Heilbronner Straße ist Automeile Stuttgarts VW baut – Porsche zieht an den Pragsattel

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Das neue VW-Autohaus soll im kommenden Jahr fertiggestellt werden. Und schon in diesem Sommer fällt das markante Grundstück direkt am Pragsattel von Audi an Porsche zurück.

Das Grundstück am unteren Ende der Automeile an der Heilbronner Straße 390 wird ­gerade von Volkswagen bebaut. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Das Grundstück am unteren Ende der Automeile an der Heilbronner Straße 390 wird ­gerade von Volkswagen bebaut.Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Die Repräsentanzen der Autohersteller an der Heilbronner Straße nehmen immer größere ­Dimensionen an. Jüngstes Beispiel ist Volkswagen. Der Neubau nahe des ­Autobahnzubringers wird eine Gesamtfläche haben, die der Verkaufsfläche der Shoppingmall Gerber gleichkommt. Das Autohaus soll im kommenden Jahr fertiggestellt werden. Und schon in diesem Sommer fällt das markante Grundstück direkt am Pragsattel von Audi an Porsche zurück – der Sportwagenhersteller bestätigt in ­diesem Zusammenhang: „Wir werden das Areal selbst nutzen.“

Am Donnerstag wurde an der Stuttgarter Automeile kein Wort über Abgasskandale oder Feinstaub verloren. Die Verantwortlichen von VW und Seat waren bemüht, gute Laune auszustrahlen. Der Grund für die Zuversicht bei Volkswagen in Stuttgart ist das große Loch am unteren Ende der Heilbronner Straße. „Wir haben uns das Filetgrundstück an der Automeile gesichert“, sagte der Geschäftsführer von VW Automobile in Stuttgart, Michael Perner. 16 500 Quadratmeter misst das Grundstück, auf dem in rund einem Jahr die beiden Marken VW und Seat präsentiert werden sollen. Der Neubau soll fünf Geschosse bekommen und eine Gesamtfläche von 24 400 Quadratmetern haben.

Autohaus statt Baumarkt

Vor Jahren war auf dem Gelände ein Baumarkt der Heimwerkerkette Praktiker vorgesehen. Nach der Insolvenz des Unternehmens begannen die Verhandlungen zwischen dem Klimaspezialisten Kiefer und Volkswagen. „Für VW allein wäre das Grundstück jedoch zu groß gewesen“, sagte Perner am Donnerstag. Daher habe man sich entschlossen, auf dem Areal sowohl VW als auch Seat zu präsentieren. Investiert werden soll nach StZ-Informationen 20 bis 25 Millionen Euro – ohne die Kosten für das Grundstück.

Derweil schreitet das Autohaus von Audi, nur wenige Hundert Meter von der VW-Baustelle entfernt, weiter voran. Nach dem Neubau für den Bereich Neuwagen, der bereits fertiggestellt wurde, stehen die Arbeiten für das neue Gebrauchtwagenhaus kurz vor dem Abschluss. „Wir wollen vom 10. bis 12. Juni Eröffnung feiern“, berichtet Gunnar Severin, der Geschäftsführer von Audi in Stuttgart. Allein der Neubau für die Gebrauchtwagen kostet rund 7,4 Millionen Euro und hat eine Gesamtfläche von rund 11 000 Quadratmetern. Das Autohaus für die Neuwagen – im Firmensprech Terminal genannt –, das im Herbst 2013 eröffnet wurde, hatte im Übrigen rund 45 Millionen Euro gekostet. Dass Audi seine Gebraucht- und Neuwagen künftig an einem Standort zusammenzieht, hat Folgen für die gesamte Automeile. „Der Mietvertrag für das Grundstück direkt am Pragsattel läuft am 30. Juni aus“, sagt ­Severin. Von dort verkauft Audi bisher seine Gebrauchtwagen.

Porsche kommt an die Automeile

Der Eigentümer dieser Fläche ist Porsche. „Es stimmt, wir wollen dieses Areal mittelfristig selbst nutzen“, bestätigt der Unternehmenssprecher Lukas Kunze. Aktuelle Pläne gebe es jedoch nicht, fügt der Sprecher rasch hinzu. Ein gewöhnliches Autohaus, so heißt es aus Branchenkreisen, wolle der Sportwagenhersteller auf diesem markanten Areal nicht bauen. Auf Fragen nach der künftigen Nutzung dieser Fläche wurde bei Porsche in der Vergangenheit zudem immer auf die aktuellen Bauaktivitäten in Zuffenhausen verwiesen.

Und noch ein weiterer Autohersteller wird das Gesicht der Stuttgarter Automeile in Zukunft mutmaßlich verändern. Die Daimler AG hat das ehemalige Gelände von Hahn und Kolb direkt neben dem eigenen Standort an der Heilbronner Straße bereits vor Jahren erworben. Derzeit wird die Immobilie allerdings an die Landeshauptstadt „zu Sonderkonditionen“ vermietet. Das Gebäude wird zur Unterbringung von Flüchtlingen genutzt. Doch im September dieses Jahres endet dieser Mietvertrag mit der Stadt. Was Daimler mit dem Hahn-und-Kolb-Areal danach plant, ist bisher noch nicht bekannt. Eine entsprechende Anfrage der StZ hat das Unternehmen bisher nicht beantwortet.

Fest steht, geht es nach den Plänen, die die Verantwortlichen von Volkswagen und Seat am Donnerstag bei der Grundsteinlegung verkündeten, wird das nächste große Autohaus an der Heilbronner Straße bereits im Sommer 2017 eröffnet.

Die Veränderungen in der Übersicht