Deutsche Bahn Die Tücke mit dem Anschlussticket

Von Jens Noll 

Die Filderstädter Gemeinderatsfraktion Grüne/FFL moniert eine Neuregelung bei der Bahn-Card. Fahrgäste, die auf den Fildern wohnen, würden dadurch benachteiligt, meinen die Stadträte.

Bahn-Card-Inhaber, die mit dem Bus zum nächsten Bahnhof fahren, brauchen für ihre Reise von und auf die Filder zwei Tickets. Foto: ddp
Bahn-Card-Inhaber, die mit dem Bus zum nächsten Bahnhof fahren, brauchen für ihre Reise von und auf die Filder zwei Tickets.Foto: ddp

Filderstadt - In der Werbung sieht es verlockend aus. Ein Mann reist mit seiner Bahn-Card bequem von Tür zu Tür und benutzt dabei verschiedene Verkehrsmittel. Möglich macht es eine Neuregelung bei der Bahn-Card, der Rabattkarte der Deutschen Bahn (DB). Bahnkunden aus Filderstadt kommen jedoch nicht in diesen Genuss. Sie würden benachteiligt werden, moniert die Gemeinderatsfraktion Grüne/FFL.

Wie der Fraktionsvorsitzende Matthias Gastel in einer Pressemitteilung schreibt, gelte ein mit Bahn-Card gelöstes Anschlussticket an die Zugreise, das sogenannte City-Ticket, seit 9. Dezember 2012 nicht nur wie bisher am Zielort der Reise, sondern auch an deren Beginn. Demnach können Fahrgäste mit dem Ticket auch Busse und Bahnen des örtlichen Nahverkehrs nutzen, ohne einen weiteren Fahrschein kaufen zu müssen.

Keine Bus-Nutzung mit Fahrschein der Bahn

Filderstädter Bahn-Card-Inhaber sind da außen vor. „In der Region Stuttgart wird die Neuregelung so umgesetzt, dass sie nur in den beiden Tarifzonen der Stadt Stuttgart (Zonen 10 und 20) sowie in den Außenzonen 31 (Esslingen) und 34 (Ludwigsburg) greift“, schreibt Gastel. „Fahrgäste, deren Start- oder Zielpunkt in Filderstadt liegt (Zone 38) profitieren nicht davon.“

Gastel gibt ein Beispiel: Wenn ein Fahrgast aus Bonlanden einen DB-Fahrschein von Filderstadt nach Frankfurt gekauft hat, muss er zusätzlich ein Ticket des Verkehrs- und Tarifverbundes Stuttgart (VVS) lösen, um mit dem Bus zum S-Bahnhof zu fahren. Wohnt der Fahrgast hingegen in Esslingen-Zollberg, dann braucht er kein VVS-Ticket. Weil Esslingen in einer der begünstigten Zonen liegt, ist die Busfahrt zum Bahnhof im DB-Fahrschein inbegriffen.

„Bei der Bahn-Card 100 ist es besonders gravierend“, sagt der Stadtrat. Wer die Karte besitzt, kann seinen Ausführungen nach in den begünstigten Tarifzonen beliebig häufig alle VVS-Verkehrsmittel nutzen. Nicht so die Fahrgäste mit Bahn-Card 100 aus Filderstadt: Für die Nutzung des Busses in ihrem Wohnort benötigen sie laut Gastel zusätzlich einen VVS-Fahrschein.

„Spezielle Situation auf den Fildern“

Auf ihre Frage nach den Gründen für die Regelung hat die Fraktion vom VVS erfahren, dass nur Städte mit einer Einwohnerzahl von mindestens 50 000 und einem bestimmten Fahrtenvolumen als Orte in Frage kommen, in denen das City-Ticket gilt. Grüne/FFL fordern nun, dass die DB und der Tarifverbund die „spezielle Situation auf den Fildern“ berücksichtigen.

Zusammen haben die Städte Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt, die beide in der Tarifzone 38 liegen, rund 80 000 Einwohner, argumentiert Gastel. Außerdem befinden sich Flughafen und Messe ebenfalls in dieser Zone. Die Fraktion wünscht deshalb, die Tarifzone 38 in den Geltungsbereich des Anschlusstickets aufzunehmen. Dem VVS hat sie ihr Anliegen mitgeteilt. „Wir haben inzwischen die Zusage erhalten, dass unser Vorschlag in den Gremien geprüft wird“, berichtet Gastel.

Der Fraktionschef hat Oberbürgermeisterin Gabriele Dönig-Poppensieker gebeten, sich mit ihrem Amtskollegen aus Leinfelden-Echterdingen, Roland Klenk, ebenfalls für das attraktive Bahnangebot auf den Fildern einzusetzen. Wie viele Bahn-Card-Inhaber in L.-E. und Filderstadt von diesem City-Ticket profitieren könnten, weiß Gastel nicht. Schriftlich hat er Nutzerzahlen bei der Bahn angefragt.

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4 KommentareKommentar schreiben

mal wieder nicht zuende gedacht..: Das City-Ticket der deutschen Bahn betrifft ja nicht nur Vielfahrer mit Dauerabo, sondern wird künftig jedem Kunden mit DB-Fahrkarte und Bahncard (bzw. ohne mit Aufpreis) angeboten. Nur ist die Bahn da mal wieder inkonsistent: Einerseits gibt es in Kooperation mit Reisebüros den Service 'rail to fly'. Oder Tickets um mal schnell den Flughafen zu wechseln (Frankfurt - Stuttgart - München). Doch was nützt es, wenn die Erreichbarkeit vom Hauptbahnhof zum Flughafen auch tariflich nicht gewährleistet wird? Dann eine weitere nicht ganz unerhebliche Besuchergruppe der Messe Stuttgart: ist es vorstellbar, welche/r Messebesucher/in von außerhalb sich so genau mit den Regeln der Bahn/VVS befasst, um bei der Anreise zur Messe festzustellen, dass das Ticket nicht bis dorthin gültig ist? Allein aus praktischen Gründen Flughafen und Messe als wichtiger Punkt mit im 'Kern-'Bereich des City-Tickets aufgenommen werden muss. (Mal hoffen, dass es dieser Ausschuss genauso sieht) Ansonsten schreit das ja förmlich nach Fahrkartenkontrollen zwischen Vaihingen und Filderstadt. Oder wird hier bewusst eine neue Einnahmequelle geplant?

parasitäres Abgeordnetenauftreten: „Bei der Bahn-Card 100 ist es besonders gravierend ... Für die Nutzung des Busses ...“ - und wir wissen auch genau, wer diese über 6000 EUR/Jahr teure ich-fahr-kostenlos-mit-der-Bahn Karte bekommt. Abgeordnete! Und da man als Bonus in Stuttgart die Zonen 10, 20, 31 und 34 sowie die gesamte S-Bahn geschenkt bekommt, braucht man für diese Zonen oder S-Bahn im Jahr keine weitere Fahrkarte. Kein Verbundpass/Abo, Weder für S-Bahn, noch für Bus oder Stadtbahn. Die Bahncard 100 ist zugleich die Jahreskarte für den VVS für diese 4 Zonen. Für alle anderen Zonen UND NUR FÜR FAHRTEN MIT BUS(!) braucht man einen Fahrschein. Und einer dieser ich-krieg-den-Hals-nicht-voll Abgeordneten wohnt wohl in Zone 38. Die Dreistigkeit, mit der Abgeordnete auf Kosten des Steuerzahlers in Saus und Braus leben, ist ungeheuerlich. Ausnahmlos jeder, der eine Bahncard 100 in den Händen hält, hat das Einkommen, ist Spitzenverdiener. Ich hab selbst eine solche Bahncard 100, First Class.

Einfach nur Nepp!: Wenn ich von der Deutschen Bahn AG eine Bahncard kaufe, dann möchte ich gefälligst auch in der S-Bahn, auf der ja dick und fett der DB-Keks prangt, ohne Zusatzkosten befördert werden. Was ist daran bitte so kompliziert? Im Rahmen der Fahrausweiskontrollen könnte man ja prüfen, wieviel Prozent der S-Bahn-Nutzer mit Bahncard fahren und einen entsprechenden Betrag an den VVS abführen. Bei anderen Verkehrsverbünden bekommt man sogar auf reine Nahverkehrstickets einen Preisnachlaß mit Bahncard. Grundsätzlich funktioniert das also sehr wohl - insofern ist die Blockadehaltung des VVS absolut unverständlich. Und ich persönlich nehme deswegen entweder gleich das Auto, oder am Zielbahnhof ein anderes motorisiertes Gefährt (Mietwagen, Taxi), da ich keinen Nerv habe, mich mit derartigem Kopetenzgerangel zu beschäftigen.

Die Tücke mit dem Anschlussticket: ist das jetzt ein neuer Vokssport, von manchen Parteien oder Organisation und Zeitungen, auf der Bahn rum zu Hacken. Die machen aucn nur ihren Job, und manche Prozesse sind sehr kompliziert.

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