Die Braten brutzeln, die Besucher auch

Von "Kornwestheim und Kreis Ludwigsburg" 

Kornwestheim Das "SWR1-Pfännle" hat gestern Tausende Menschen aufs Salamander-Areal gelockt. Der Sommer gab aus diesem Anlass noch mal alles: Das Fest gelang rundum. Von Susanne Mathes

Kornwestheim Das "SWR1-Pfännle" hat gestern Tausende Menschen aufs Salamander-Areal gelockt. Der Sommer gab aus diesem Anlass noch mal alles: Das Fest gelang rundum. Von Susanne Mathes

Gebraten, gesotten und gekocht: Diese wunderbar bildhaften Wörter aus der Gourmetwelt ließen sich gestern eins zu eins aufs Publikum beim "SWR1-Pfännle" übertragen. Denn der Spätsommer zeigte zum Festwochenende noch mal, was in ihm steckte, und so schmorten Tausende von Besuchern, die zum Schlemmen und Schauen aufs Salamander-Areal gekommen waren, in ihrem eigenen Saft und köchelten unter ordentlich Oberhitze vor sich hin. Selbst der Induktionsherd, den der SWR zu Schauzwecken auf die große Bühne verfrachtet hatte, muckte regelmäßig auf wegen zu großer Hitze - von oben wohlgemerkt.

Den lukullischen Freuden tat das indes keinen Abbruch. Die Gastronomen freuten sich im Gegenteil darüber, dass die Gäste nicht nur der festen, sondern auch der flüssigen Nahrung reichlich zusprachen. Restaurants und Weingüter hatten die verlockendsten Dinge in den Gastro-Zelten aufgefahren: Hier umwehte die Besucher der Duft von geschmorten Schweinsbäckle, dort duftete geräucherte Walnusssuppe mit Ziegenkäse und Honig, an der nächsten Ecke lockte der marinierte Tafelspitz auf Alblinsen.

Dazu gab"s elegante Weißweine, luftige Rosés oder erfrischende Biere. Ganz billig waren die Probierportionen nicht, dafür aber garantiert regional. Dass in heimischen Gefilden Gutes heranwächst, darauf will der Südwestrundfunk jeweils im September mit seiner "Pfännle"-Veranstaltung aufmerksam machen. Ein Gedanke, den Sternekoch Harald Derfuß vom "Adler" in Asperg qua Profession verinnerlicht hat. Der 42-Jährige findet es wichtig, dass die Wertschätzung für qualitätsvolle Produkte wächst - und das Verständnis dafür, dass jedes Produkt zum Heranwachsen seine Zeit braucht und deshalb seinen Preis hat. "Beim Pfännle dabei sein zu können, das ist eine Bestätigung, dass man das, was man macht, richtig macht", findet er.

Beim Pfännle dabei ist auch stets das Moderatoren-Duo Petra Klein und Michael Kost. Ihre Schaukoch-Einlagen mit prominenten Gästen gehören zu den Höhepunkten der Veranstaltungen - kurzweilig, knarzig und köstlich. Gestern hatten sie zum Beispiel Schauspieler Bernd Gnann und Weinkönigin Karolin Harsch auf die Bühne gebeten, um mit Frank Gulewitsch vom "Il Boccone" in Ludwigsburg gebratene Gnocchi mit Hohenloher Schafskäse und Rucola zu kreieren. "Kartoffelschälen - das ist was für mich. Sagt mir einfach, was ich machen muss", frohlockte Bernd Gnann, der sich damit prompt Petra Kleins Kommentar "Ich liebe Männer, die diesen Satz sagen" einfing. "Wie der mit der Kartoffel umgeht, das ist einfach brachial", umschrieb Michael Kost Gnanns Schälversuche. Dafür punktete Gnann mit dem zum Schälen rezitierten Heinz-Erhardt-Poem "Die Made".

Kurz darauf rief Kost, auf die Pfanne mit in Öl angebratenem Spinat starrend: "Da raucht"s wie die Sau!" Was Petra Klein mit der Feststellung quittierte: "Kaum ist der Kost an der Pfanne, müssen wir die Feuerwehr rufen." - "Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen", entgegnete Kost. "Aber schon mancher hungrig nach Hause gegangen", legte Klein nach. Derlei Wortgefechte verliehen den Kochvorführungen Würze - eine neben der Bühne aufgebaute Großleinwand ermöglichte es auch den weiter hinten sitzenden Besuchern, das Geschehen zu verfolgen.

Ebenfalls als schlagfertig erwies sich Oberbürgermeisterin Keck, die zusammen mit dem SPD-Landtagsfraktionsvorsitzenden Claus Schmiedel in den Kochring stieg. "Die sind aber ganz schön dick, die Kartoffelstücke", sagte Petra Klein angesichts von Kecks Schnippelkünsten. "Der Auftrag hieß: grob", meinte Keck ungerührt. "Sind sie auch als Oberbürgermeisterin die Frau fürs Grobe?", stichelte Klein. "Nein", kam Kecks Salve zurück, "aber beim Kochen halte ich mich genau an die Vorgaben."

Nebenbei schaffte Keck es spielend, Kornwestheims Vorzüge zu preisen, die "Aufbruchsstimmung" seit ihrem Amtsantritt unterzubringen und der Immovation AG für die Gastgeberrolle auf dem Salamander-Areal zu danken. "Und Sie, Herr Bergmann, kriegen den großen Tapferkeitspreis, dass Sie bei dieser Hitze immer noch die Krawatte umhaben", schickte Moderatorin Klein hinterher. Ihrer Aufforderung, das gute Stück abzulegen, widersetzte sich Immovations-Vorstand Lars Bergmann standhaft.

Wurde auf der Bühne gerade mal nicht gekocht, spielte die SWR-Band Pop- und Rock-Covers. Gut gesättigt und von der Hitze gleichsam paralysiert waren die Besucher allerdings eher nicht zu sportlichen Betätigungen wie Mitklatschen oder Tanzen zu bewegen.

Als jedoch die Kinderjury in Aktion trat, erwachte in den Besuchern der Enthusiasmus; ausgiebig beklatschten sie die Mädchen und Jungen, die vor aller Augen ein von Harald Derfuß zubereitetes Menü verspeisten und dieses dann nach Aussehen und Geschmack benoten sollten.

Er war aber auch köstlich, mit welcher Hingabe der fünfjährige Marlon die Tigerentennudeln in Angriff nahm - oder wie nonchalant der sechsjährige Giuliano Petra Kleins Avancen ("Soll ich dir beim Schneiden helfen?" - "Nö." - "Würdest du mir mal deinen Hut leihen?" - "Nö.") an sich abgleiten ließ.

Katharina, Nastasia, Rebecca, Natascha, Marlon und Giuliano aßen nicht nur alle ihre Spinatsauce und ihre panierten Würfel vom Freilandhuhn, sondern verteilten fast ausschließlich Bestnoten. "Ein Schnitt von 1,16 fürs Kindergericht", meinte Petra Klein anerkennend - "damit geht Kornwestheim beim Pfännle 2011 in Führung."