Der neue Kluftinger-Krimi Pfiffig oder provinziell?

Carola Fuchs, 26.02.2013 10:01 Uhr

Stuttgart - Fast zwei Jahre nach Krimi „Schutzpatron“ erscheint am Dienstag Kommissar Kluftingers siebter Fall. „Herzblut“ heißt das neue Buch des Autorenduos Michael Kobr und Volker Klüpfel, deren Romane stets auf die vorderen Plätze der Bestsellerlisten geklettert sind. Kluftinger gilt derzeit als die erfolgreichste deutsche Krimifigur. Doch die Lektüre spaltet: Die einen bringt der verschrobene Kommissar aus dem Allgäu zum Lachen, die anderen können ihm nichts abgewinnen und verweisen Kobr und Klüpfels Bücher in die Ecke der Heimatkrimis. Anlass für ein Pro und Kontra.

Pro: wohltuend selbstironisch

Kobra, Krähe, Kuh – immer wieder sonntags mache ich brav Tierchen auf meiner Matte. Yoga ist nichts Exotisches mehr, sondern längst von der Krankenkasse anerkannt. Drum würde im Jahr 2013 niemand mehr auf die Idee kommen, sich über die Figuren und deren schräge Namen lustig zu machen. Niemand bis auf einen: Kommissar Kluftinger. In seinem siebten Fall „Herzblut“ gerät der Ermittler in eine Yogastunde, geleitet von Doktor Langhammer. Und es kommt, wie es kommen muss: die Stunde gerät zum Slapstick. Sich über Yoga lustig zu machen, das ist weder originell noch zeitgemäß, aber wie immer bei Kuftinger so lustig, dass man nicht anders kann, als laut aufzulachen.

Yoga, Wellnesshotels, Smarts, Skype, Indoor-Golf-Simulatoren, iPhones – die Autoren Michael Kobr und Volker Klüpfel schreiben das auf, was jeder denkt, sich im Zeitalter 2.0 aber niemand mehr zu sagen traut. Kobr und Klüpfel tun das aber nicht wie verbitterte Ewiggestrige, sondern outen sich als feinsinnige Beobachter, mit der seltenen Fähigkeit zur Selbstironie. Inzwischen werden die beiden in Sippenhaft mit der Masse an Verfassern sogenannter Heimatkrimis genommen.

Ein bisschen Agatha Christie, ein bisschen „Ocean’s 12“

Doch Kobr und Klüpfel sind nicht die Florian Silbereisens der Bestsellerliteratur. Ihre Krimis handeln nicht vom Mord in der Blaskapelle, sondern verneigen sich augenzwinkernd vor den Meisterwerken der Detektiv- und Gaunergeschichten. Mal ermittelt Kluftinger wie Agatha Christis Hercule Poirot, mal planen die Verbrecher einen ähnlich akrobatischen Coup wie bei „Ocean’s 12“, und diesmal hat es Kluftinger mit so grausamen Morden zu tun wie Henning Mankells Kurt Wallander. Die Allgäuer Fälle sind nicht so plump angelegt, wie Kluftingers simpel gezeichneter Charakter vermuten lässt.

Kluftingers einziger Hang zu Selbstzerstörung liegt in seiner Vorliebe für fettiges Essen. Das mag rückwärtsgewandt sein. Doch vor allem ist es wohltuend, dass dieser Ermittler nicht wie viele seiner Kollegen an der Gesellschaft verzweifelt, sondern sich in ihr bewegt – zwar wie ein Elefant im Porzellanladen, aber glücklich und zufrieden.