Der neue Bahnhof Eine unerreichbare Insel?

Thomas Braun, 30.09.2010 07:22 Uhr
Stuttgart - Die Planung des Bahnprojektes Stuttgart 21 verläuft angeblich so chaotisch, dass sogar mit dem Vorhaben aufs engste vertraute Planer an der Umsetzung zweifeln. Das soll aus aktuellen Vorstandspapieren, Dokumenten und Szenarien hervorgehen, die dem Hamburger Magazin "Stern" vorliegen. Das Blatt zitiert in seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe einen anonymen, aber dem Vernehmen nach hochrangigen Informanten aus der Berliner Konzernzentrale mit den Worten: "S 21 ist aberwitzig, es wird eine Insel im Bahnverkehr geschaffen, die von kaum jemandem erreichbar sein wird."

Laut dem Bericht sollen Planer in Briefen an die für Stuttgart 21 zuständige Projektbau AG der Deutschen Bahn "das Risikopotenzial" beklagen, weil etwa für die vorgesehenen Tunnelarbeiten "rohbaurelevante Angaben" fehlten. Die Vergabe für die Tunnelbauten, die den neuen unterirdischen Tiefbahnhof an die geplante ICE-Trasse Wendlingen-Ulm anbinden sollen, geschehe "ohne eisenbahntechnische Ausrüstung". Aus den Dokumenten gehe hervor, dass Oberleitungen ebenso wenig wie Signalanlagen in den Zugtunnels vorgesehen seien.

Der Grund: die üblichen Oberleitungen passten nicht in die Tunnel, da sie von der Normgröße abwichen – die übliche Signaltechnik passe deshalb ebenfalls nicht. In einem Protokoll vom Juli dieses Jahres heißt es dazu laut "Stern": "Aktuell fehlen systemrelevante Entscheidungen im Hinblick auf Oberleitungsanlagen und Signaltechnik." Und: "Derzeit keine Zulassung für System Stromschiene bei Geschwindigkeit 160 Stundenkilometer." Zudem gebe es Probleme mit der Signalisierung der geplanten Strecken. In Stuttgart werde mit dem modernen europäischen Signalsystem, dem European Train Control System (ETCS) für Hochgeschwindigkeitszüge, geplant.

 
 
Kommentare (101)
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OKT
03
Kalle Meier, 01:48 Uhr

@H.G. Nein, kein Humbug

Der Artikel des Stern besagt ja gerade eben, dass NICHT mehr vorgesehen ist, PZB einzubauen. Damit scheint man wohl aus Kostengründen vom Planfeststellungsbeschluss abzuweichen. Denn in der Tat stand das da drin. Sie haben zwar auch recht, dass man die Eisenbahntechnische Ausrüstung nicht sofort ausschreibt, da sie ja erst später eingebaut wird, wie gerade am Gotthard. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass der planende Ingenieur trotzdem bereits in diesem Falle vorher über die einzubauende Technik Bescheid wissen muss, wenn es um die Ausführungsplanung geht. Warum? Weil das Tunnelprofil abweichend vom Regelwerk eine kleinere Sonderkonstruktion ist, die extra genehmigt werden musste. Man nennt dies bei DB Netz eine Unternehmensinterne Genehmigung (UiG) und die durch das EBA erteilte Genehmigung Zustimmung im Einzelfall (ZiE). Hätte man sich an die Regelzeichnungen aus den Regelwerken der DB AG gehalten, wäre genug Reserve vorhanden. So aber hat man sich mit dieser 'kostensparenden' Lösung nachträglich richtig Ärger eingehandelt. Denn jetzt muss das schon vorher bekannt sein. Ein Vorkommentator hat ja sonst auch schon bestätigt, dass man die Anlagen nicht einfach so irgendwo in den Tunnel reindübelt - das muss schon alles sauber eingeplant werden, auch was die Befestigungspunkte der Oberleitung angeht. Das alles spricht umso deutlicher dafür, dass diese Planung auf Kante genäht ist und nur mit vielen Winkelzügen am Leben erhalten werden konnte, um der Politik weiterhin den Glauben an ein angeblich zukunftsfähiges Projekt zu lassen. So holt einen die Realität ein...

SEP
30
lmx, 19:42 Uhr

Bäume ausreissen....

Noch mal kurz zur 'Bäume - Umpflanz - Thematik': Es sollen 20 Stück 5 - 12 m hohe Bäume umgepflanzt werden. Bäumchen wäre etwas genauer und würde die Relation zur Durschnittsgrösse der vorhandenen Bäume zum Ausdruck bringen. Schlau gemacht vom S21- Büro: keine Sau liest sichs genau durch, hängen bleibt 'Bäume umpflanzen'

SEP
30
benkert, 15:32 Uhr

Entschuldigung …Fr. Kanzlerin Merkel und Hr. Grube

… ich habe noch etwas vergessen auszusprechen-natürlich zu Ihren Gunsten. Darf ich das mit ihren Worten an BW Mappus und BM Schuster hier über STZ-online vorab herantragen. Danke im Voraus. Zitat: ( sanftseichte Satire) 'Vielen Dank noch für die 4 zusätzlichen Fernbahngleise im + NBS U-Bahnhof -Stuttgart-Zentralschwaben West + Unseren NBS Freaks schaden die überhaupt nicht. Danke, danke! Wir machen dann mal schon weiter! Sagen Sie uns Bescheid, wenn Sie noch mehr Bäume benötigen. Das Portfolio ist vorhanden. Herzliche Grüße an Ihren Innenminister und seine Mitarbeiter' Ihre A.M. Deswegen wird der NBS Streckenteil zuerst gebaut. Pacta sunt servanda. Hervorragend Grube! Klassenprimus Glückauf

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