Schon vor Ablauf der ersten Ausstellungswoche waren stolze 18 der Bilder verkauft, das ist fast die Hälfte. Nun, sie kosten auch kein Vermögen, sind aber wertvoll und schön. Das Augustinum - immer für Ungewöhnliches und Mutiges gut - zeigt in seiner Galerie die Arbeiten von fünfzehn Künstlern mit Behinderung, die im Bonlandener "Atelier Freiraum" der dortigen Karl-Schubert-Werkstätten entstanden sind.
Kurz "KuBi" heißt der angeschlossene Förderverein unter dem Vorsitz von Beate Degen, Kultur und Bildung für Menschen mit Hilfebedarf. Er ist neulich mit dem diesjährigen Ehrenamtspreis ausgezeichnet worden, den die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen und die Filder-Zeitung gemeinsam ausloben. Die 1989 gegründete Elterninitiative bietet inzwischen 20 verschiedene Kurse mit ehrenamtlichen Helfern und sorgsam ausgesuchten qualifizierten Leitern an.
Die überwiegend jungen Menschen mit Behinderung kommen einmal die Woche freiwillig, meist sogar begeistert nach der Arbeit zu Petra Friedrich in die zwei Kurse. Dort lernen sie Zeichnen und Malen zumeist mit leuchtstarken Wachs- oder Pastellkreiden und Aquarell, um dann unter Anleitung ganz frei "Unterwegs im Reich der Farben" zu sein. So heißt der Titel der Ausstellung.
Die behinderten Künstler kommen aus ganz Stuttgart und arbeiten vormittags entweder in den Bonlandener Werkstätten oder in den Schwestereinrichtungen von Grötzingen und Neuenhaus im Aichtal. Die Künstlerin Petra Friedrich ist übrigens vor allem mit einer anderen Kunstform bekannt geworden, der Tuschemalerei, die sie während eines fünfjährigen Aufenthalts in Japan eingehend studiert hat. In der Schweiz hingegen wurde sie kunstpädagogisch zur Ausdrucksmal-Leiterin ausgebildet.
Bei den Motiven haben die Künstler alle Freiheiten für ihre Vorlieben. Auch in der Technik ist Spielraum. "Ich will bei allen die ganz eigene Handschrift herauskitzeln", beschreibt Petra Friedrich das Ziel ihrer Arbeit. Manche ihrer Schüler versetzen sie sogar immer wieder in Begeisterung. So ist zum Beispiel Sebastian Huzel "ein genialer Karikaturist", der seine verblüffenden Zeichnungen wie "Angela und Franz-Josef", Bundeskanzlerin und Bayern-Strauß, einfach nach Fernseheindrücken fertigt und nur sparsam koloriert. Ullrich Maier hat eine eigene "Abspring-Technik" erfunden, bei der er die Kreide-Bilder mit verdickter Wasserfarbe übermalt, die dann nur von den Wachsschichten abblättert. Katja Diel ist mit "Am Fluss" vertreten und in Radolfzell schon mit einem renommierten Preis für behinderte Künstler ausgezeichnet worden. Aber auch das Farbgefühl von Dorothea Giraud hält ihre Lehrerin für "begnadet und einzigartig in der Balance der starken Kontraste".
Sabine Bauer gestaltet ihre Ansichten von Häusern in "Dorf" mit perspektivischen Schichten und erreicht damit ungewöhnliche Raumtiefe. Bei Ralf Kolbingers "Aus der Vogelperspektive" fügen sich die aufgelockerten Wiederholungen von Mandalas zu einer schwebenden Poesie, während bei Felix Hasenclever stets Himmel und Erde die Begrenzungen für freie Kompositionen wie "Drachenflug" bilden.
Weil auch alle anderen behinderten Künstler in den ausgestellten Bildern jene ganz eigene Handschrift entfaltet haben, die das Ziel des Unterrichts ist, sollen sie wenigstens namentlich genannt werden: Tina Kraus, Kathrin Fuchs, Sophioa Staufner, Isabell Grau, Sandra Baumann, Inga Holtermann, Bettina Ehrenreich, Nicol Frank und Volker Ganzenmüller haben den Besuchern der Vernissage viel Freude bereitet und sie sogar in staunende Bewunderung versetzt.
Die Ausstellung in der Galerie des Augustinums, Florentiner Straße 20, ist bis zum
20. November zu sehen.

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