Fellbach
 
Die Lurche haben jetzt Vorfahrt
"Fellbach und Rems-Murr-Kreis", 29.03.2011 02:45 Uhr
Fellbach (eha). Durchfahrt nach Kernen über die verlängerte Stettener Straße wird wegen Krötenwanderung im Frühjahr gesperrt.

In lauen Frühlingsnächten ist es soweit: Erdkröten, Grasfrösche, Bergmolche und weitere Amphibienarten begeben sich auf Wanderschaft. Auf dem Weg zu ihren angestammten Laichgewässern überqueren sie oft Straßen und Feldwege. Wie Kontrollen des Fellbacher Naturschutzbunds (Nabu) ergaben, wurden dieses Jahr zwischen dem Brühlteich und der Wegkreuzung "Spinne" sehr viele Amphibien überfahren. Bei zwei nächtlichen Zählungen wurden insgesamt mehr als 170 Exemplare gefunden, allerdings war rund ein Drittel der Tiere tot. Jetzt hat die Stadtverwaltung reagiert und verbessert die Situation.

Bisher sind die Wanderwege einiger Lurche zu ihren Laichgewässern nicht sicher. "Am einen Tag waren 33 Tiere zum Teil bis zur Unkenntlichkeit zerquetscht, am vergangenen Wochenende waren es noch einmal über 20 weitere tote Amphibien", berichtet Biologe Michael Eick vom Naturschutzbund (Nabu). Obwohl die Stadtverwaltung auf den Hinweis des engagierten Naturschützers und Stadtrats sofort reagiert und noch am gleichen Tag die Beschilderung mit Blinklichtern und dem Hinweis auf Schrittgeschwindigkeit verbessert hatte. Michael Eick war dem Ordnungsamtsleiter Werner Rögele für das schnelle Handeln dankbar: "Doch die Regelung ist keine optimale Dauerlösung."

Den Tieren wird in erster Linie ihr Verhalten zum Verhängnis: "Sie bleiben lange auf dem Asphalt sitzen, weil sie auf der ebenen Fläche einer Straße einen guten Überblick haben," sagt der Diplombiologe Eick. "Die kleineren Männchen richten sich auf, um vorbeikommende Weibchen besser zu entdecken." Ist eine Krötendame erspäht, klammern sich die Männchen fest und lassen sich huckepack zum Laichgewässer tragen. Die schwerfälligen Doppeldecker sind dann besonders in Gefahr. Schon bei geringen Geschwindigkeiten und nur wenigen Autos kann eine Population binnen weniger Jahre ganz ausgelöscht werden, das belegen wissenschaftliche Studien.

Am gestrigen Montag nun berieten Stadtverwaltung und Nabu weitere Möglichkeiten vor Ort. Tiefbauamtsleiter Wolfgang Schmidt, Ordnungsamtsleiter Rögele besichtigten zusammen mit Feldschütz Richard Gölz und Nabu-Vertreter Eick die Situation vor Ort. Nach längerer Diskussion verschiedener Varianten vom Amphibienzaun bis zur kompletten Sperrung, einigte man sich auf eine grundlegende Änderung der Durchfahrtsregelung zwischen Fellbach und Kernen: Künftig soll eine Schranke an der Spinne während der Nachtstunden den Bereich absperren. Das Benutzen der Schleichstrecke ist somit nicht mehr möglich, die Zufahrt zu Gartengrundstücke bleibt dennoch gewährt. "Mit den kleinen Schranken haben wir bisher keine guten Erfahrungen gemacht", sagte Schmidt. Die Schranke in der Karolingerstraße sei regelmäßig beschädigt. Deshalb favorisiert der Tiefbauamtsleiter eine feste sogenannte Waldschranke.

Nur vorübergehend werden für einige Tage mobile Absperrgitter errichtet, die dann schon Ende der Woche wieder abgebaut werden sollen. Denn da soll bereits die feste Schranke installiert sein. Sie wird künftig jedes Frühjahr zur Hauptwanderzeit der Amphibien geschlossen werden, damit Kröten und Frösche unbeschadet zu ihren Laichgebieten wandern können. Eine Sperrung kritischer Bereiche sei das Sicherste für die Tiere, sagte Michael Eick. Die jetzt angestrebte Lösung werde diesem Erfordernis gerecht. Eick hofft, dass durch diese Maßnahme das Überleben der heimischen Lurche besser möglich ist.

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