Hamburg - Im westdeutschen Nachkriegsfilm gab es sehr unterschiedliche Typen von Schauspielern. Da waren charmante Ex-Ufa-Stars, die angeblich von allem nichts gewusst hatten und einfach so weitermachen wollten wie bisher. Da waren knorrige Typen wie Hans Albers oder Curd Jürgens, die mutmaßlich schlimme Dinge gesehen hatten, aber darüber einfach nicht reden konnten. Da war der notorisch kleine Mann namens Heinz Rühmann, der durch sein Spiel permanent zu Protokoll geben musste, es sei doch jener kleine Mann, der zu allen Zeiten die wahren Opfer bringen müsse und den man darum bitteschön von Vorwürfen jedweder Art verschone.
Und dann war da Walter Giller – der Antityp. Ein junger Schlaks, groß, gut aussehend, charmant, mit sonorer Stimme, der als Gymnasiast 1943 zum Flakhelfer geworden und in Gefangenschaft geraten war. Und der über all das offenbar ins Grübeln geriet. 1945 brach er ein Medizinstudium ab, weil er unbedingt ans Theater wollte. An den Hamburger Kammerspielen, wo die trotz schlimmster NS-Verfolgung ungebrochene Jüdin Ida Ehre Intendantin war, wurde aus dem Grübeln Denken.
Und alle wirklich großen Filmrollen aus der Folgezeit, die mit Walter Giller unvergesslich sind – die Peter-Voss-Reihe, die „Drei von der Tankstelle“ (1954), „Schloss Gripsholm“ (1963), und dann natürlich „Rosen für den Staatsanwalt“ (1959) – zeigen einen Mann, der eigentlich alle Anlagen zum strahlenden, vom Glück geradezu gesegneten Helden hat und dem doch schlicht sein Intellekt, sein Zweifel, sein Geist, sein Widerspruchsnerv einen berückend sympathischen Zug von latenter Ungelenkigkeit und Angreifbarkeit verleihen. Ein Mann mit Stirnrunzeln. Für solche Typen gab es irgendwann keine Rollen mehr im Kino; selbst einem Fassbinder war Walter Giller als Akteur wohl schlicht zu kantig. Giller blieben zahlreiche Auftritte in Fernsehserien und Sketchshows, vom „Traumschiff“ bis zu den „Heimatgeschichten“ – und vor allem die weit über fünf Jahrzehnte lang offenkundig harmonische Partnerschaft und Ehe mit seiner Schauspielerkollegin Nadja Tiller . Am Donnerstag starb Giller in Hamburg nach schwerer Krankheit im Alter von 84 Jahren. schl


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