mit den Bildungschancen im Ländle zufrieden sind.

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