DFB-Elf vor dem Italien-Spiel Der Kreis schließt sich
Carlos Ubina, 09.02.2011 08:12 Uhr
Der Bundestrainer Joachim Löw (rechts) stimmt seine Jungschar auf das Spiel gegen Italien ein. Foto: dpa
Der Bundestrainer Joachim Löw (rechts) stimmt seine Jungschar auf das Spiel gegen Italien ein. Foto: dpa
Dortmund - Dieser Weg ist kein leichter gewesen, er war sogar steinig und schwer - und am 4. Juli 2006 schien er plötzlich zu Ende. Plötzlich, vorzeitig und das letzte Stück mit einer Riesenenttäuschung gepflastert. An jenem späten Abend in Dortmund verlor die deutsche Fußball-Nationalmannschaft das WM-Halbfinale gegen Italien. Tränen sind geflossen bei den Spielern, weil es das Ende des Titeltraums im eigenen Land bedeutete. Es ist in jenen bitteren Momenten jedoch nicht zu erahnen gewesen, dass dieses 0:2 nach Verlängerung irgendwie auch ein Anfang war.

Am Mittwoch (20.45 Uhr/ARD) trifft die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wieder auf Italien, wieder in Dortmund - und natürlich geistert auch wieder der Begriff "Klassiker" herum. Schließlich erwartet die DFB-Elf mit den drei Weltmeistersternen auf den weißen Trikots die Squadra azzurra mit den vier WM-Sternen auf den blauen Trikots. "Wir freuen uns beim Start ins Länderspieljahr auf einen tollen Gegner in einem tollen Stadion", sagt der Teammanager Oliver Bierhoff.

Unterschiedliche Voraussetzungen


Das 30. Aufeinandertreffen ist allerdings nur ein Freundschaftsspiel, und auch auf anderer Ebene sind es sehr unterschiedliche Vorzeichen: auf der einen Seite steht eine deutsche Mannschaft, die sich seit der WM 2006 weiterentwickelt, einen neuen Spielstil geschaffen und zuletzt Fans sowie Fachleute entzückt hat. Auf der anderen Seite läuft ein italienisches Team auf, das den Umbruch verpasst und bis zum Vorrundenaus bei der WM 2010 auf alte Kräfte statt auf neue Impulse gesetzt hat.

Mit diesem Problem kennen sie sich auch beim DFB aus. Denn bevor der WM-Projektleiter Jürgen Klinsmann antrat, war der deutsche Fußball gut darin, Entwicklungen zu versäumen. Klinsmann hat 2004 eine Revolution angestoßen, sein Nachfolger Joachim Löw setzt seit August 2006 dagegen mehr auf Evolution. Der Bundestrainer hat mit reichlich Geduld und viel Trainerhandwerk die deutsche Spielkultur verändert und ist dabei, sie weiter zu verfeinern. Es ist in seinen besten Phasen ein dominanter, aggressiv-vertikal ausgerichteter Hochgeschwindigkeitsfußball, in seinen schlechteren Phasen ist es immer noch ein sicherer Kombinationsfußball.

Was passiert mit Ballack?


Umgesetzt wird dieser Fußball von einer Spielergeneration, deren Kern aus der WM vor viereinhalb Jahren erwachsen ist: Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Lukas Podolski und Per Mertesacker. Sie alle waren schon damals gegen Italien dabei, genau wie Miroslav Klose und Arne Friedrich - und nicht zu vergessen: Michael Ballack. Der eigentliche Kapitän fehlt zwar nach zwei langen Verletzungspausen weiter in der Nationalelf, doch schon beim nächsten Länderspiel am 26. März in der EM-Qualifikation gegen Kasachstan könnte sich Löw die Ballack-Frage stellen.

Der Bundestrainer wäre dann als Moderator gefragt: Wie holt man den alternden Leitwolf zurück und integriert ihn in eine Elf, die sich bei der WM in Südafrika auf so wunderbare Weise von ihm und seinen Gebärden emanzipiert hat? Die andere Möglichkeit wäre, weiterhin auf den 34-jährigen Mittelfeldspieler zu verzichten. Entschieden hat sich Löw noch nicht, zumindest nicht öffentlich. Zuletzt hat er ständig nur betont, dass er Ballack eine Rückkehr zutraut. Den Zeitpunkt lässt der 51-Jährige offen, da der Leverkusener erst wieder seine Form finden soll.

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