Die Grünen in Stuttgart Protest gegen die Grünen wird lauter
Jörg Nauke, 21.02.2012 08:08 Uhr
Winfried Kretschmann ist bei den Stuttgart 21-Gegnern deutlich in die Kritik geraten. Foto: dpa
Winfried Kretschmann ist bei den Stuttgart 21-Gegnern deutlich in die Kritik geraten. Foto: dpa
"Der Graben, der sich zwischen Ihnen und Ihren Wählern aufgetan hat, ist leider tiefer geworden."
S 21-Gegner

Stuttgart - Polizeischutz durch vier Streifenwagenbesatzungen und ein Spießrutenlauf durch eine Reihe von Demonstranten, die „Nie wieder Grün“ riefen und mit Schildern und dicken Ästen wedelten – spätestens seit dem Neujahrsempfang am Donnerstag dürfte bei den Grünen die Erkenntnis gereift sein, dass sie bei der OB-Wahl nur noch bedingt mit der Unterstützung von S-21-Gegnern rechnen dürfen. Wer es noch nicht glaubte, bekam es am Samstag bei der Kundgebung auf dem Schlossplatz erneut vermittelt: Mappus und OB Schuster haben als Feindbild ausgedient. Jetzt ist Winfried Kretschmann der Watschenmann.

Zorn gegen ehemalige Verbündete

Bis zum 9. Januar war man in Stuttgart davon ausgegangen, dass sich die Gegner von Stuttgart 21 im OB-Wahlkampf auf den Projektbefürworter Wolfgang Schuster, einschießen würden. Nach dessen überraschendem Verzicht richtet sich der Zorn der Kopfbahnhof-Anhänger nun aber verstärkt gegen die ehemaligen Verbündeten. Dazu hat auch der Chef der Staatskanzlei, Klaus-Peter Murawski, mit seinem Hinweis beigetragen, das sei alles nicht so schlimm, weil Stuttgart 21 die Chance innewohne, ein grünes Projekt zu werden. Vor allem aber, dass die Bahn unter den Augen der grün-roten Regierung begann, erst den Südflügel abzureißen und dann den Kahlschlag im Schlossgarten zu betreiben, hat die Enttäuschung über Kretschmann & Co. genährt.

Protest wird lauter

Weil die Landesregierung bei der Vergabe der 21 000 LBBW-Wohnungen ebenfalls patzte – ihre Aufsichtsratsvertreter hatten es im Vorfeld versäumt, einen ordentlichen Mieterschutz zur Grundvoraussetzung des Vergabeverfahrens zu machen – ist die Kritik gegen „die da oben in der Villa“ (Reitzenstein) auch jenseits der S-21-Protestler hörbarer geworden.

Immer häufiger sind nun Protestnoten an die Grünen, und vorzugsweise an den Ministerpräsidenten adressiert. Vor allem ihm werfen die S 21-Gegner vor, die ihrer Ansicht immer stärker zu Tage tretenden baulichen, bahnverkehrlichen und finanziellen Risiken totzuschweigen mit dem Hinweis auf das Ergebnis der Volksabstimmung, das ihm jede weitere politische Einflussnahme auf die Realisierung des Projekts verbiete.

Kommentare (391)
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MRZ
09
Ing21, 00:47 Uhr

Lange wartende durchgebundene Grundtakt-Züge

@ Eisenbahner Pro S21: Ich habe Ihnen versprochen, meine Aussagen zu belegen. Das tue ich nachfolgend anhand der DB-Unterlagen zum sogenannten Stresstest Seite 26-28. Als Beispiele, für durchgebundene Züge, wo die durchreisenden Fahrgäste -die ja so beschleunigt werden sollen- ca. 10 Minuten Zeit haben, das Bahnsteiggedränge anzusehen: RE-D 80003 Ul-St-Aalen Gleis 8 7:20-7:29 RE- 10003 Hessental-Rottweil Gleis 3 7:40-7:48 RE-D 40002 Aalen-Tübingen Gleis 7a 7:49 - 8:xx Die Bahn hat den Kniff dieser langen haltezeiten gemacht, um S21 verspätungsabbauend darstellen zu können. Bei Züge die in Stuttgart enden wäre eine Verkürzung der Standzeit nicht als Verspätungsabbau nutzbar gewesen. Deshalb müssen die durchgebundenen Züge so lange im Tiefbahnhof stehen, sonnst wäre der Stresstest noch fataler ausgefallen.

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MRZ
04
diesunddas, 10:17 Uhr

eine Trennung des künftigen S-Bahn Verkehrs wird die Bahnhöfe von Brüssel in den normalen Bereich rücken!

Der geplante S-bahn Netzplan mit Zusatzhaltestellen zwischen den 3 Bahnhöfen in Brüssel macht eine Trennung des Verkehrs wahrscheinlich. Dann wird die Masse der Züge über 2 S-Bahngleise laufen und der Fern- und sonstige Verkehr wird an den übrigen Gleisen im normalen Halt je Gleis Verhältnis liegen. Evtl. etwas höher als an anderen Bahnhöfen, aber dies lässt sich durch die Sondersituation (Verkehr an der hauptstadt Brüssel orientiert, 3 Haltestellen mit extrem vielen Bahnsteigen in winzigem Abstand) leicht erklären. ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Aber nochmals: warum gibt es keine Vielzahl anderer Beispiele, weshalb muss es ausgerechnet Brüssel sein? Mit anderen Zwergstaaten lässt sich "nachweisen" dass Länder gar keine Eisenbahn brauchen, oder nur eine einzige Station.Das Beispiel Brüssel ist völliger Unfug!!!

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MRZ
02
Ing21, 19:51 Uhr

Richtig Herr Eisenbahner, andere Bahnhöfe leisten zusammen mehr als S21, aber nicht ein Bahnhof

@Eisenbahner pro S21: Da haben Sie eine schöne Aufstellung gemacht, daß es für jede bei S21 geplante Spitzenleitung irgendwo in Deutschland, halt bei Brüssel sogar a weng weiter, ein Bahnhof gibt, der in dieser Spezialdisziplin den Wert erreicht. Und jetzt soll S21 im Zehnkampf alle "Einzelweltmeister" schlagen. Und hier liegt die Krux bei dem Projekt: Aus dem Vorhandensein eines Fahrzeuges, das 60 Personen transportiert, eines das 300km/h schnell ist, deinem das 20t Sand transportieren kann, und einem Fahrzeug das im Gelände 45°-Böschungswinkel überwindet, da versprechen Sie also ein Fahrzeug bauen zu können, das 60 Personen und 20t Sand mit 300km/h im Gelände eine 45° Böschung transportieren kann.... So ist die Situation. Ich beneide die Kollegen, die S21 bauen sollen nicht. Aber man kann "zur Zeit" ja dann wechseln, wie das Herr Azer gemacht hat. Was aber auch komisch ist, daß Sie die Zahl von 304 000 Reisenden für S21 am Tag, die aus der Projektegründung der Planfeststellung stammt so klein reden. Ohne diesen Prognostizierten Zugewinn, bricht ja die Begründung soviel Steuerzahlergeld auszugeben in sich zusammen. P.S: Wenn ich wieder an meinem PC bin, sage Ich ihnen die Züge aus der Gleisbelegung.

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