Der Kreis Böblingen setzt beim Aufbau einer neuen Hochschule an der ehemaligen Akademie für Datenverarbeitung (ADV) in Böblingen auf drei Kooperationspartner. Neben der Hochschule Reutlingen und der Universität Stuttgart arbeitet die Kreisverwaltung jetzt auch mit der Hochschule Esslingen zusammen. In den Räumen der ADV soll eine neue Außenstelle der Hochschule Reutlingen entstehen. Ein Geschäftsplan soll Mitte Dezember dem Wissenschaftsministerium vorgelegt werden. Der Landrat Roland Bernhard hofft im nächsten Frühjahr auf grünes Licht. Dann könnte nämlich im folgenden Herbst bereits mit einem zweijährigen Masterprogramm im Studienfach Wirtschaftsinformatik mit dem Abschluss Master of Science in Services und Computing begonnen werden.
Zunächst sollen 48 Studienplätze angeboten werden, im zweiten Jahr könnten dann bis zu 96 Studierende den Masterabschluss anstreben. Zudem sollen am Standort Böblingen künftig hundert Studierende aus anderen Bachelorprogrammen der kooperierenden Hochschulen aufgenommen werden.
"Uns haben viele Firmen signalisiert, dass es einen hohen Bedarf gibt", erklärte der Sozialdezernent Alfred Schmid. Schon heute sei der Fachkräftemangel in der Branche der Informationstechnologien eine Wachstumsbremse. Für eine noch höhere Qualifizierung der Wirtschaftsinformatiker ist ein gemeinsames Promotionskolleg mit der Universität Stuttgart geplant.
Das Geld für die neue Hochschule soll aus verschiedenen Quellen kommen. Auch Unternehmen der IT-Branche sollen einen Beitrag dazu leisten. Seit einem Jahr treibt die Kreisverwaltung die Planung mit der Hochschule Reutlingen, mit Firmen sowie mit der Stadt Böblingen voran. "Böblingen begrüßt das Vorhaben und ist über die kostenlose Bereitstellung des Grundstücks der ADV hinaus bereit, sich für die ersten zehn Jahre mit bis zu 170 000 Euro jährlich an den Kosten zu beteiligen", sagte der Landrat. Auch der Landkreis werde sich an der Finanzierung beteiligen. Über einen Zeitraum von zehn Jahren stelle er jährlich 230 000 Euro bereit. Zudem komme er auch für die Ausstattung der Hochschule auf. Dafür würden pro Jahr weitere 207 000 Euro fällig.
Aber auch IT-Firmen sollen Geld in die Kasse spülen. Wie hoch ihr geplanter Einsatz ist, steht laut dem Landrat noch nicht fest. Der Kostenrahmen sei noch nicht exakt ermittelt worden. Zehn Unternehmen haben sich laut Bernhard bis jetzt bereiterklärt, sich finanziell zu engagieren. Geplant ist, dass sich Firmen mit einem monatlichen Beitrag von 900 Euro pro Studienplatz beteiligen können.
Zunächst sollen sieben bis acht Professoren die Studenten unterrichten. Die Hochschule Reutlingen steuere mit je 130 000 Euro das Geld für zwei Professuren bei, sagte der Landrat in der gestrigen Sitzung des Bildungsausschusses. Darüber hinaus stelle Reutlingen zwei akademische Mitarbeiter. Die Hochschule Esslingen sowie die Universität Stuttgart seien mit je einer Professorenstelle mit von der Partie. Dazu kämen dann noch die drei bis vier Professuren, die der Kreis und die Stadt Böblingen finanzieren. Wenn sich Sponsoren finden, könnte darüber hinaus noch eine weitere Professur eingerichtet werden.
Im Gegenzug wird die ADV weitgehend aufgelöst. Andere Schulen übernehmen ihre bisherigen Klassen. Als einzige Schulart bleibt an der ADV das dreijährige Berufskolleg für Informatik mit seinen 125 Plätzen erhalten. Sie stehen für Abiturienten bereit. An der ADV, die bis zu 850 Schüler aufnehmen konnte, waren die Schülerzahlen zuletzt stark gesunken.


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