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Der Schatz im Keltenblock

"Kornwestheim und Kreis Ludwigsburg", 24.12.2011 02:46 Uhr
Ludwigsburg Archäologen finden im berühmten Grab von der Heuneburg faszinierende Goldkugeln. Ein weibliches Skelett gibt den Forschern allerdings noch Rätsel auf. Von Martin Willy

Für Nicole Ebinger-Rist ist Weihnachten nicht erst heute. Die Archäologin hat bereits vor einer Woche eine schöne Bescherung erlebt, als sie etwas ganz Besonderes aus der Erde befreit hat: eine rund 2600 Jahre alte keltische Goldkugel. "Plötzlich hat etwas aus der Erde hervorgeblinkt", sagt die Restauratorin. "Gold blitzt auch nach Jahrhunderten noch so, als wäre es gerade erst eingegraben worden: einfach faszinierend."

Nicole Ebinger-Rist gehört zu einem vierköpfigen Expertenteam des Landesdenkmalamtes, das in einem Ludwigsburger Speziallabor die Grabkammer der Keltenfürstin von der Heuneburg bei Sigmaringen freilegt und untersucht. In den vergangenen Monaten wurden in minutiöser Kleinstarbeit einige Kostbarkeiten aus der Zeit um das Jahr 580 vor Christus zu Tage gefördert. Die Kugel, die in der vorigen Woche geborgen wurde, war bereits die dritte in diesem Jahr. Sie gehören zur Totentracht der Frau.

Das Grab nahe Herbertingen wurde im vorigen Jahr entdeckt und Ende Dezember in einem 80 Tonnen schweren Erd-Quader, dem so genannten Keltenblock, in das Ludwigsburger Labor transportiert. Zentimeter um Zentimeter haben sich die Fachleute durch den Brocken gearbeitet. "Zwei Zentimeter pro Tag und Person", sagt Nicole Ebinger-Rist. Seit Beginn der Fisselarbeiten habe das Forscherquartett 34 Zentimeter auf der 42 Quadratmeter großen Fläche des Quaders abgetragen. Rund einen halben Meter dick ist der Brocken.

Bisher haben alle Mitarbeiter mit dem Feinspatel gearbeitet. Doch nun, da man auf dem Grabkammerboden angelangt sei, werde mit dem Mikroskop weitergemacht. Damit auch nicht das kleinste Stück keltische Geschichte beschädigt wird und verloren geht. Denn auf dem Boden der Grabkammer werden weitere Beigaben erwartet. Die Erhaltung des Grabes ist den Experten zufolge einmalig. Als eines der wenigen wurde es - wie das des Hochdorfer Keltenfürsten - nicht geplündert. Mutmaßlich war es schon früh eingestürzt. Die Fachleute erhoffen sich daher auf den letzten Zentimetern noch manche interessante Entdeckung.

Schon die bisherigen Funde in dem Grab, das bisweilen auch als "schwäbisches Troja" bezeichnet wird, haben neue Erkenntnisse zum Leben in der Eisenzeit gebracht. So ist das Heuneburg-Grab das älteste bisher bekannte Prunkgrab einer keltischen Frau. Das gilt als Beleg dafür, dass die Frauen damals eine gesellschaftlich bedeutsamere Stellung hatten als bisher angenommen. Die Archäologen rätseln allerdings noch über die Bedeutung der entdeckten reich verzierten Eberzahntrophäen. Kopfzerbrechen bereitet ihnen auch ein zweites weibliches Skelett, das bei der Fürstin liegt, aber ärmlich ausgestattet ist. Der Forschung sind aus der frühkeltischen Zeit bisher nur Doppelbestattungen von Mann und Frau bekannt. Die Experten vermuten deshalb , dass es sich um eine Magd gehandelt haben könnte. Genaueres sollen die weiteren Untersuchungen zeigen.

Nicole Ebinger-Rist rechnet damit, dass der Keltenblock bis März 2013 komplett durchgeackert ist. Erste Funde sollen bereits bei der Landesausstellung "Die Welt der Kelten" zu sehen sein. Sie beginnt am 15. September in Stuttgart.

Weitere Informationen im Internet unter

www.keltenblock.de

 
 
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