Deutsch-türkischer Archäologenstreit Das Donnergrollen erreicht Ankara

Von Michael Bienert 

Bürokratie und Janusköpfigkeit: deutsche Archäologen kritisieren die türkische Kulturpolitik. Sie fühlen sich mehr und mehr unerwünscht in der Türkei.

Deutsche  Forscher graben im einstigen Troja Foto: dpa
Deutsche Forscher graben im einstigen TrojaFoto: dpa

Deutsche Berlin - Soldaten mit Flugabwehrraketen sind am Bosporus gern gesehen. Deutsche Archäologen in der Türkei dagegen haben mehr und mehr das Gefühl, unerwünscht zu sein. Jetzt hat einer der angesehensten deutschen Altertumsforscher den angestauten Frust öffentlich gemacht: Hermann Parzinger war Präsident des Deutschen Archäologischen Instituts, ehe er 2008 die Leitung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin übernahm. Parzinger wirft der türkischen Kulturpolitik vor, sie mache eine altertumswissenschaftliche Zusammenarbeit zusehends unmöglich.

Ihre Haltung sei nationalistisch, chauvinistisch und heuchlerisch. Die türkische Regierung, so Parzinger, inszeniere sich gerne als Hüterin des antiken Kulturerbes, opfere aber wichtige Grabungsstätten fragwürdigen Staudammprojekten. Der türkische Kulturminister Ertugrul Günay rühme sich, Tausende von Kulturzeugnissen aus dem Ausland in die Türkei zurückgeholt zu haben, doch gleichzeitig erlaube das novellierte Kulturgütergesetz der Türkei den Museen, aktuell nicht benötigte Stücke aus den Depots zu verscherbeln.

Auf ein „Spiegel“-Interview Anfang Dezember ließ Parzinger jetzt eine harsche Attacke auf die türkische Kulturpolitik in der FAZ folgen: eine donnernde Breitseite in Richtung Türkei, wo die Berichterstattung über das Land in deutschen Medien mit Argusaugen beobachtet wird. Das Vorgehen überrascht, weil Parzinger eigentlich ein Mann des respektvollen Kulturdialogs und der geduldigen Kulturdiplomatie ist. Was steckt hinter der brüsken Einmischung in die kulturpolitischen Angelegenheiten der Türkei?

Wut auf türkische Behörden

Offiziell gibt es keinen Zusammenhang zwischen Rückgabeforderungen, die das Land auch in Richtung der Berliner Museen erhebt, und der Erteilung von Grabungslizenzen an deutsche Archäologen in der Türkei. Doch das Verhalten türkischer Kulturfunktionäre hinterlässt bei deutschen Archäologen den Eindruck, sie würden quasi als Geisel genommen, um die Herausgabe von legal erworbenem Kulturgut zu erzwingen.

Bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ist die Empörung darüber besonders groß, weil sie der Türkei bereits entgegengekommen ist: 2011 übergab sie die hethitischen „Sphinx von Bogazköy“ an die Türkei, die 1917 zur Restaurierung nach Berlin gebracht war. Nach der Aktenlage wäre die Rückgabe nicht zwingend erforderlich gewesen. Doch die Berliner nutzen die Chance, ein deutsch-türkisches Kooperationsabkommen zu schließen, und hofften auf Leihgaben aus der Türkei für ihre kürzlich zu Ende gegangene „Pergamon“-Ausstellung mit 1,5 Millionen Besuchern auf der Museumsinsel.

Weil die Türkei dieses Projekt boykottierte, fühlen sich die Berliner nun übel ausgetrickst. Ernst Pernicka von der Tübinger Universität, bisher Grabungsleiter in Troja, äußert viel Verständnis für Parzingers Wut auf die türkischen Behörden. Seit 1988 wurde unter deutscher Leitung nach der Stadt Troja gegraben, 2013 geht die Lizenz auf Betreiben des Kulturministeriums in Ankara an den türkischen Archäologen Rüstem Aslan von der Universität Canakkale. Doch das sei „fast eine Ideallösung“, wiegelt Pernicka ab, der sich ohnehin zur Ruhe setzen wollte – und nach dem Rückzug des Großsponsors Daimler und der Deutschen Forschungsgemeinschaft auch kein Geld für groß angelegte Grabungen mehr hat. Aslan ist in Tübingen ausgebildet worden und war Pernickas Stellvertreter: An der internationalen Zusammensetzung des Forscherteams ändert sich nichts, nur ist jetzt ein Türke für den wahnwitzigen Papierkrieg mit den Kulturbürokraten in Ankara verantwortlich.

Größere Sorgen macht Pernicka, dass das auch für den Tourismus zuständige Kulturministerium mehr an vorzeigbaren Ausgrabungsstätten als an neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen interessiert scheint: „Mein Eindruck ist, dass die archäologischen Stätten nur noch als Geldbringer gesehen werden.“

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3 KommentareKommentar schreiben

Donnergrollen erreicht Ankara: Die letzten Jahrzehnte nimmt kein Archäologe oder ein Institut mehr Kulturgüter oder Funde aus Grabungen mit in sein Heimatland! Es fließt lediglich Geld und Arbeit in die Länder, die archäologisch vom Ausland unterstützt werden. Es ist also völlig überflüssig, darüber noch weiter zu diskutieren. Fakt ist lediglich, daß die Türkei, die jüngst getroffenen Abkommen nicht einhält und ihr Kulturgut verscherbelt. Das ist die jetzige Realität! Das hat nichts mit bösen Türken und solcher Polemik zu tun!

pergamon: Gib mir meine Geschichte zürück Herr Parzinger Was ist mit Pergamon, Millet, Troja und die anderen Kultur schätze wer hat die nach Deutschland gebracht, Sie reden über Raubkunst, veschändung, haben sie nicht gesehen die verschändung die Ihre kollegen bei der Raubkunst hinterlassen haben schauen sie die bilder von Bergama, Millet und Troja und die anderen Kulturgüter die in westlichen Staatlichen Museen wie bei Ihnen in Berlin ganze kultur Schätze im Keller verroten als wenn das nicht reicht Unesco erklärt das auch noch Weltkulturerbe.

Das Donnergrollen erreicht Ankara: Klar,die bösen Türken ! Hätten Türkische Archäologen halb soviel aus Grabungen in Deutschland mitgenommen,wie groß wäre wohl das gejammere hier... Wenn jemand etwas Findet heißt es schon lange nict das es dem jenigen gehört,leider zieht sich diese Spur des Findens durch alle Europischen Museen.

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