Der Kreis Göppingen hat eine Wildtierbeauftragte Eine Anwältin für Fuchs, Marder und Co.

Von Sabine Riker 

Patricia Brandbeck berät Behörden, Kommunen und Privatpersonen im Umgang mit Wildtieren. Als Absolventin des Studiengangs Wildtierökologie und Wildtiermanagement ist sie für diese Aufgabe geradezu prädestiniert.

Wenn Wildtiere den Garten heimsuchen, weiß Patricia Brandbeck Rat. Foto: Horst Rudel
Wenn Wildtiere den Garten heimsuchen, weiß Patricia Brandbeck Rat. Foto: Horst Rudel

Göppingen - Jetzt hat sie ihren Traumjob doch noch bekommen. Patricia Brandbeck ist die Wildtierbeauftragte des Kreises Göppingen. Weil Stellen für Absolventen des Masterstudiengangs Wildtierökologie und Wildtiermanagement dünn gesät sind, war die 28-Jährige zunächst in einem Büro für Landschaftsplanung tätig. Als sie aber hörte, dass im Kreis Göppingen eine Beauftragte für Wildtiere gesucht wird, bewarb sie sich sofort auf die erstmals ausgeschriebene Stelle – und bekam prompt den Zuschlag. „Ich habe ein enges Verhältnis zu Tieren. Deshalb ist das genau die Arbeit, die ich gerne machen möchte“, sagt sie.

Die Wildtierbeauftragte, deren Stelle bei der unteren Jagdbehörde im Landratsamt angesiedelt ist, fungiert als Vermittlerin zwischen Jägern und Behörden sowie als Anlaufstelle für alle, die Fragen zum Umgang mit Wildtieren haben. Das können Behörden, Kommunen, aber auch Privatpersonen sein. Ihre Vita prädestiniert Patricia Brandbeck geradezu für diese Aufgabe. Als Tochter eines Jägers hat sie noch vor dem Abitur den Jagdschein gemacht, dann hat sie Forstwissenschaft in Freiburg studiert und schließlich in Wien ein Studium für Wildtierökologie und Wildtiermanagement angehängt. Obwohl die Halbtagesstelle infolge des neuen Jagd- und Wildtiermanagementgesetzes erst vor Kurzem geschaffen wurde – der Kreis Göppingen gehört zu den ersten, die das getan haben –, kann Patricia Brandbeck nicht über zu wenig Arbeit klagen. Täglich rufen Bürger an, die Probleme mit Füchsen, Mardern, Waschbären oder Siebenschläfern haben und nicht wissen, wie sie der Situation Herr werden sollen. Die 28-Jährige weiß Rat. In schwierigen Fällen nimmt sie die Situation auch an Ort und Stelle in Augenschein.

Manche Anrufer wollen nur erzählen

„Kürzlich hat eine Frau angerufen und erzählt, dass in einer Scheune, die als Lager genutzt wird, große Tiere sind“, erzählt sie. Als sie dort war, hat sie zwar kein Tier zu Gesicht bekommen und auch keinen Kot gefunden, der einen Hinweis auf die Identität der vierbeinigen Missetäter gegeben hätte, aber sie vermutete, dass es sich um Siebenschläfer oder Marder gehandelt hat. „Die können richtig Radau machen“, sagt sie. Eine einfache Abhilfe gab es in diesem Fall nicht. „Eine Scheune dicht zu kriegen ist schwierig. Wenn es vertretbar ist, empfehle ich, die Tiere zu tolerieren.“

Um Füchsen und Mardern den Aufenthalt im Garten zu vergällen, genüge es manchmal, einen Komposthaufen zu beseitigen und Katzenfutter zu entfernen. Einen Waschbären von einem Gartenteich fernzuhalten sei dagegen nicht so einfach. Man könne zwar den Teich mit einer Plane zudecken, aber eigentlich habe man ihn dafür ja nicht gebaut. Doch nicht alle, die anrufen, haben ein Problem mit den tierischen Besuchern. „Viele Leute wollen einfach erzählen und wissen, warum die Tiere kommen“, sagt Patricia Brandbeck.

Sie möchte Verständnis wecken

Generell nehmen die Berührungspunkte zwischen Wildtieren und Menschen zu, wie Patricia Brandbeck sagt. Der Grund: Füchse, Marder, Waschbären, Siebenschläfer und Co. lassen sich verstärkt in Siedlungsbereichen nieder, weil sie dort nicht bejagt werden. „Das wissen die genau“, sagt sie. In Wohngegenden sei der Schusswaffengebrauch verboten. Im schlimmsten Fall sei der Einsatz von Fallen möglich. „Aber selbst dazu braucht man eine besondere Genehmigung“, sagt sie. Am liebsten ist es ihr, wenn sie vermitteln und Verständnis für die Natur wecken kann.

Auf Patricia Brandbecks fachlichen Rat können auch die Jäger zählen. So betreut sie Bejagungskonzepte oder schaut sich an, wenn Hegegemeinschaften Biotope anlegen, um diese dann fachlich zu bewerten. „Ich bin da aber kein Kontrollorgan, sondern eher eine Schnittstelle“, sagt sie.