Der Plan des Insolvenzverwalters für Schlecker Abkehr vom Dorfladenkonzept

Von Klaus Dieter Oehler 

Der Insolvenzverwalter greift hart durch: jede zweite Filiale wird geschlossen. Knapp 12000 Arbeitsplätze werden wegfallen.

Knapp 12000 Arbeitsplätze werden gestrichen. Foto: dapd
Knapp 12000 Arbeitsplätze werden gestrichen.Foto: dapd

Frankfurt - Arndt Geiwitz wollte nicht lange drum herum reden. „Das ist ein überlebensnotwendiger Einschnitt“, erklärte der Insolvenzverwalter der Ehinger Drogeriemarktkette Schlecker auf einer Pressekonferenz in Frankfurt. Die Analyse des überschuldeten Unternehmens habe dramatische Ergebnisse gebracht. Und dann breitete der Insolvenzverwalter einen Plan aus, der die schlimmsten Erwartungen der Mitarbeiter noch übertraf: Nur noch 3000 der bisher 6000 Filialen sollen am Ende der Sanierung bestehen bleiben, nur 13 500 der bisher gut 25 000 Jobs sollen bestehen bleiben.

Damit, so meinte Geiwitz, könne Schlecker auf absehbare Zeit auch ohne einen neuen Investor überleben. Er machte allerdings auch deutlich, dass ein solcher Investor „wünschenswert“ sei. Die Familie Schlecker, die das Unternehmen bisher als Einzelunternehmer geführt hat, hatte bereits nach Bekanntgabe der Insolvenz erklärt, dass sie über kein weiteres Geld mehr für die Sanierung verfüge.

Überlebensfähige Struktur schaffen

Nachdem in den vergangenen Wochen die Betriebsfortführung durch Absprachen mit den Lieferanten gesichert werden konnte, sei es nun wichtig, eine überlebensfähige Basisstruktur zu schaffen, mit der Investorengespräche erst realistisch seien, sagte Geiwitz. Dabei gehe das Basiskonzept jedoch weit über Schließungen hinaus. Es stehe auf vier weiteren Säulen: vielfältige Maßnahmen zur Kostenreduktion, Sortimentsoptimierungen und damit verbundene Preissenkungen, Ladenumbauten sowie ein „nachhaltiger Kulturwandel im Sinne der Glaubwürdigkeit des Unternehmens“. Man werde jetzt mit Nachdruck an allen vier Säulen arbeiten. Geiwitz betonte, dass Schlecker auch mit dem neuen Filialnetz mehr Drogeriemärkte betreibe als die großen Wettbewerber zusammen. Das Prinzip der Kundennähe gebe man auch mit den Schließungen folglich nicht auf. Insbesondere beim Ladenumbau hänge die Geschwindigkeit des Umbaus jedoch auch von verfügbaren Investorengeldern ab.

Daneben stehe das Thema Unternehmenskultur im Vordergrund. Hier würden die bereits im vergangenen Jahr eingeführten Führungsgrundsätze ab sofort zur verbindlichen Richtschnur des Führungsverhaltens der gesamten Organisation. Dazu sagte Geiwitz: „Wir müssen kompromisslos für die Umsetzung sorgen und das gesamte Führungsteam nicht nur auf die neue Größendimension, sondern auch auf die Anforderungen in Sachen Mitarbeitermotivation und Führung ausrichten. Dies geschieht ab sofort.“

Schlecker soll Nahversorger werden

Die Zukunft der Drogeriekette sieht er in der Rolle als Nahversorger in Groß- und Vorstädten. Mit dieser strategischen Positionierung stellte sich der Insolvenzverwalter gegen das von Experten ins Gespräch gebrachte Dorfladenkonzept.

Die Schuld an dem Kahlschlag gab Geiwitz eindeutig der bisherigen Unternehmensführung um Firmengründer Anton Schlecker. Er habe „große Versäumnisse“ in der Unternehmensführung festgestellt. Das Unternehmen sei zu „patriarchalisch und zu intransparent“ geführt worden. Die deutlich zu spät eingeleitete Restrukturierung habe keine Alternative zugelassen, erklärte der Insolvenzverwalter. „Viele Probleme sind zu spät angegangen worden.“ In den vergangenen „mindestens sechs“ Jahren habe das Unternehmen jeweils zweistellige Millionenverluste erlitten und drastische Umsatzeinbrüche hinnehmen müssen. In dem Dreikampf mit den Konkurrenten Rossmann und DM verlor Schlecker zunehmend an Boden. Der Hauptgrund dafür lag nach Ansicht von Branchenexperten in den vergleichsweise kleinen und abgelegen Läden. Schlecker hatte darauf bisher nur mit der Schließung von etwa 1000 Filialen reagiert. Andere Anbieter wie Kaisers Drugstore oder Idea sind vom Markt verschwunden.

  Artikel teilen
1 KommentarKommentar schreiben

Familie Schlecker kassiert: Kann mir jemand erklären, wie überhaupt die Familie Schlecker weiterhin mit dieser Firma zu tun haben kann? bankrott ist doch bankrott ! Der Restbestand wird höchstbietend versteigert. 12000 Mitarbeiter rauszuwerfen ohne deren Entschädigungsansprüche zu erfüllen, kann ja nicht zur Konsequenz haben, dass der ehemalige Inhaber anschliessend weiter Geld scheffelt. Ist das alles nur eine Verschlankung und Steigerung der Profitrate auf Kosten der Steeurzahler und Mitarbeiter?

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.