""Wir haben gespielt wie Amateure""
Alexander Hleb über das 2:2 in Bremen
Stuttgart - Es ist ein mitleiderregendes Bild gewesen, das sich nach dem Schlusspfiff auf dem Platz des Bremer Weserstadions bot. Die Hände auf die Knie gestützt stand Sami Khedira am Mittelkreis und schüttelte den Kopf. Daneben warf Alexander Hleb fassungslos beide Hände vors Gesicht. Und tief frustriert saß weiter vorne Pawel Pogrebnjak im Dreck, den blonden Schopf gesenkt, der Blick leer. Man hätte meinen können, der VfB wäre soeben wieder untergegangen beim SV Werder, so wie vor einem Jahr, als sich die Stuttgarter am 24. Spieltag mit einem 0:4 auf die Heimreise begeben hatten. Diesmal war es der 25. Spieltag, diesmal nahmen sie zumindest einen Punkt mit - die Enttäuschung allerdings war nicht viel kleiner.
Ein 2:2 in Bremen ist grundsätzlich ein sehr ehrenwertes Resultat, schließlich gehört das Team von Thomas Schaaf mit den vielen Nationalspielern in die Kategorie "Ambitioniert". Am Samstag jedoch war es viel zu wenig für den VfB, der bis zur 75. Minute komfortabel mit 2:0 geführt und den Gegner klar dominiert hatte. Und so drückte der Angreifer Cacau, trotz bester Chancen diesmal ausnahmsweise ohne Tor, anschließend das aus, was im VfB-Lager alle dachten: "Dieses Unentschieden fühlt sich wie eine Niederlage an."
Nachlässigkeiten im Spielaufbau
Eine sehr überzeugende Leistung hatte der VfB in der ersten Halbzeit geboten. Weitgehend sicher stand die Elf von Christian Gross in der Defensive, suchte entschlossen die Gelegenheiten zum Kontern und erzielte dabei zwei sehenswerte Tore. Alexander Hleb, auch ansonsten stark an diesem Nachmittag, bereitete prächtig den ersten Treffer von Pawel Pogrebnjak vor; Timo Gebharts maßgenaue Flanke führte zum 2:0 durch Sami Khedira. Im Stile einer Spitzenmannschaft trat der VfB im ersten Abschnitt auf - und spielte im zweiten, wie Hleb hinterher schonungslos bilanzierte, "wie Amateure".
Das ist sehr hart ausgedrückt - mehr als fahrlässig war es allerdings in der Tat, wie der VfB nach der Pause den sicher geglaubten Sieg vergeigelte. "Zwei Probleme" stellte Gross hinterher fest: Das eine betraf die fehlende Konsequenz im Torabschluss, denn eine ganze Reihe guter Chancen ließ der VfB ungenutzt. "Wir haben es verpasst, mit dem dritten Tor für die Entscheidung zu sorgen", sagte Gross. Das andere Problem waren die Nachlässigkeiten im Spielaufbau ("Da waren wir nicht abgeklärt genug") und vor allem in der Hintermannschaft, in der, wie der Trainer feststellte, "leider Fehler gemacht worden sind".
Stefano Celozzi weckt Zweifel beim Stuttgarter Verein
Beim ersten Gegentreffer von Hugo Almeida griff Jens Lehmann daneben. Und das anschließende Elfmetertor durch Torsten Frings zum Ausgleich muss Stefano Celozzi auf seine Kappe nehmen. Viel zu ungestüm ging der Verteidiger kurz vor Außenlinie gegen Marko Marin zu Werke, der bekannt dafür ist, spektakulär hinzufallen, sobald er einen Gegenspieler im weiteren Umkreis wittert. Sehr dankbar wird der Bremer Nationalspieler daher für die unbedarfte Grätsche Celozzis gewesen sein.
Der rechte Verteidiger des VfB ist ein junger Spieler, der noch einiges lernen und dem man manchen Fehler zugestehen muss; im Sog des Erfolgs hat auch er sich in den vergangenen Wochen spürbar gesteigert und teils gute Leistungen geboten. Aber mit Aktionen wie der gegen Marin nährt Celozzi eben auch immer wieder die Zweifel, ob er wirklich genügend Klasse für die internationalen Ansprüche des Vereins hat.
Aufholjagd soll auf Schalke weiter gehen
Auch in der nächsten Saison will der VfB wieder im Europapokal dabei sein. "Wir haben in der Hinrunde viel verbockt, deshalb dürfen wir uns jetzt nichts mehr erlauben", sagt der Manager Horst Heldt. Mit 19 von 24 möglichen Punkten liegt der VfB in der Rückrundentabelle auf Platz zwei, nur die Bayern sind einen Zähler besser. Allerdings hat die Mannschaft in Bremen die große Chance verpasst noch mehr Boden gutzumachen und bis auf einen Punkt an Werder, einen direkten Konkurrenten im Kampf um die internationalen Plätze, heranzurücken. "Fatal" fände es daher der Mittelfeldspieler Sami Khedira, "wenn wir mit dem Unentschieden zufrieden wären".
Als Rückschlag will Khedira, der aufgrund der fünften Gelben Karte von Matthieu Delpierre im nächsten Spiel wieder Kapitän sein wird, die verlorenen Punkte dennoch nicht gewertet wissen. "Die Mannschaft ist mittlerweile stabil genug und weiß mit einem solchen Spiel umzugehen." Es soll nur eine kurze Pause sein, die die Aufholjagd des VfB in Bremen gemacht hat - schon am Freitag soll sie weitergehen. Leichter wird es allerdings nicht, denn wieder treten die Stuttgarter auswärts an, diesmal sogar beim Titelaspiranten Schalke 04. Kleiner Trost: vergangenes Jahr gewannen die Stuttgarter dort mit 2:1 - und hüpften vor lauter Freude anschließend wie kleine Kinder auf dem Platz herum.