Designerin Anna von Griesheim Einfach gut angezogen
Katja Bauer, 14.03.2010 14:21 Uhr
vorherige Bild 1 von 2 nächste
Anna von Griesheim kleidet die Berliner Republik. Sie hat einen Ratgeber für alle Frauen geschrieben. Foto: dpa
Anna von Griesheim kleidet die Berliner Republik. Sie hat einen Ratgeber für alle Frauen geschrieben. Foto: dpa
Berlin - Auch Anna von Griesheim hat nicht immer gewusst, wie man sich perfekt anzieht. Das kann man sich eigentlich gar nicht vorstellen, wenn man die Modedesignerin so über den Berliner Ludwigkirchplatz heranschweben sieht, mit welliger Mähne, im kurzen, karthäusergrauen Kleid mit Wasserfallkragen und gleichfarbigem Gehrock. Todschick, die Frau. Aber da war zum Beispiel mal die Geschichte mit dem Spitzenstrumpf.

Den hatte sie bei einem Schulausflug nach Paris entdeckt, ein Chantal-Thomas-Modell, nicht billig. Die Schülerin investierte, Spitzenstrümpfe waren in den 80er Jahren der Dernier Cri. "Begeistert, wie ich war, zog ich die schwarzen Strümpfe direkt unter meiner 7/8-Jeanshose an." Aber, oh weh: Die Halterlosen rutschten. Nach der dritten Ampel quoll das edle Material unten aus der Hose vor, über den Ballerina. "Ich hatte meine Lektion gelernt", sagt die spätere Modeexpertin. "Wäsche war wundervoll - wenn man wusste, wie man sie trägt."

Die kleine Geschichte verrät ein paar Dinge gleichzeitig: 1. Mode hilft ihrer Trägerin, aber nur, wenn sie funktioniert. 2. Ein paar Takte Basiswissen können nicht schaden. 3. Ein entspannter Umgang mit den eigenen kleinen Unzulänglichkeiten hilft, den pefektionsfixierten Modezirkus etwas unbekümmerter zu überstehen.

Ein smarter, femininer Auftritt für Angela Merkel


Wenn man so will, dann sind das auch die Wahrheiten der Modemacherin Anna von Griesheim - seit Jahren entwirft sie Kleidung nicht für ätherische Modepüppchen, sondern für Frauen, die das Leben frontal angehen, dabei aber keine Lust haben, auszusehen wie ein trauriger Zinnsoldat. Aus Griesheims Fantasie stammen glamouröse Roben für Sirenen wie Nina Hoss oder Iris Berben, in denen die Damen niemals verkleidet aussehen. Aber sehr bekannt wurde Griesheim, weil zu ihren Kundinnen die erste Riege der weiblichen Berliner Republik gehört: Sie hat Angela Merkel nach deren Amtsantritt einen smarteren, feminineren und trotzdem professionellen Auftritt gegeben. Sabine Christiansen, Renate Künast und Maybrit Illner tragen ihre Kreationen - allesamt mächtige, erfolgreiche, kreative Frauen, die im Scheinwerferlicht bestehen wollen und müssen, aber nicht Zeit haben, sich allein mit ihrem Äußeren auseinanderzusetzen.

Das geht nicht nur Kanzlerinnen so. "Seit vielen Jahren mache ich in meinem Atelier die Erfahrung, dass Frauen sehr froh sind, beraten zu werden", sagt Anna von Griesheim. Deshalb hat sie jetzt ein Buch geschrieben, für Frauen, "die einfach gut angezogen sein wollen". Es ist eine leicht zu lesende, lockere Mischung geworden aus einem Ratgeber und einem Nachdenkbuch über Kleidung und den Weg zum ganz persönlichen Stil inmitten der gnadenlos intoleranten Botox-Size-Zero-Acrylfingernagel-Welt. Gewürzt hat Griesheim, die ihr Atelier in Berlin seit 1991 betreibt, all das mit einer Plauderei aus dem Designernähkästchen, in die sich auch ein paar der bekannteren Kundinnen einmischen.

So erfährt man in Interviews mit diesen Damen zum Beispiel die entlastende Information, dass Barbara Schöneberger am liebsten tagein, tagaus schwarze Rollis mit Ärmeln tragen würde, oder nimmt zur Kenntnis, dass Renate Künast ein paar Klamotten besitzt, die sie für sich als "Wohnteile" bezeichnet und Rüschenblusen für den Untergang des Abendlandes hält. Sabine Christiansen hingegen hat zwei völlig unterschiedlich bestückte Kleiderschränke sowohl in Paris als auch in Berlin. An Tagen, an denen sie sich sicher fühlen will, beherzigt sie jedoch stets den alten Hanseatenspruch: "Du kannst alles tragen, Hauptsache es ist dunkelblau."

Kommentare (0)
Anzeigen