Die heiligen drei Könige
Die Mützen der Heiligen Drei Könige
Paul Kreiner, Rom,
04.01.2011 07:02 Uhr
Foto: dapd
Rom - Martin Luther ist schuld. Hätte er nicht die drei Weisen, die Heiligen Drei Könige, "vom Morgenland" gen Bethlehem ziehen lassen – wer weiß, ob dann das "Abendland" als Gegenbegriff jemals aufgekommen wäre. Im griechischen Original des Matthäusevangeliums reisen die Weisen einfach nur "vom Sonnenaufgang her" an, aus einer geographisch also bewusst unbestimmten Weltgegend. Vielleicht ist ja auch deswegen der "Orient" – wie die Lateiner das griechische "anatolai" übersetzten – aus europäischer Sehnsuchtsperspektive immer ein seltsamer Begriff geblieben: schwammig, sagenhaft, schillernd. Und vielleicht hat diese Unbestimmbarkeit im Gegenzug auch dazu geführt, dass die "Abendlender" – vom Strassburger Theologen Caspar Hedio 1529 in die deutsche Sprache eingeführt – so lange ein Pluralwort geblieben sind, bis die deutsche Romantik daraus ihr "Abendland" zimmerte: Immaginäres festnagelnd in schwärmerischer Geschichtsfärbung und -klitterung, auf der Suche nach der eigenen Identität, und schließlich als Kampfbegriff.
"Christlich" sollte dieses Abendland sein; "christlich-jüdisch" wurde es erst in den vergangenen Jahren, als sich – mehr gut gemeint als gut – eine modische "political correctness" mit jenen Kräften zusammenfand, die eine ideologische Basis suchten zur Abwehr des "neuen", des "abendland-feindlichen" Islam. Es ist bezeichnend, dass gerade in einem Deutschland, in dem das Christentum verdunstet und das religiöse Wissen schwindet, das Fremde nun ausgerechnet religiös verortet wird. Aus den konkreten Ausländer-Menschen, die man mittels eines stabilisierten Wahrnehmungssystems aus Begegnungen und Vorurteilen ("Spaghetti-Fresser") verstandesmäßig leidlich im Griff zu haben schien, wird plötzlich ein düsteres, un-menschliches, unbegreifliches System. Aus jedem Türken wird nun "der" Islam.
Aus dem "abendländischen" Geist der Romantik lässt sich das erklären – sofern man die Romantik als eine Folge der Französischen Revolution betrachtet. Diese hatte ja zuerst einmal die "alten" Regimes hinweggefegt, statt der erhofften, aufgeklärten Freiheits-Ordnung aber nur Durcheinander bieten können. Der Pendelschlag einer nostalgischen, schwärmerischen, raunend-frömmelnden, zunehmend "völkischen" Selbstvergewisserung war da unausweichlich. In der Folge aber wurden aus den ebenso einheimischen wie fremd gebliebenen Judenmenschen, die Europa mit einem System aus Vorurteilen und Verboten leidlich im Griff zu haben schien, "das Judentum", "das Weltjudentum" auch noch. Die Entwicklung nahm ein schreckliches Ende.
"Christlich" sollte dieses Abendland sein; "christlich-jüdisch" wurde es erst in den vergangenen Jahren, als sich – mehr gut gemeint als gut – eine modische "political correctness" mit jenen Kräften zusammenfand, die eine ideologische Basis suchten zur Abwehr des "neuen", des "abendland-feindlichen" Islam. Es ist bezeichnend, dass gerade in einem Deutschland, in dem das Christentum verdunstet und das religiöse Wissen schwindet, das Fremde nun ausgerechnet religiös verortet wird. Aus den konkreten Ausländer-Menschen, die man mittels eines stabilisierten Wahrnehmungssystems aus Begegnungen und Vorurteilen ("Spaghetti-Fresser") verstandesmäßig leidlich im Griff zu haben schien, wird plötzlich ein düsteres, un-menschliches, unbegreifliches System. Aus jedem Türken wird nun "der" Islam.
Aus dem "abendländischen" Geist der Romantik lässt sich das erklären – sofern man die Romantik als eine Folge der Französischen Revolution betrachtet. Diese hatte ja zuerst einmal die "alten" Regimes hinweggefegt, statt der erhofften, aufgeklärten Freiheits-Ordnung aber nur Durcheinander bieten können. Der Pendelschlag einer nostalgischen, schwärmerischen, raunend-frömmelnden, zunehmend "völkischen" Selbstvergewisserung war da unausweichlich. In der Folge aber wurden aus den ebenso einheimischen wie fremd gebliebenen Judenmenschen, die Europa mit einem System aus Vorurteilen und Verboten leidlich im Griff zu haben schien, "das Judentum", "das Weltjudentum" auch noch. Die Entwicklung nahm ein schreckliches Ende.
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