
Jahrelang herrschte in Sachen Windkraft Flaute an Rems und Murr, das könnte sich jetzt ändern. Neben Göppingen ist der Rems-Murr-Kreis jene Gegend in der Region Stuttgart, auf deren Höhen die stärkste Brise bläst. Offenkundig wurde dies, als im Frühjahr der überarbeitete Windatlas veröffentlich wurde, der die unsichtbare Kraft in 140 Metern Höhe verzeichnet. Etliche Gegenden im Kreis bieten rechnerisch Windstärken von sechs Metern pro Sekunde - genug, um moderne Anlagen wirtschaftlich zu betreiben. Hinzu kommt, dass Standorte innerhalb von Waldgebieten von den Genehmigungsbehörden nicht mehr rigoros abgelehnt werden. Das lässt mehr Luft für Windräder im Schurwald und im Schwäbischen Wald.
Die örtliche Diskussion angefacht hat jetzt der Landrat Johannes Fuchs. Zwar seien die Vorgaben seitens der Landesregierung noch nicht benannt, erklärte er unlängst. Um aber "eine sachliche Grundlage zu schaffen" habe der Geschäftsbereich Baurecht eine Liste "diskussionsfähiger Standorte" für Windkraftanlagen erstellt. Es gehe dabei "nicht um konkrete Projekte, sondern um einen Ausblick."
> 1 Mit am weitesten gediehen sind die Überlegungen für die Windkraftnutzung rund um Schorndorf. Auf den Berglen, am Hohberg sowie auf den Höhen des Schurwalds sind, wie berichtet, die Stadtwerke Schorndorf gemeinsam mit den Windenergieplanern der Firma Theolia am Start. Im Laufe des kommenden Jahres soll der Wind an mehr als zehn möglichen Standorten gemessen werden, dann will man mit den Verband Region Stuttgart ein so genanntes Zielabweichungsverfahren zum Regionalplan starten. Das Geld soll von Investoren aus der Region kommen. 4,7 Millionen Euro würde jedes Windrad kosten. Was die Anlagen auf dem weithin sichtbaren Hohberg betrifft, so ist aus der zugehörigen Gemeinde Plüderhausen bislang keine Kritik zu hören. Die Mitglieder des Gemeinderat hätten das Thema "eher defensiv" aufgenommen, sagt Bürgermeister Andreas Schaffer. Er selbst sei kein unbedingter Verfechter der Windkraft, stehe dem Verfahren "jedoch offen gegenüber".
> 2 In Welzheim befindet sich die zurzeit noch einzige Windkraftanlage des gesamten Rems-Murr-Kreises, die dortige Gesellschaft Bürgerwind hat aber weitere Standorte im Blick. Im benachbarten Alfdorf haben Investoren vom möglichen Standort nahe des Teilortes Brend Abstand genommen. Der Widerstand gegen hohe Windräder sei in der Gemeinde zu groß gewesen, heißt es seitens der Investoren - eine Darstellung, die man im Alfdorfer Rathaus nicht offiziell bestätigen will.
> 3 Auf Backnanger Markung kommt laut Auskunft des Leiters des Stadtplanungsamts einzig ein Areal in der Nähe des Eschelhofs als Standort für eine Windkraftanlage in Frage. Kürzlich im Gemeinderat erklärte Stefan Setzer auf Nachfrage: "Wir sind dran." Alle anderen theoretisch möglichen Standorte müssten ausgeschlossen werden, weil der erforderliche Abstand des Windrads zum nächsten Wohnhaus nicht eingehalten werden könne: 700 Meter. Im Übrigen halte er wenig davon, bereits jetzt öffentlich zu diskutieren, denn er befürchtet, dass sich interessierte Investoren melden, "denen wir noch nicht viel sagen können", so Setzer weiter. Die Stadt wolle sich demnächst mit den Nachbarkommunen beraten. Der Eschelhof liegt auf Sulzbacher Markung, die Kommune hat sich laut Auskunft des Hauptamtsleiters Michael Heinrich aber noch nicht mit dem Thema Windkraft befasst. Anfragen von Betreibern von Windkraftanlagen seien auch noch nicht eingegangen.
> 4 In Spiegelberg habe man sich bereits mit dem Thema beschäftigt, bestätigt der Bürgermeister, Uwe Bossert, auf Nachfrage. Es gebe mehrere Standorte auf der Gemarkung der Kommune, die in Frage kämen. Bossert betont, dass er persönlich der Windkraft "tendenziell positiv" gegenüber stehe, alles Weitere jedoch müsse mit dem Gemeinderat abgestimmt werden. Wichtig sei, dass bei dem aktuellen Kompetenzgerangel um die Zuständigkeiten zwischen Land und Region, dass man die Kommunen nicht vergesse. "Wir müssen frühzeitig in die Planungen eingebunden werden", sagt Bossert, "und steuernd mit einwirken dürfen." Auch im benachbarten Großerlach sei die Windkraftnutzung bereits vor einigen Jahren ein Thema gewesen, berichtet der Bürgermeister Christoph Jäger. Ob sich an der Skepsis in der Bürgerschaft seitdem etwas geändert hat, bezweifelt der Schultes. Potentielle Investoren hätten sich angesichts der neuen Lage aber schon gemeldet. Sollten die Pläne konkreter werden, würden zunächst die Bürger informiert und befragt - "die Entscheidung muss dann der Gemeinderat treffen".
> 5 In Fellbach hat die Verlautbarung des Landratsamtes, der Höhenrücken zwischen der Stadt und Stetten könne ein geeigneter Windkraftstandort sein, unlängst größere Irritationen verursacht. Man sei bisher in kein Verfahren eingebunden, hieß es dazu. "Das will gut überlegt sein", man müsse naturschutzrechtliche Belange gut abwägen und könne "nicht vorbehaltlos Ja sagen", ist aus dem Rathaus der Kappelbergstadt bisher zu hören. Ein Windrad auf dem Hausberg mag sich dort nicht jeder vorstellen.
