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Die beste Spielerin avanciert zur tragischen Figur
"Filder-Zeitung", 19.09.2011 02:38 Uhr
Handball. Die Frauen der HSG Leinfelden-Echterdingen verlieren trotz einer Steigerung nach der Pause zum Auftakt in der Württembergliga mit 23:24 gegen den VfL Waiblingen II. Von Susanne Degel

Erkan Sener hat gewusst, was er zu tun hatte. Kaum war der Schlusspfiff in der Partie zwischen den Handballerinnen der HSG Leinfelden-Echterdingen und der Drittliga-Reserve aus Waiblingen verklungen, eilte der Trainer zu Nina Zeeb, nahm sie in den Arm und sprach ihr tröstende Worte zu - und sicherlich auch solche des Lobes. Die Rückraumspielerin war in den 60 Minuten zuvor die Beste auf Seiten der Gastgeberinnen gewesen - und 15 Sekunden vor dem Ende zur tragischen Figur avanciert, als sie mit einem Siebenmeter an der Torfrau Nadja El-Kurd scheiterte und damit die 23:24-Niederlage ihrer Mannschaft besiegelte. Sechs Strafwürfe hatte Zeeb zu diesem Zeitpunkt bereits verwandelt gehabt, im siebten Anlauf versagten ihr die Nerven. Somit ist der Saisonstart für das Filderteam in der Württembergliga zumindest vom Ergebnis her missglückt.

Freilich: Schuldzuweisungen, dass es zum durchaus verdienten Punkt nicht gereicht hatte, wollte keiner machen, schon gar nicht an Zeeb, vor der auch schon Caroline Dinkelacker (zweimal) sowie Daniela Docters Siebenmeter verworfen hatten. Erkan Sener zeigte sich am Ende zumindest mit der kämpferischen Leistung "sehr zufrieden". Es war vor allem die erste Spielhälfte, in der sich seine Mannschaft um das mögliche Erfolgserlebnis brachte. Nach einer Viertelstunde führte der Gegner mit 8:3, und das ohne große Mühe. Im Angriff schenkten die Echterdingerinnen den Ball zu oft her, was vor allem Silvana Thiemar nutzte, nämlich zu vier Gegenstoßtoren. Und in der Abwehr beließen es Janika Hummel und Co. beim Zuschauen. Egal ob Schlagwurf, Sprungwurf oder Eins-gegen-Eins-Aktion - die Gegenwehr tendierte gegen Null. Zur Pause stand es 8:14.

Was immer Sener seinen Spielerinnen dann in der Kabine gesagt haben mag, seine Worte sind angekommen. Vor allem in puncto Einsatzwillen schaltete das Heimteam ein paar Gänge hoch. Dies hatte zur Folge, dass das Waiblinger Angriffsspiel ins Stocken kam. Und auch vor dem gegnerischen Tor spielten die Gastgeberinnen plötzlich wesentlich druckvoller, dies auch dank zweier personeller Veränderungen. Nina Zeeb spielte fortan für Daniela Docters, die den Rest der Partie von der Bank aus verfolgte, im linken Rückraum. Und auf der rechten Seite durfte der Neuzugang Kirsten Häusler ran. Nach 45 Minuten war die Begegnung wieder ausgeglichen - 18:18. Als dann auch noch Bianca Seerau, die Alexandra Brändle in der Pause im Echterdinger Tor abgelöst hatte, einen Strafwurf von Thiemar hielt, schien sich das Geschehen zugunsten der HSG Leinfelden-Echterdingen zu drehen.

Schien. Ein Tor von Vera Kretschi und ein neuerlicher Gegenstoßtreffer - Häusler hatte im Angriff den Ball verloren - bedeuteten schließlich das Aus. Es war dies nicht die einzige Phase, in der sich wie schon in der Vergangenheit gezeigt hat, dass der Mannschaft eine echte Führungsspielerin fehlt. Eine, die nicht nur die Hektik aus dem Spiel nimmt, sondern auch wortgewaltig bestimmt, was in kritischen Momenten zu tun ist. Diese Rolle konnte das Filderteam auch am Samstagabend nicht besetzen. Und so steht der neue Coach Erkan Sener alles in allem noch vor einiger Arbeit.

HSG Leinfelden-Echterdingen: Brändle, Seerau; Dinkelacker, Häusler (3), Lauer, Schwenke (3), Docters (1), Anja Zeeb (1), Nina Zeeb (10/6), Hummel (3), Kroer (1), Schwarz (1), Dietrich.

VfL Waiblingen II: El-Kurd, Nowak; Cyklarz (3), Stimmler (3), Bay (4), Thiemar (9/3), Seeger (1), Kretschi (1), Kirchner, Möss (3).

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