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Der Köpke der Filder mag es konservativ
"Blick vom Fernsehturm", 19.10.2011 02:40 Uhr
Fußball Tino Köstel ist seit dieser Saison als Torwarttrainer zurück an seiner einstigen Stätte beim SV Bonlanden. Von Harald Landwehr

Beim Deutschen Fußball-Bund und in den Medien hat er ein eigenes Kürzel: der BTT - der Bundestorwarttrainer. Erfunden hat den Begriff einst derjenige, der das Amt selbst mehr als eineinhalb Jahrzehnte lang erfolgreich ausgeübt hat: die Torhüterlegende Sepp Maier. Einen BTT gibt es aber nicht nur beim nationalen Verband, dort inzwischen in Person von Andreas Köpke, sondern auch im Funktionärsstab des höchstklassigen Fußballclubs der Filder: einen Bonlandener Torwarttrainer. Dessen Name: Tino Köstel. Der Exprofi ist seit dieser Saison an seiner einstigen Wirkungsstätte zurück und hat einen Anteil an den aktuell guten Ergebnissen des Oberliga-Aufsteigers.

Zwar ist Köstel in Bonlanden nur auf Honorarbasis und in der Regel nur einmal pro Woche tätig. Die Absichten sind aber die gleichen wie bei Köpke: Köstel soll mit einer optimalen Vorbereitung dafür sorgen, dass der eigene Keeper am Wochenende möglichst wenig Bälle aus dem Netz fischen muss. "Ich helfe dem Verein gerne, wenn ich kann. Ich mag die Verantwortlichen und das Umfeld, und ich habe hier mit die schönste Zeit meiner Karriere verbracht", sagt Köstel. Auch bleibt er somit dem Fußballgeschäft verbunden.

Für einen Torhüter ungewöhnlich früh, schon mit Ende 20, hat Köstel vor fünf Jahren die Kickschuhe an den Nagel gehängt, um sich ganz dem Beruf zu widmen (siehe "Zur Person"). Zum Beginn seiner Spielerlaufbahn war Köstel die Nummer eins beim SV Bonlanden, ehe er beim damaligen Drittligisten Stuttgarter Kickers anheuerte. Stets galt der 1,88 Meter lange Schlaks als einer der Besten seiner Spielklasse. "Ich habe von meinen Torwarttrainern viel gelernt - von ,Moppes" Petz und Waldemar Cimander bei den Kickers, aber hauptsächlich von Rainer Dinkelacker in Bonlanden. Jetzt versuche ich, meine Kenntnisse bestmöglich weiterzugeben", sagt der Mann mit Wohnsitz in Wendlingen.

Eingeladen sind zu den Übungsstunden auf den Fildern auch die Schlussleute der zweiten Mannschaft sowie der A- und der B-Jugend. Hauptsächlich beschäftigt ist Köstel, der einst bei den Erstligisten Hannover 96, Waldhof Mannheim und 1860 München im Gespräch war, aber mit dem Duo Christian Landenberger und Philipp Günther aus dem Oberligakader. Von 2007 bis 2009 war der heute 33-Jährige schon einmal für die Bonlandener Torleute zuständig, im Sommer ist er nun zurückgekehrt. "Es geht vor allem darum, am Spielverständnis, an der Organisation der Abwehr und an den fußballerischen Qualitäten zu arbeiten", sagt Köstel. Dabei bevorzugt er klassische und konservative Mittel - ganz abgesehen davon, dass etwa eine Torschusskanone, wie sie bei Bundesligisten eingesetzt wird, in seinem Verein eh nicht zur Verfügung stünde. "Ich verschließe mich neuen Ideen oder ungewöhnlichen Methoden keinesfalls, aber ich muss auch nicht alles mitmachen."

Schlecht können die Methoden des SVB-TT nicht sein. Das beweisen die Leistungen des Stammtorhüters Landenberger in den vergangenen Wochen. Gerade einmal drei Gegentore haben die Bonlandener in den vergangenen fünf Spielen kassiert, was freilich nicht allein am Keeper lag, aber eben auch. Lob zollt der Bonlandener Oberligacoach Norbert Stippel, der Köstel einst selbst als Spieler unter seinen Fittichen hatte: "Tino ist ein ausgewiesener Fachmann, der die notwendigen Korrekturen bei den Torhütern auf den Punkt bringt. Zudem ist er zwischenmenschlich ein ganz feiner Kerl", sagt Stippel.

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