Der Plan des Insolvenzverwalters für Schlecker Abkehr vom Dorfladenkonzept

Klaus Dieter Oehler, 29.02.2012 19:00 Uhr

Frankfurt - Arndt Geiwitz wollte nicht lange drum herum reden. „Das ist ein überlebensnotwendiger Einschnitt“, erklärte der Insolvenzverwalter der Ehinger Drogeriemarktkette Schlecker auf einer Pressekonferenz in Frankfurt. Die Analyse des überschuldeten Unternehmens habe dramatische Ergebnisse gebracht. Und dann breitete der Insolvenzverwalter einen Plan aus, der die schlimmsten Erwartungen der Mitarbeiter noch übertraf: Nur noch 3000 der bisher 6000 Filialen sollen am Ende der Sanierung bestehen bleiben, nur 13 500 der bisher gut 25 000 Jobs sollen bestehen bleiben.

Damit, so meinte Geiwitz, könne Schlecker auf absehbare Zeit auch ohne einen neuen Investor überleben. Er machte allerdings auch deutlich, dass ein solcher Investor „wünschenswert“ sei. Die Familie Schlecker, die das Unternehmen bisher als Einzelunternehmer geführt hat, hatte bereits nach Bekanntgabe der Insolvenz erklärt, dass sie über kein weiteres Geld mehr für die Sanierung verfüge.

Überlebensfähige Struktur schaffen

Nachdem in den vergangenen Wochen die Betriebsfortführung durch Absprachen mit den Lieferanten gesichert werden konnte, sei es nun wichtig, eine überlebensfähige Basisstruktur zu schaffen, mit der Investorengespräche erst realistisch seien, sagte Geiwitz. Dabei gehe das Basiskonzept jedoch weit über Schließungen hinaus. Es stehe auf vier weiteren Säulen: vielfältige Maßnahmen zur Kostenreduktion, Sortimentsoptimierungen und damit verbundene Preissenkungen, Ladenumbauten sowie ein „nachhaltiger Kulturwandel im Sinne der Glaubwürdigkeit des Unternehmens“. Man werde jetzt mit Nachdruck an allen vier Säulen arbeiten. Geiwitz betonte, dass Schlecker auch mit dem neuen Filialnetz mehr Drogeriemärkte betreibe als die großen Wettbewerber zusammen. Das Prinzip der Kundennähe gebe man auch mit den Schließungen folglich nicht auf. Insbesondere beim Ladenumbau hänge die Geschwindigkeit des Umbaus jedoch auch von verfügbaren Investorengeldern ab.

Daneben stehe das Thema Unternehmenskultur im Vordergrund. Hier würden die bereits im vergangenen Jahr eingeführten Führungsgrundsätze ab sofort zur verbindlichen Richtschnur des Führungsverhaltens der gesamten Organisation. Dazu sagte Geiwitz: „Wir müssen kompromisslos für die Umsetzung sorgen und das gesamte Führungsteam nicht nur auf die neue Größendimension, sondern auch auf die Anforderungen in Sachen Mitarbeitermotivation und Führung ausrichten. Dies geschieht ab sofort.“

Schlecker soll Nahversorger werden

Die Zukunft der Drogeriekette sieht er in der Rolle als Nahversorger in Groß- und Vorstädten. Mit dieser strategischen Positionierung stellte sich der Insolvenzverwalter gegen das von Experten ins Gespräch gebrachte Dorfladenkonzept.

Die Schuld an dem Kahlschlag gab Geiwitz eindeutig der bisherigen Unternehmensführung um Firmengründer Anton Schlecker. Er habe „große Versäumnisse“ in der Unternehmensführung festgestellt. Das Unternehmen sei zu „patriarchalisch und zu intransparent“ geführt worden. Die deutlich zu spät eingeleitete Restrukturierung habe keine Alternative zugelassen, erklärte der Insolvenzverwalter. „Viele Probleme sind zu spät angegangen worden.“ In den vergangenen „mindestens sechs“ Jahren habe das Unternehmen jeweils zweistellige Millionenverluste erlitten und drastische Umsatzeinbrüche hinnehmen müssen. In dem Dreikampf mit den Konkurrenten Rossmann und DM verlor Schlecker zunehmend an Boden. Der Hauptgrund dafür lag nach Ansicht von Branchenexperten in den vergleichsweise kleinen und abgelegen Läden. Schlecker hatte darauf bisher nur mit der Schließung von etwa 1000 Filialen reagiert. Andere Anbieter wie Kaisers Drugstore oder Idea sind vom Markt verschwunden.