Die CMT in Stuttgart Individuell geht vor: Von Nordkorea in den Iran

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Die Reisebranche ist im Umbruch – weil die Reisenden von heute anderes vorhaben als die von gestern. Gerade die Älteren haben nicht selten die halbe Welt gesehen, und viele Jüngere sind an ausgetretenen Pfaden zu den Sightseeing-Highlights nicht mehr interessiert.

Individuelle Beratung soll zu ausgefallenen Reisen führen. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Individuelle Beratung soll zu ausgefallenen Reisen führen. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - Individualreisen liegen im Trend. Die Veranstalter sind deshalb gefordert, was die Wünsche und Ansprüche der Kunden angeht. Sie reagieren mit maßgeschneiderten Touren, bieten entsprechendes Know-how, das sie selbst vor Ort erworben haben und bieten immer öfter Begegnungen mit Einheimischen.

„Die Reisenden sind erfahrener geworden“, sagt Roland Delion von Aktiv-Reise. Gerade die Älteren haben nicht selten die halbe Welt gesehen, und viele Jüngere sind an ausgetretenen Pfaden zu den Sightseeing-Highlights nicht mehr interessiert. „Es sollen Reisen werden, die Freude und Erlebnisse bringen, die es sich lohnt, zu Hause zu erzählen“, sagt Delion.

Der Gast gibt Inhalte, Tempo und Budget vor

In der Halle acht geht ein Ausstellerverbund von 26 Teilnehmern auf die Bedürfnisse dieser Kunden ein. Die Beratung für das individuelle Paket kann also schon auf der CMT beginnen. Zum Beispiel bei Julia Opitz von Feel Himalaya. „Ich horche quasi in den Gast hinein, um herauszufinden, was er will“, sagt Julia Opitz. Die eloquente Münchnerin hat sieben Jahre in Nepal gelebt und weiß, wovon sie redet. Der Gast gibt Inhalte, Tempo, Budget vor, ob er mit oder ohne privatem Führer reisen, viel oder lieber intensiv erleben will, mehr Gast als nur Konsument sein will. „Und dann habe ich auch noch das eine oder andere Schmankerl im Programm“, sagt Opitz, dazu zählt beispielsweise „The famous farm“, eine traumhaft gelegene Lodge in Nepal mit Blick auf Bazaar mit einem historischen Königspalast – oder ihr Programm Bewegung und Begegnung. Eine zweiwöchige Nepaltour ist ohne Flug schon für rund 1400 Euro möglich.

Wer sich für eine Reise bei Geoplan entscheidet, muss deutlich tiefer in die Tasche greifen, bekommt dafür aber ein individuelles Rundumpaket. „Unser Schwerpunkt sind Privatreisen für Paare mit einem Führer“, sagt Nicole Köhler. In jeder Destination ist ein Produktmanager vor Ort, der die Begebenheiten kennt und immer wieder überprüft. Zum Programm zählt eine Kreuzfahrt mit dem Großsegler Seecloud 2 in den Antillen, oder eine 17-tägige Reise nach Java und Bali, aber auch exotische Segmente wie eine Reise nach Nordkorea kombiniert mit dem Iran. Vip-Einreise, Fünf-Sterne-Ressorts und First-Class-Flüge gehören auch zum Service. Geoplan bemüht sich um einen respektvollen Umgang mit Flora und Fauna und hat kürzlich eine Krokodilfarm in Indonesien aus dem Programm genommen.

Die Reisen werden in Bausteinen angeboten

Individualreisen werden meist als Bausteinreisen angeboten, bei denen die Kunden einzelne Segmente zu einer Reise zusammenfügen. „Da gibt es von der dreitägigen Kreuzfahrt auf dem Mekong bis hin zu Begegnungen mit den wild lebenden Berggorillas Ugandas viele fantastische Komponenten, die zum Reisetraum zusammengefügt werden können“, sagt Roland Delion. In Afrika ist Namibia schon länger Trendziel der Individualtouristen. Die Atlantik-Inseln Madeira und Island sind stark gefragt. Für Amerika steht Costa Rica ganz oben auf der Wunschliste und in Asien Vietnam, Laos und Thailand. USA, Kanada, Australien und Neuseeland sind seit jeher starke Individual-Reiseziele. Die Zielgruppe sind oft Paare, bei denen die Kinder aus dem Haus sind, oder solche, die keine haben.

Auch Familien können sich eine etwas andere Reise kaufen. Das Temple Point Resort in der Mida Creek Laguna in Kenia bietet zu moderaten Preisen eine Alternative zur Pauschalreise. Neben Schnorchel und Kanufahren kann man seltene Vogelarten beobachten oder – wenn man Glück hat – mit Delfinen schwimmen. „Und wir bieten Safaris zum Sumbura-Nationalpark an, der noch nicht voll erschlossen, aber ab vom Massentourismus liegt“, sagt Julian Knab.