Die CDU auf Kandidatensuche
Neuauflage des Tübinger Krimis?
Andreas Müller,
01.09.2010 09:25 Uhr
Die CDU-Oberen waren zufrieden, dass der Traditionalist Schuh vor der unkonventionellen Lisa Federle siegte. Die Freude war aller Voraussicht nach verfrüht. Foto: Grohe
Tübingen - Es war eine Richtungsentscheidung zwischen Traditionalisten und Modernisierern. Unterschiedlicher hätten die beiden Hauptbewerber kaum sein können, die sich in Tübingen um die Nominierung als CDU-Landtagskandidat bemühten. Das "klassische Spektrum" der Partei vertrat Horst Schuh (52), der Leiter des Staatlichen Rechnungsprüfungsamtes und neue Chef der Christdemokraten im Rottenburger Gemeinderat. Er wolle vor allem die konservativen "Stammwähler ansprechen", sagte Schuh. Das galt lange als die erfolgversprechende Strategie: Seit mehr als zwei Jahrzehnten kommen die CDU-Parlamentarier im Wahlkreis aus der katholischen Bischofsstadt.
Seine Konkurrentin Lisa Federle zielte dagegen auch auf die Wechselwähler - und konnte da bereits einen eindrucksvollen Erfolg vorweisen. Bei den Kommunalwahlen 2009 war die stadtbekannte Notärztin aus dem Stand zur CDU-Stimmenkönigin gekürt worden. Die Wähler goutierten offensichtlich auch ihren Lebenslauf, der so gar nicht dem Parteiklischee entspricht. Jung Mutter geworden und zeitweise alleinerziehend mit vier Kindern, mit dreißig das Abitur nachgeholt und Medizin studiert, heute Leiterin des Rettungsdienstes und Vizechefin des Roten Kreuzes - die bunte Vita der 49-Jährigen ist das Kontrastprogramm zur eher gewöhnlichen Beamtenkarriere ihres Rivalen.
Aufs Bewährte setzen oder neue Wählerschichten erschließen? Zwischen diesen Alternativen waren die Christdemokraten bei der Nominierungsversammlung Ende Juli hin- und hergerissen. Fünf Stunden lang dauerte der "Wahlkrimi" im überfüllten Saal des Bühler Schlosses. Dann gab es ein knappes Ergebnis: In der Stichwahl siegte Schuh mit 161 Stimmen, Federle kam auf 146 Stimmen. Die CDU-Oberen um den Tübinger Kreisvorsitzenden Klaus Tappeser waren zufrieden, und auch die politische Konkurrenz, kommentierte das "Schwäbische Tagblatt", konnte erleichtert sein: Rote und Grüne müssten nun nicht mehr fürchten, dass ihnen die Schwarzen in der Universitätsstadt mit einer unkonventionellen Kandidatin Wähler abjagten.
Die Freude der Schuh-Anhänger war in jedem Fall verfrüht, die Erleichterung der Konkurrenz war es vielleicht. Denn die Nominierung hat aller Voraussicht nach keinen Bestand: Wegen organisatorischer Pannen und formaler Fehler fochten mehrere CDU-Mitglieder die Wahl an. Zunächst sah der Kreischef Tappeser - einst selbst Wahlkreisabgeordneter und heute Amtschef im Stuttgarter Wissenschaftsministerium - keinen Anlass für eine Wiederholung. Doch dann dachte er um: Man wolle jedes rechtliche Risiko vermeiden, und der Kandidat dürfe "nicht vorbelastet" in den Wahlkampf ziehen. Ende September will Tappeser diese Linie von einer weiteren Mitgliederversammlung absegnen und sogleich neu wählen lassen.
Bis dahin wird die Kreis-CDU keine neuen Mitglieder mehr aufnehmen, die die Mehrheitsverhältnisse noch verschieben könnten. Als "Aufnahmestopp" will der Vorsitzende das indes nicht gewertet wissen; man weiche nicht von der gewohnten Übung ab. Doch die Anhänger Federles sehen darin den indirekten Versuch, ihre Favoritin zu bremsen: Die populäre Ärztin könnte weitaus mehr neue Mitglieder werben als ihr deutlich blasserer Konkurrent. Noch hat sich die 49-Jährige indes nicht entschieden, ob sie überhaupt noch einmal antreten soll; sie werde dazu aber "vielfach ermuntert", sagt sie.
Auch bei der Südwest-FDP muss eine Kandidatenaufstellung wiederholt werden. Ausgerechnet im Wahlkreis Tuttlingen, wo nach Jahrzehnten die Nachfolge des noch amtierenden Wirtschaftsminister Ernst Pfister zu regeln ist, lief die Nominierung schief: Bei der Wahlkreiskonferenz im Juli, so ergab die Nachprüfung, hatten zwei Teilnehmer ohne deutsche Staatsbürgerschaft mitabgestimmt. Äußerst knapp unterlag damals der Sohn des Kreisvorsitzenden, der junge Stadt- und Kreisrat Claus Bensch, dem Spaichinger Leopold Grimm. Bei der zweiten Kür, sagen Parteikenner, könne es durchaus auch umgekehrt kommen.
Andere Sorgen hat die SPD im Wahlkreis Schorndorf: Dort trat die nominierte Kandidatin, eine 53-jährige Lehrerin, inzwischen wieder zurück. Ihre Begründung: persönliche und berufliche Umstände, die bei der Wahl nicht absehbar gewesen seien. Nun beginnt die Suche von vorne. Allein bei den Grünen läuft alles glatt. Man wisse von keinem Wahlkreis, heißt es in der Landesgeschäftsstelle, in dem die Nominierung wiederholt werden müsse.
Seine Konkurrentin Lisa Federle zielte dagegen auch auf die Wechselwähler - und konnte da bereits einen eindrucksvollen Erfolg vorweisen. Bei den Kommunalwahlen 2009 war die stadtbekannte Notärztin aus dem Stand zur CDU-Stimmenkönigin gekürt worden. Die Wähler goutierten offensichtlich auch ihren Lebenslauf, der so gar nicht dem Parteiklischee entspricht. Jung Mutter geworden und zeitweise alleinerziehend mit vier Kindern, mit dreißig das Abitur nachgeholt und Medizin studiert, heute Leiterin des Rettungsdienstes und Vizechefin des Roten Kreuzes - die bunte Vita der 49-Jährigen ist das Kontrastprogramm zur eher gewöhnlichen Beamtenkarriere ihres Rivalen.
Die Freude der Schuh-Anhänger war verfrüht
Aufs Bewährte setzen oder neue Wählerschichten erschließen? Zwischen diesen Alternativen waren die Christdemokraten bei der Nominierungsversammlung Ende Juli hin- und hergerissen. Fünf Stunden lang dauerte der "Wahlkrimi" im überfüllten Saal des Bühler Schlosses. Dann gab es ein knappes Ergebnis: In der Stichwahl siegte Schuh mit 161 Stimmen, Federle kam auf 146 Stimmen. Die CDU-Oberen um den Tübinger Kreisvorsitzenden Klaus Tappeser waren zufrieden, und auch die politische Konkurrenz, kommentierte das "Schwäbische Tagblatt", konnte erleichtert sein: Rote und Grüne müssten nun nicht mehr fürchten, dass ihnen die Schwarzen in der Universitätsstadt mit einer unkonventionellen Kandidatin Wähler abjagten.
Die Freude der Schuh-Anhänger war in jedem Fall verfrüht, die Erleichterung der Konkurrenz war es vielleicht. Denn die Nominierung hat aller Voraussicht nach keinen Bestand: Wegen organisatorischer Pannen und formaler Fehler fochten mehrere CDU-Mitglieder die Wahl an. Zunächst sah der Kreischef Tappeser - einst selbst Wahlkreisabgeordneter und heute Amtschef im Stuttgarter Wissenschaftsministerium - keinen Anlass für eine Wiederholung. Doch dann dachte er um: Man wolle jedes rechtliche Risiko vermeiden, und der Kandidat dürfe "nicht vorbelastet" in den Wahlkampf ziehen. Ende September will Tappeser diese Linie von einer weiteren Mitgliederversammlung absegnen und sogleich neu wählen lassen.
Auch Südwest-FDP muss Aufstellung wiederholen
Bis dahin wird die Kreis-CDU keine neuen Mitglieder mehr aufnehmen, die die Mehrheitsverhältnisse noch verschieben könnten. Als "Aufnahmestopp" will der Vorsitzende das indes nicht gewertet wissen; man weiche nicht von der gewohnten Übung ab. Doch die Anhänger Federles sehen darin den indirekten Versuch, ihre Favoritin zu bremsen: Die populäre Ärztin könnte weitaus mehr neue Mitglieder werben als ihr deutlich blasserer Konkurrent. Noch hat sich die 49-Jährige indes nicht entschieden, ob sie überhaupt noch einmal antreten soll; sie werde dazu aber "vielfach ermuntert", sagt sie.
Auch bei der Südwest-FDP muss eine Kandidatenaufstellung wiederholt werden. Ausgerechnet im Wahlkreis Tuttlingen, wo nach Jahrzehnten die Nachfolge des noch amtierenden Wirtschaftsminister Ernst Pfister zu regeln ist, lief die Nominierung schief: Bei der Wahlkreiskonferenz im Juli, so ergab die Nachprüfung, hatten zwei Teilnehmer ohne deutsche Staatsbürgerschaft mitabgestimmt. Äußerst knapp unterlag damals der Sohn des Kreisvorsitzenden, der junge Stadt- und Kreisrat Claus Bensch, dem Spaichinger Leopold Grimm. Bei der zweiten Kür, sagen Parteikenner, könne es durchaus auch umgekehrt kommen.
Andere Sorgen hat die SPD im Wahlkreis Schorndorf: Dort trat die nominierte Kandidatin, eine 53-jährige Lehrerin, inzwischen wieder zurück. Ihre Begründung: persönliche und berufliche Umstände, die bei der Wahl nicht absehbar gewesen seien. Nun beginnt die Suche von vorne. Allein bei den Grünen läuft alles glatt. Man wisse von keinem Wahlkreis, heißt es in der Landesgeschäftsstelle, in dem die Nominierung wiederholt werden müsse.
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