Krimikolumne

Denise Mina: „Der letzte Wille“ Schleichende Sonne über Glasgow

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Denise Mina erzählt in „Der letzte Wille“ zum dritten Mal von der Journalistin Paddy Meehan. Die Spannung bleibt zwar aus, dafür wartet das Buch mit hübschen Stilblüten auf.

„Goldgelb und höhnisch grell“ – zur Sonne hat Denis Mina offenbar  ein ganz eigenes Verhältnis. Foto: dpa
„Goldgelb und höhnisch grell“ – zur Sonne hat Denis Mina offenbar ein ganz eigenes Verhältnis.Foto: dpa

Stuttgart - Es gibt Bücher, die wollen erst einmal auf 30, 40 Seiten erarbeitet sein, ehe sie einen dann aber mit Macht in die Handlung hineinziehen. Und es gibt Bücher, die eine kernige, zügige, neugierig machende Exposition haben – und anschließend in einem Geschehen verläppern, durch das man sich aus purem Pflichtbewusstsein 100, 2o0, 250 Seiten durchschleppt, um dann doch jegliches Interesse am weiteren Verlauf zu verlieren. In letztere Kategorie gehört „Der letzte Wille“ von Denise Mina.

Um es ganz kurz zu machen: Erzählt wird die Geschichte der bereits aus zwei früheren Romanen Minas bekannten Paddy Meehan, einer Journalistin in Glasgow. Deren Ex-Freund Terry wird gekidnappt und hingerichtet (damit beginnt der Thriller ziemlich furios), Paddy versucht die Hintergründe aufzuklären. Steckt die IRA dahinter, deren gewalttätiges Treiben auch auf Schottland ausstrahlt? Gerät Paddy selbst in Gefahr? Am Ende auch noch ihr kleiner Sohn Pete?

Es mag ja sein, dass der Plot durchaus Potenzial hat: die Erosionen in der Gesellschaft, die Gewaltfrage, die IRA, das niedergehende Zeitungswesen, die Geschichte eines entlassenen Häftlings, der einst ein Kind ermordet hat. Trotzdem will man dann halt doch nicht wissen, wie es weitergeht.

Daran ändern auch die gelegentlichen Stilblüten nichts, die wenigstens zu einer gewissen Erheiterung beitragen: „Die Erinnerung an Terrys Leiche saß ihr in der Kehle.“ Und: „Die Sonne lugte wie eine Straßendiebin hinter dem Horizont hervor.“ Oder: „Eine Wohnsiedlung aus Beton kauerte dem Wasser zugewandt am Fuße einer Anhöhe, pandaäugige Fenster spähten aufs Meer hinaus.“ Nicht zu vergessen: „Von hinten schlich sich die Sonne an, goldgelb und höhnisch grell.“

Denise Mina: „Der letzte Wille“ (The Last Breath). Roman. Aus dem Englischen von Conny Lösch. Heyne TB, München. 480 Seiten, 9,99 Euro.