Die Museumspläne könnten Makulatur werden

Von "Blick vom Fernsehturm" 

Degerloch Am Freitag entscheiden die Stadträte nichtöffentlich über den Verkauf des Alten Gaswerks. Von Rüdiger Ott

Degerloch Am Freitag entscheiden die Stadträte nichtöffentlich über den Verkauf des Alten Gaswerks. Von Rüdiger Ott

Gerade einmal zwei Wochen ist es her, dass sich der Verein "Geschichtswerkstatt Degerloch" gegründet hat. Und schon könnte es sein, dass die Vereinsmitglieder ihre erste, wenn nicht sogar entscheidende Niederlage einstecken müssen. Haben sie sich doch zusammengeschlossen, um Interessierten die Degerlocher Ortshistorie näher zu bringen. Mit einem Museum, das sie am Alten Gaswerk an der Roßhaustraße bauen wollen, in der Nachbarschaft zum Naturfreundehaus. Das Alte Gaswerk steht aber zum Verkauf - erneut.

Besitzer ist die Stadt Stuttgart. "Ich nehme an, dass die Stadt das Gelände verkaufen will und im Stillen an einer Lösung bastelt", sagt der Vorsitzende Helmut Doka. Schon lange vor der Vereinsgründung waren er und seine Mitstreiter tätig. "Degerloch 1900", ein loser Zusammenschluss engagierter Degerlocher, hatte 2010 mit den möglichen Abriss des Alten Gaswerks verhindert. Anfang 2011 überraschten die Mitglieder mit den Museumsplänen. Auf dem runden Fundament des in den 1920er-Jahren abgerissenen Gaskessels könnten sie sich vorstellen, für 300 000 Euro einen Neubau zu bauen. Vorausgesetzt, die Stadt überließe ihnen die Fläche, ohne dafür Geld zu verlangen. Doch seit Monaten hat Doka nichts mehr von offizieller Seite gehört.

Am Freitag nun werden die Stadträte im nicht öffentlichen Teil des Wirtschaftsausschusses über das Alte Gaswerk sprechen. Die Vorlage birgt Zündstoff für die Museumsbefürworter, steht dort doch geschrieben, dass ihre Pläne gegen gültiges Recht verstoßen und sie deshalb nicht weiter verfolgt werden können. Denn die Wiese, unter deren Oberfläche sich das Fundament des alten Gaskessels befindet, ist mit einem Bauverbot belegt.

Stattdessen soll das Gelände in zwei Teile zerschnitten und verkauft werden. Ein Interessent für den vorderen Teil ist bereits gefunden. Eine Stiftung will die beiden Backsteingebäude entlang der Straße kaufen, sanieren und wie bisher vermieten. Ein Abriss ist ausgeschlossen. Im Grundbuch ist festgeschrieben, dass das äußere Erscheinungsbild nicht verändert werden darf. Findet sich eine Mehrheit in der Sitzung, könnten die Stadträte den Verkauf bereits am Freitag beschließen.

Der hintere Teil soll als Bauplatz verkauft werden. Die Fläche ist ausreichend groß für ein Mehrfamilienhaus. Die Detailplanung steht noch aus. Unklar ist, wie die Fläche erschlossen werden könnte. Der Bauplatz liegt nicht an der Straße, sondern in zweiter Reihe. Möglich ist ein Durchfahrtsrecht.

Insgesamt könnten so rund eine Million Euro in die Stadtkasse gespült werden. Davon jedenfalls war die Verwaltung noch vor einem Jahr ausgegangen, als sie mit der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) über einen Verkauf verhandelte. Die lehnte aber schließlich ab. Ohne einen Abriss, so die Erklärung damals, sei die Fläche "zu klein, um für die SWSG wirtschaftlich zu sein".