Die Apfelernte beginnt Flüssige Äpfel: Most und Cidre aus Schwaben

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Die Mostäpfel haben dieses Jahr etwas Verspätung. In manchen Betrieben wie den Bittenfelder Fruchtsäften wird das Mostobst allerdings bereits angeliefert, die Pressen laufen. „Etwas später als sonst, weil die Äpfel noch nicht reif genug waren“, sagt ein Mitarbeiter der Saftkelterei in Waiblingen-Bittenfeld, die in ihrem reichhaltigen Sortiment nicht nur Säfte, sondern auch Most und Cidre anbietet. Das normannische Nationalgetränk sei aber mehr mit Apfelwein als mit Most vergleichbar.

Bei den Beutelsbacher Fruchtsäften beginnt die Anlieferung am Mittwoch. Wer einen frisch gepressten Apfelsaft direkt im Birkel-Areal neben der B 29 abholen will, müsse allerdings noch bis Ende der Woche warten, teilt eine Mitarbeiterin der Firma mit. Schließlich muss der Saft ja erst einmal gepresst werden. Wie in jedem Jahr wird ein großes Schild auf dem Dach der Fruchtsaftkellerei bis hin zur Schnellstraße anzeigen, dass frischer Apfelsaft geholt werden kann. Darüber hinaus besteht bei Beutelsbacher Fruchtsäfte das ganze Jahr über die Möglichkeit, im Fabrikverkauf täglich von Montag bis Samstag einzukaufen und zu probieren.

Das Schwäbische Streuobstparadies ist ein Verein

Wer sich selbst einmal im Mosten oder Saften probieren will, findet demnächst entsprechende Kurse bei dem Verein Das Schwäbische Streuobstparadies. In diesem sind mehr als 200 Mitglieder organisiert, unter anderem sieben Landkreise, Regierungspräsidien und Kommunen, Obstbauverbände und Genossenschaften bis hin zu Privatpersonen. „Wir wollen Kurse anbieten, in denen man lernen kann, wie man selbst Most macht. Da gibt es nämlich einiges, was man falsch machen kann“, sagt Maike Schünemann von der Geschäftsstelle des Vereins in Bad Urach. Wer schon einmal einen Schluck schlecht gewordenen Mosts in der „Gosch“ gehabt hat, weiß welchen durchschlagenden Effekt das hat.

Vor ein paar Jahren hat der Verein, der sich den Erhalt der Streuobstwiesen auf die Fahne geschrieben hat, auch den alten Brauch des Afterbergens wiederaufleben lassen. Darunter versteht man das freie Auflesen von Feldfrüchten für jedermann nach einem Stichtag, meisten dem 16. Oktober, dem Gallustag. Was dann noch an den Bäumen hing, durfte straffrei gepflückt werden, egal ob einem der Baum gehörte oder nicht. Nach heutigem Recht wäre das Diebstahl. Die modifizierte Form des Afterbergens besteht darin, die Stücklesbesitzer zuerst zu fragen und nur zu ernten, wenn sie einverstanden sind.

Die Preise haben das Streuobst verkommen lassen

Der Knackpunkt, warum das Streuobst verkommt, sind die niedrigen Preise, die für das Obst bezahlt werden, dessen Ernte ziemlich schweißtreibend ist. Das Schwäbische Streuobstparadies hat deshalb mit der Firma Seeberger einen Vertrag zur Produktion von Apfelchips abgeschlossen. Wer dafür Äpfel liefert, erhält einen besseren Preis für die Äpfel als anderswo.