Didacta in Stuttgart
Bildung braucht Investitionen
Inge Jacobs,
25.02.2011 07:33 Uhr
Stuttgart - Alle reden über Bildung. Darüber, wie notwendig sie sei. Als Standortfaktor, in ökonomischer Hinsicht und natürlich auch im Blick auf die Chancengerechtigkeit. Bildungserfolg, so tönt es jetzt allüberall im Wahlkampf, dürfe keinesfalls von der sozialen Herkunft abhängig sein. Kultusministerin Marion Schick hat die Bedeutung des Themas erkannt. Sie will in den nächsten Jahren ein verpflichtendes Kindergartenjahr einführen, Bildungshäuser zu Familienzentren weiterentwickeln und schon im Herbst verbindliche Kooperationen von Grundschulen und Kitas festschreiben. Auch die Bildungsmesse Didacta räumt dem Thema frühkindliche Bildung einen Schwerpunkt ein. Zu Recht. Denn wer sich in der Schullandschaft umschaut, sieht, dass Schulkarriere und Herkunft immer noch eng miteinander verknüpft sind. Besonders in Baden-Württemberg wird immer noch sozial selektiert, und Migrantenkinder haben dabei oft das Nachsehen: Die meisten von ihnen landen auf der Hauptschule, nur wenige auf dem Gymnasium.
Das ist kein Zufall. Denn über den Bildungserfolg eines Kindes entscheidet nicht zuletzt, wie intensiv es gefördert wird. Und wie früh diese Förderung beginnt. Kinder, deren Eltern kaum Deutsch können oder wenig Bildungserfahrungen mitbringen, sind auf anderweitige Unterstützung angewiesen: auf gute Kitas und auf Ganztagsschulen zum Beispiel. Doch in den Tagesstätten lassen große Gruppen und fehlendes Personal nicht ausreichend individuelle Förderung zu. Zudem ist es wegen des massiven Mangels an Plätzen oft Glückssache, seinen Nachwuchs überhaupt in einer Kita unterzubringen.
Auf der Didacta werden den Besuchern in Diskussionsforen und Vorträgen innovative pädagogische Ansätze vorgestellt - und sie erhalten viele Gelegenheiten zum Austausch. Beides ist wichtig. Aber es muss auch darum gehen, wie die erforderlichen Rahmenbedingungen für die Realisierung solcher Konzepte geschaffen werden. Darüber muss gesprochen und, wenn nötig, auch gestritten werden. Blumige Worte sind hier fehl am Platz. Erzieherinnen, Lehrer und Ausbilder bemühen sich meist mit hohem Engagement um Kinder und Jugendliche - und werden oft durch widrige Bedingungen ausgebremst: durch laute Räume, in denen der Putz von der Decke bröckelt; Turnhallen, in die es hineinregnet; einen Mittagstisch, für den niemand zuständig ist; oder auch einfach deshalb, weil es an Personal fehlt. Ganz zu schweigen von der grundsätzlichen Frage, ob ein System sinnvoll ist, das schon Grundschulkinder durch die Empfehlung an die weiterführenden Schulen unter hohen Erfolgsdruck setzt.
Die Bildungsmesse bietet also eine gute Plattform, um deutlich herauszustellen, welche Voraussetzungen für den Bildungserfolg der Kinder - und zwar aller Kinder - notwendig sind, und woran das System krankt. Der öffentliche Diskurs darüber nimmt in den Foren großen Raum ein - vielleicht kann er auch Impulse für das Alltagsgeschäft setzen. An Aufwand wird nicht gespart. Es werden Hirnforscher aufgeboten und Kleinkindexperten, Migrationsfachleute und Spezialisten für Lernmethodik. Sie alle präsentieren Ideen, die das Lernen erfolgreicher machen sollen. Gut so.
Doch wer wirklich Verbesserungen erreichen will, muss dafür auch Geld in die Hand nehmen und in Personal, aber auch in die Infrastruktur investieren. Kurzum: dafür braucht es auch den politischen Willen. Deshalb ist es erfreulich, dass die Didacta den Bildungsverantwortlichen aus Land und Kommunen ein Podium bietet - und ihnen vielleicht auch neue Einsichten in Sachen Bildung ermöglicht. Mit Fensterreden werden die Defizite im Bildungssystem nicht beseitigt, sondern es müssen schlicht andere Prioritäten bei der Verteilung der Mittel gesetzt werden. Daran wird sich die Politik im Land messen lassen müssen - unabhängig davon, wie die Wahl ausgeht.
Das ist kein Zufall. Denn über den Bildungserfolg eines Kindes entscheidet nicht zuletzt, wie intensiv es gefördert wird. Und wie früh diese Förderung beginnt. Kinder, deren Eltern kaum Deutsch können oder wenig Bildungserfahrungen mitbringen, sind auf anderweitige Unterstützung angewiesen: auf gute Kitas und auf Ganztagsschulen zum Beispiel. Doch in den Tagesstätten lassen große Gruppen und fehlendes Personal nicht ausreichend individuelle Förderung zu. Zudem ist es wegen des massiven Mangels an Plätzen oft Glückssache, seinen Nachwuchs überhaupt in einer Kita unterzubringen.
Widrige Bedingungen für Erzieherinnen und Lehrer
Auf der Didacta werden den Besuchern in Diskussionsforen und Vorträgen innovative pädagogische Ansätze vorgestellt - und sie erhalten viele Gelegenheiten zum Austausch. Beides ist wichtig. Aber es muss auch darum gehen, wie die erforderlichen Rahmenbedingungen für die Realisierung solcher Konzepte geschaffen werden. Darüber muss gesprochen und, wenn nötig, auch gestritten werden. Blumige Worte sind hier fehl am Platz. Erzieherinnen, Lehrer und Ausbilder bemühen sich meist mit hohem Engagement um Kinder und Jugendliche - und werden oft durch widrige Bedingungen ausgebremst: durch laute Räume, in denen der Putz von der Decke bröckelt; Turnhallen, in die es hineinregnet; einen Mittagstisch, für den niemand zuständig ist; oder auch einfach deshalb, weil es an Personal fehlt. Ganz zu schweigen von der grundsätzlichen Frage, ob ein System sinnvoll ist, das schon Grundschulkinder durch die Empfehlung an die weiterführenden Schulen unter hohen Erfolgsdruck setzt.
Die Bildungsmesse bietet also eine gute Plattform, um deutlich herauszustellen, welche Voraussetzungen für den Bildungserfolg der Kinder - und zwar aller Kinder - notwendig sind, und woran das System krankt. Der öffentliche Diskurs darüber nimmt in den Foren großen Raum ein - vielleicht kann er auch Impulse für das Alltagsgeschäft setzen. An Aufwand wird nicht gespart. Es werden Hirnforscher aufgeboten und Kleinkindexperten, Migrationsfachleute und Spezialisten für Lernmethodik. Sie alle präsentieren Ideen, die das Lernen erfolgreicher machen sollen. Gut so.
Doch wer wirklich Verbesserungen erreichen will, muss dafür auch Geld in die Hand nehmen und in Personal, aber auch in die Infrastruktur investieren. Kurzum: dafür braucht es auch den politischen Willen. Deshalb ist es erfreulich, dass die Didacta den Bildungsverantwortlichen aus Land und Kommunen ein Podium bietet - und ihnen vielleicht auch neue Einsichten in Sachen Bildung ermöglicht. Mit Fensterreden werden die Defizite im Bildungssystem nicht beseitigt, sondern es müssen schlicht andere Prioritäten bei der Verteilung der Mittel gesetzt werden. Daran wird sich die Politik im Land messen lassen müssen - unabhängig davon, wie die Wahl ausgeht.
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