Strohgäu Extra
 
Der lächelnde Feuersalamander
"Strohgäu Extra", 22.03.2011 02:40 Uhr
Ludwigsburg Lurchi, das Maskottchen der Bundesligabasketballer,ist im echten Leben ein gut gelaunter Lehrer. Von Fabian Schmidt

Dieser Stoß ist einstudiert. Als Lurchi, das Maskottchen der Ludwigsburger Basketballer, beim vergangenen Bundesligaheimspiel gegen Bremerhaven alles gibt und beim Einlaufen der Mannschaft einen Kopfstand fabriziert, schubst ihn der Aufbauspieler David McCray einfach um. Lurchi plumpst zu Boden und wird später weitere Einlagen zeigen, um die Zuschauer in der Arena anzufeuern und einzustimmen.

Anklatschen vor den Tribünen, Tanzen mit Cheerleadern, ein eingesprungener Bauchrutscher: Lurchi schont sich nicht. Als er mit einem kleinen Jungen abklatscht, lacht dieser und schaut in der Folgezeit mehr auf das Maskottchen als auf das Feld.

Philipp Schuler, Berufsschullehrer für Sport und Wirtschaft in Schorndorf (Rems-Murr-Kreis), ist 32 Jahre alt und ein lustiger Zeitgenosse. Er steckt seit fast zehn Jahren in dem Salamanderkostüm. "Die Kinder, der Spaß und die Narrenfreiheit" motivieren den Stuttgarter, und ein bisschen Geld gibt es auch. Über einen Studentenjob wurde Schuler zum Lurchi - und blieb der Rolle seither treu. "Ich habe nur fünf Spiele verpasst, darauf bin ich schon stolz." Eine Zeitlang hielt er seinen Nebenjob geheim, doch als ihn ein Fernsehbeitrag entlarvte, fanden es seine Schüler "cool". Auch der Schulleiter hatte kein Problem damit.

"Cool, krass, geil" - diese Worte verwendet Schuler häufiger im Gespräch auf seiner Cannstatter Baustelle. Er erfüllt sich zurzeit einen Traum und renoviert ein Haus für sich und seine Frau. Im Bad hat er soeben ein Brett zur Verstärkung der Waschbeckenrückwand zugesägt und sitzt nun auf einem Fließenstück auf der Klobrille. "Ich muss mich zu nichts zwingen", sagt er, alles mache ihm Spaß, aber er sei ja ohnehin ein gut gelaunter Mensch. "Um 6.45 Uhr kriegt meine Frau schon den ersten Witz zu hören."

Philipp Schuler hat die Eigenschaften, die ein Maskottchen auszeichnen. "Er ist cool, weil ihn meine Tochter liebt", sagt der Ludwigsburger Flügelspieler Toby Bailey. Das wird Lurchi gefallen, schließlich will er vor allem Kinder erfreuen. "Wenn die Augen der Einlauf-Kids vor dem Spiel leuchten, ist es schon ein besonderer Moment." Der Kapitän Jerry Green kennt Schuler auch ohne Kostüm: "Er ist ein guter Typ, der immer lächelt."

Das tut er auch im Interview und berichtet von Nervosität bei seinem Einstand, die aber schnell abgeklungen sei, vom Spaß, Autogramme zu schreiben, und von der schweißtreibenden Hitze im Kostüm. Da hilft auch der Ventilator im Kopf seiner neuen Verkleidung nichts, die er seit dieser Saison hat. Denn den Helm trägt er noch nicht, weil dieser erst angepasst werden muss. Danach soll das Ankleiden in der eigenen Lurchi-Kabine noch schwieriger werden und ohne Hilfe kaum möglich sein.

Doch das erträgt Schuler gerne und freut sich vielmehr, als Feuersalamander ein "Exot" unter den Basketballbundesliga-Maskottchen zu sein. Das Tier rührt noch aus der Zeit, als der Schuhfabrikant Salamander zur EnBW, dem Namenssponsor der Basketballmannschaft, gehörte. Lurchi war das Werbemaskottchen der Firma und eine Kultfigur in der Region.

In der nun Philipp Schuler steckt. Er gewann neben Freundschaften mit Fans auch an Lebenserfahrung. "Man verliert ein wenig die Scham und sieht auch im Alltag vieles lockerer", sagt der 32-Jährige. Das ist auch für den kommenden Sonntag gut, denn das Heimspiel gegen Oldenburg (19.05 Uhr) überträgt der Fernsehsender Sport 1 live. Lurchi muss sich dann vor einem nationalen Publikum beweisen.

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