Der SWR stellt seine Pläne für 2016 vor Mattes geht, Makatsch kommt

Von Ulla Hanselmann 

Abschied und Aufbruch beim „Tatort“, ein Jubiläum beim Politmagazin „Report Mainz“, Neuigkeiten in den Sparten Klassik und Comedy, aber noch kein Name für das neue Jugendangebot von ARD und ZDF: der SWR hat in Stuttgart sein Jahresprogramm vorgestellt.

So hat man Heike Makatsch noch nicht gesehen: als Kommissarin Ellen Berlinger rückt sie einem bösen Buben (André Benndorff) auf die Pelle –  in „Fünf Minuten Himmel“, einem „Tatort-Special“ aus Freiburg. Foto: ARD
So hat man Heike Makatsch noch nicht gesehen: als Kommissarin Ellen Berlinger rückt sie einem bösen Buben (André Benndorff) auf die Pelle – in „Fünf Minuten Himmel“, einem „Tatort-Special“ aus Freiburg.Foto: ARD

Stuttgart - Ein rundum zufriedener Intendant – was kann sich ein Sender wie der SWR mehr wünschen? Peter Boudgoust sieht sich angesichts eines Hauses, das „moderner“ und „relevanter“ geworden sei, auf einer „wirklichen Erfolgsspur“. Wie dieser Kurs fortgesetzt werden soll, ist am Freitag bei der Jahrespressekonferenz in Stuttgart erklärt worden.

Die Prioritäten sind klar: Mark Zuckerberg ist wichtiger als die Pressekonferenz im Stuttgarter Funkhaus. Weil er am Freitagvormittag mit dem Facebook-Guru, der gerade in Berlin weilt, verabredet war, konnte Florian Hager, Programmgeschäftsführer des Jugendangebots von ARD und ZDF, nur via Skype über den Stand beim geplanten Online-Paket informieren. Was genau die 14- bis 29-Jährigen ab Oktober im Internet von den Öffentlich-Rechtlichen zu erwarten haben, ließ sich aber auch nach Hagers Ausführungen nicht so recht ausmachen, wobei erschwerend hinzukam, dass die Skype-Verbindung miserabel war. Als Appetizer hatte er einen Mini-Ausschnitt aus dem Eins-Plus-Format „Headlinez“ mit dem Berliner Youtuber Rayk Anders mitgebracht. Darin analysiert der Blogger politische Aufreger-Themen und stellt „recherchierte Information gegen Hetzparolen, Verschwörungstheorien und Medienhysterie“. Hager wurde nicht müde zu betonen, dass es ihm darum gehe, mit Inhalten, Themen und Köpfen das junge Publikum auf diversen Plattformen auf die Öffentlich-Rechtlichen aufmerksam zu machen. Wie das junge Angebot einmal heißen soll, verriet er nicht, nur so viel: „junges Angebot von ARD und ZDF“ werde es nicht heißen.

Katja Riemann als Radiopsychologin

Abschied und Aufbruch – so lässt sich das „Tatort“-Jahr 2016 für den SWR auf den Punkt bringen. Im Herbst – ein genauer Termin steht noch nicht fest – darf Eva Mattes als Klara Blum noch einmal auf den See starren und Rätselsätze sagen wie „Nicht aufgeben, neu anfangen“. Klar, es herrscht irgendwie Weltschmerz im letzten Bodensee-Sonntagskrimi „Wofür es sich zu leben lohnt“, und Kai Perlmann alias Sebastian Bezzel nimmt’s mit Sarkasmus: „Vielleicht haben wir Glück und werden bei einem der nächsten Einsätze erschossen“. Darstellerischen Glanz verleihen dem schwermütigen Abschiedskrimi Mattes‘ Mitstreiterinnen aus Fassbinder-Zeiten: Hanna Schygulla, Irm Hermann und Margit Carstensen treten als verschworene Schwesternschaft auf. Frische, Dramatik, Intensität und eine im Vergleich zu Mattes ungeheuer mimische Vielfalt kommt mit Heike Makatsch ins Spiel, wenn die Schauspielerin beim „Tatort“-Special „Fünf Minuten Himmel“ (28. März, 20.15 Uhr) ihre Premiere als Freiburger Hauptkommissarin Ellen Berlinger feiern darf. In der Sparte Fernsehfilm steuert der SWR zudem den ersten Teil der Fernsehfilm-Trilogie über die NSU-Mordserie bei, „Die Täter – Heute ist nicht alle Tage“ (30. März, 20.15 Uhr) mit Anna Maria Mühe als Beate Zschäpe. Aufmerksamkeit dürfte auch Katja Riemann als Mannheimer Radiopsychologin Emma Mayer in der neuen Serie „Emma nach Mitternacht“ erfahren, von der zwei Folgen zu sehen sein werden. (27. April, 8. Juni, jeweils 20.15 Uhr).

„Was ist Information, Desinformation, Gerücht, Verschwörungstheorie?“ Gerade in Zeiten des „Lügenpresse“-Vorwurfs sei es die Kernaufgabe des SWR, „Blödsinn und Stumpfsinn geprüfte Fakten entgegenzustellen“, so der Intendant Peter Boudgoust. Ein Format, das bei Recherche und Investigation häufig Exzellentes leistet, ist das Politmagazin „Report Mainz“, das 2016 seinen fünfzigsten Geburtstag feiert. Der Fall Mollath, das Sturmgewehr G 36: der Moderator Fritz Frey nannte nur zwei Beispiele für Skandale, die von seinem Magazin aufgedeckt wurden. „Den Finger in die Wunde zu legen, das bleibt“, sagte Frey, der auch der Chefredakteur Fernsehen des Senders ist. Das Jubiläum „50 Jahre Report Mainz“ feiert man am 26. April (ARD, 21.45 Uhr) – in neuem Design, aber wie gehabt mit Fuchs, dem Logo-Tier des Formats.

Die Vier von der Spaßstelle

Ein neues Comedyformat vereint vier Spaßmacher- und Satiregrößen des Südwestens: Pierre M. Krause, Bodo Bach, Lars Reichow und Christoph Sonntag gehen in „Ab durch die Heimat“ (Sendetermin steht noch nicht fest) auf Spritztour und zeigen sich gegenseitig die Heimat. Die Route führt in vier Folgen nach Karlsruhe, Frankfurt, Waiblingen und Mainz. Der Trailer zeigt die Vertreter des komischen Fachs am Imbissstand, auf der Judomatte und beim Witzereißen im Auto. Boudgoust versicherte dennoch, dass das Format „nicht betulich, sondern mit schwarzem Humor“ glänzen werde. Als Comedy-Hochburgen groß heraus kommen Bingen (mit den „Comedy Nights“ von 14. bis 17. April) und Bad Dürkheim, wo zum ersten Mal das „SWR 3 Comedy Festival“ (21. bis 23. April) stattfindet. Zu den zwanzig Gästen gehören Rüdiger Hoffmann, Lisa Feller oder Kaya Yanar.

Dem Hörfunkdirektor Gerold Hug steht ein spannendes Jahr bevor: Im Herbst wird das fusionierte SWR Symphonieorchester an den Start gehen. Als „führende Anstalt in der ARD in punkto Klassik“ wolle man zu Beginn der Spielzeit 2016/17 alle Aktivitäten unter einer Marke bündeln, so Hug. Unter dem Label „SWR Classic“ firmieren dann sämtliche Klangkörper – das neue Symphonieorchester, das Vokalensemble, das Experimentalstudio, die Big Band – sowie die Festivals wie die Schwetzinger Festspiele und die Donaueschinger Musiktage. Kernstück wird die Internetplattform „SWR Web Concerts“ sein, eine Art digitale Konzerthalle. Die Zielgruppe, die Hug im Blick hat, liegt auf der Hand. Er möchte, wie Florian Hager, die Jungen gewinnen.