Deutschland Chiemsee: Weiß-blaue Wonnen

Von Rainer Heubeck aus Prien am Chiemsee 

Der Chiemsee, auch liebevoll „Bayerisches Meer“ genannt, ist der drittgrößte See in Deutschland - und sehr beliebt bei Wassersportlern.

Idylle unter weißblauem Himmel: Das „Bayerische Meer“ ist 81 Quadratkilometer groß und ein Traumrevier für Wassersportler. Foto: dpa/gms
Idylle unter weißblauem Himmel: Das „Bayerische Meer“ ist 81 Quadratkilometer groß und ein Traumrevier für Wassersportler.Foto: dpa/gms

Chiemsee - Was für ein Panorama! Im Vordergrund schimmert bläulich der See, am Horizont leuchtet die Vegetation am Ufer in saftigem Grün, und dahinter ragen zackig und in verschiedenen Schattierungen von Blau die Alpen in den bayerischen Himmel. Dann nähert sich dem Anlegesteg des Yachthotels Chiemsee fast lautlos ein elegantes Boot. Am Steuer kein bärtiger Seebär, sondern eine bildhübsche Frau. 21 Jahre jung ist Alexandra Heistracher. Die gelernte Hotelfachfrau ist auf dem Chiemsee groß geworden. Ihr Großvater und ihr Vater waren Kapitäne auf einem der Passagierboote, die die Orte am Festland mit den Inseln verbinden.

Jahrelang segelte sie mit ihrem Hund Muffin abends hinaus und genoss die goldgelben Sonnenuntergänge. „Am Abend ist der See immer am schönsten“, sagt sie. Inzwischen hat sie aus diesem Hobby eine Geschäftsidee gemacht. Sie bietet abendliche Sonnenuntergangs- und nächtliche Sternenfahrten auf der familieneigenen Yacht „Oasis“ an. Etwa zehn Meter ist das Segelboot lang, und wer will, kann die Fahrt nicht nur genießen, sondern beim Segelsetzen auch selbst mit Hand anlegen. Etwa das 34 Quadratmeter umfassende Großsegel am zehn Meter hohen Hauptmast hochziehen oder das 20 Quadratmeter große Foksegel aufspannen. Wichtig für Segelanfänger ist es, die Vorfahrtsregeln auf dem See zu kennen und zu beachten: „Lee vor Luv“, so erklärt Alexandra, „das bedeutet, dass das Boot, das sich näher am Wind befindet, auszuweichen hat.“ Ob das auch jeder Segler am Chiemsee weiß, ist zweifelhaft. Denn auf dem rund 80 Quadratkilometer großen Gewässer darf jeder segeln, der sich das zutraut - auch ohne Segelschein.

Das älteste Nonnenkloster Deutschlands

Auf alle Fälle empfiehlt es sich, für einen Besuch am Bayerischen Meer viel Zeit mitzubringen. Wer, wie viele Touristen, nur kommt, um das Königsschloss des legendären Märchenkönigs auf der Herreninsel zu bewundern, der verpasst leicht andere schöne Ecken im und um den See wie die Fraueninsel mit ihren traditionellen Biergärten. Interessant ist auch ein Besuch im Benediktinerinnenkloster Frauenwörth. Das im Jahr 782 gegründete Kloster gilt als das älteste Nonnenkloster Deutschlands und wird immer noch bzw. wieder von rund 30 Benediktiner-Nonnen bewohnt. Im Klosterladen bieten die Nonnen selbst gemachte Kräuterliköre und Lebkuchen sowie Marzipan- Spezialitäten an. Die rund zwölf Hektar große Insel lässt sich in einer halben Stunde bequem zu Fuß umrunden. Der Chiemsee als Ganzes ist natürlich noch viel, viel älter als das Nonnenkloster auf der Fraueninsel. Christina Erl und Christine Haslbeck, zwei Chiemsee-Naturführerinnen, fahren mit ihren Gästen regelmäßig auf der Barkasse „Birgit“ an das Delta der Tiroler Achen.

Sie berichten dort von den Ursprüngen des Chiemsees, der entstand, als sich die Gletscher nach der letzten Eiszeit langsam zurückzogen - und sich in den vom Eis hinterlassenen Ausschürfungen ein gewaltiger See bildete. Ein Gewässer, das anfangs deutlich größer war und das auch heute noch von Jahr zu Jahr ein bisschen schrumpft: Die Prien und die Tiroler Achen, die wichtigsten der rund 60 Zuflüsse des Chiemsees, schwemmen Sedimente und Geschiebe an, deshalb wächst die Landfläche, und der See wird kleiner. In etwa 8000 bis 9000 Jahren, so vermuten Christina Erl und Christine Haslbeck, wird der Chiemsee Geschichte sein - so wie heute schon der Rosenheimer See und der Salzburger See, die beide längst komplett verlandet sind.

Eine wichtige Rolle im Ökosystem

Gut, dass dies in absehbarer Zeit nicht passieren wird. Und so kann man mit den beiden Naturführerinnen bzw. ihren Kolleginnen und Kollegen hinausfahren, die Wassertemperatur in verschiedenen Tiefen messen und Kleinstlebewesen im Wasser mit dem Mikroskop beobachten. Beispielsweise Hüpferlinge bzw. Wasserflöhe oder Zooplankton. Eine wichtige Rolle im Ökosystem des Sees spielen Schwebalgen. Sie geben dem Chiemsee sein bezauberndes grünes Aussehen und bilden gleichzeitig die wichtigste Nahrungsgrundlage für das Zooplankton. Doch das fragile Ökosystem des Sees ist bedroht - die Krebspest greift um sich, und eingeschleppte Dreikantmuscheln verdrängen die einst dominierenden Malermuscheln. Eine der wohl schönsten Arten, sich auf dem See fortzubewegen, ist eine Paddeltour entlang des Ufers - beispielsweise von Prien nach Bernau.

Es werden Touren für Anfänger und ambitioniertere Paddler angeboten. Falls, was gelegentlich vorkommt, am Nachmittag ein Gewitter aufzieht, sollte man allerdings lieber nicht in einem Boot sitzen. Eigentlich schade, denn nach einem richtigen Unwetter, das weiß Alexandra Heistracher aus Erfahrung, wird es auf dem See meist noch einmal ganz besonders schön - vor allem die Lichtstimmung: „Wenn nach einem Gewitter oder Regenschauer die Sonne wieder rauskommt, dann scheint es so, als ob alles strahlt.“

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