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An der Wiederwahl des Ludwigsburger Rathauschefs in einer Woche besteht kein Zweifel: Werner Spec hat keine prominenten Gegenkandidaten. Schade, meint der 53-Jährige, der sich um die Wahlbeteiligung sorgt.
Herr Spec, Sie haben am Sonntag, 3. Juli, nur einen ernstzunehmenden Gegner: die Wahlbeteiligung. Schon vor acht Jahren ging nur jeder vierte Ludwigsburger zur Urne. Ab wann wird es Ihnen peinlich?
Die Frage muss man an die Wähler selbst richten. Eine geringe Wahlbeteiligung würde schon die Frage aufwerfen, warum nicht mehr Interesse besteht. Bei einer sehr geringen Beteiligung würden auch die Anteile der Bewerber höher ausfallen, die Proteststimmen auf sich vereinen.
Sehen Sie ein Legitimationsproblem, wenn Sie ein Ostblockergebnis auf Sparflamme einfahren?
Formal natürlich nicht. Eine starke Wahlbeteiligung stärkt allerdings die Position eines Oberbürgermeisters in Verhandlungen mit der Landesregierung um Zuschüsse. Aber bei OB-Wahlen ohne starke Mitbewerber liegt die Beteiligung mittlerweile üblicherweise unter 30 Prozent. Da mache ich mir keine Illusionen.
Sind Sie ein derart imposanter Platzhirsch, dass sich keiner gegen Sie traut - oder wie erklären Sie es sich, dass es in einer interessanten Stadt wie Ludwigsburg keine prominenten Gegenkandidaten gibt?
Das müssen Sie die anderen fragen. Ich habe immer Wert auf eine konsequente Sachpolitik gelegt, bin stets offen für jedes gute Argument. Und unser nachhaltiges Stadtentwicklungskonzept, das auf ökonomischer, ökologischer und sozialer Ausgewogenheit bei generationengerechten Finanzen beruht, ist so angelegt, dass sich da offenbar jede parteipolitische Richtung wiederfinden kann.
Sie hängen die Bürgerbeteiligung ziemlich hoch. Versprechen Sie damit nicht mehr, als Sie guten Gewissens halten können?
Ich sehe gar keine Alternative zu einer intensiven Bürgerbeteiligung. Sie bedeutet aber auch Eigenverantwortung. Um die nachfolgenden Generationen zu entlasten, müssen die öffentlichen Kosten zum Teil durch ehrenamtliches Engagement reduziert werden. Wenn es um die Mitbestimmung geht, schließt diese natürlich auch ein, dass jeder offen ist für bessere Lösungsvorschläge.
Beispielsweise im Fall von Neckarweihingen kam der Vorschlag einer Neubau-Kombination aus Schule und Supermarkt in der Ortsmitte doch recht kurzfristig. Müssen Sie beim Timing noch nachbessern, die Bürger und Stadträte frühzeitiger über Ihre Pläne informieren?
Nicht die Verwaltung, sondern der Gemeinderat macht bei der Diskussion in Neckarweihingen Zeitdruck. Eigentlich hätte jetzt gar keine Eile bestanden, über den Supermarktstandort zu entscheiden. Einige Fraktionsvertreter im Ältestenrat wollten verhindern, dass die Neckarweihinger alle Alternativen kennen und sich noch einmal intensiv damit beschäftigen. Eine eigentlich untragbare Einstellung.
Sie pflegen Ihre Trümpfe zu ziehen, wenn die anderen die Karten abgelegt haben.
Ich bin sicher, dass eine breite Mehrheit im Gemeinderat weiß, dass das nicht meine Vorgehensweise ist.
Sie glänzen durch Großprojekte . . .
Ich glänze nicht durch Großprojekte. Die Arena ist ein Anliegen, das mehr als 25 Jahre lang diskutiert worden ist. Ich habe lediglich einen neuen Antrag der Freien Wähler aufgegriffen und stehe zu der Halle. In Ludwigsburg wäre sonst ein Teil des Spitzensports weggebrochen. Die Arena ist aber nur ein Mosaikstein in einer breit angelegten Stadtentwicklung.
Sie gelten als Macher. Nehmen Sie das als Kompliment?
Ich nehme das wie Vieles einfach zur Kenntnis. Meine Motivation liegt darin, Chancen zu nutzen, die sich für eine Stadt auftun. Das ist ein erfüllender Beruf.
Wie wäre es mit der ganz großen Vision à la Ludwigsburg 21: die Untertunnelung der B 27, die bisher die Stadt durchtrennt?
Wir haben bereits eine Studie in Auftrag gegeben und vorliegen, wie die Tieferlegung der B 27 zwischen der Sternkreuzung und dem Heilbronner Torhaus aussehen könnte. Irgendwann muss man diese Durchschneidung und Lärmbelästigung überwinden. Wir haben uns mit der Studie in die lange Warteschleife für staatliche Zuschüsse eingereiht. Das ist aber Vorarbeit für die fernere Zukunft.
Stichwort Leuchtturmprojekte: Ihre ersten Jahre in Ludwigsburg waren entscheidungsreich. Ist nun alles ausgeleuchtet?
Ich bin kein Freund des Begriffs Leuchtturmprojekt. Ich denke nicht in solchen Kategorien. Es geht jetzt tatsächlich darum, neben der aktiven weiteren Stadtentwicklung die Restschulden, die etwa bei zehn Millionen Euro liegen, schrittweise weiter abzubauen. Und mittelfristig vom System der Kreditfinanzierung öffentlicher Aufgaben umzustellen auf eine Rücklagenfinanzierung. Das sehe ich als die eigentliche Aufgabe. Nicht die Finanzierung einzelner Großprojekte.
Das Gespräch führte Miriam Hesse.


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