Die Piratenpartei Politische Krabbelgruppe greift an
Erik Raidt, vom 08.02.2010 14:59 Uhr
Stuttgart - Sie tragen T-Shirt und Sneaker statt Sakko und Businessschuhen. Sie reden noch, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist und gestehen einander ein, dass sie "völlige Neulinge" auf ihrem Gebiet sind und bei manchen Themen "keine Ahnung haben". Sie sind anders als die etablierten Parteien, denen sie beim Landtagswahlkampf im nächsten Jahr Konkurrenz machen wollen: Die Stuttgarter Piratenpartei hat am Samstag ihre Kandidaten für die Landtagswahl 2011 nominiert.
Bei der Bundestagswahl hatte die Partei deutschlandweit einen Achtungserfolg gefeiert - immerhin zwei Prozent aller Zweitstimmen entfielen auf die Piraten, die für mehr Bürgerrechte, das Recht auf Privatsphäre und ein anderes Urheberrecht streiten. In Stuttgart kam die Piratenpartei im Vorjahr sogar auf 2,4 Prozent aller Zweitstimmen. Nachdem zunächst viele Politiker aus dem bestehenden Machtgefüge abgewunken hatten, wenn das Gespräch auf die Piratenpartei kam, stellt sich nun die Frage, ob die digitalen Freibeuter künftig in der Politik ernsthaft mitreden können.
Im Alten Feuerwehrhaus fand sich am Samstagmittag eine politische Krabbelgruppe ein, die erst noch groß werden will. Die Hauptaufgabe des Tages: aus 13 mach vier - 13 Stimmberechtigte saßen an den Holztischen, aus diesem Kreis stellte die Piratenpartei ihre Bewerber für die Wahlkreise Stuttgart I bis IV zusammen. Gewählt wurden: Stefan Urbat, 44 Jahre, der 25-jährige Sören-Frederic Fischer, der 18-jährige Simon Engelhaupt und der 45Jahre alte Norbert Welk.
Die Piraten wollen die Fünf-Prozent-Hürde nehmen
Das Kandidatentableau ist kein Zufall, es spiegelt das Milieu der Partei wider: überwiegend männlich, eher jung, oft mit einem hohen Bildungsabschluss. Viele arbeiten für Unternehmen aus dem IT-Bereich - so wie der Softwareentwickler Stefan Urbat. In acht Minuten beschreibt er seine politische Agenda, mit der er nächstes Jahr punkten will: "Wir sind gegen die weiterhin drohende Verschärfung des Versammlungsrechts. Mir geht es darum, dass die Bürgerrechte nicht noch weiter zurückgedrängt werden."
Über Themen wie diese diskutiert die Piratenpartei, die in Stuttgart inzwischen 120 Mitglieder hat. Und darüber, dass sie beim nächsten Wahlkampf die Menschen nicht nur vorwiegend per Internetkampagne überzeugen will. "Wir wollen über fünf Prozent landen und mehr Offline-Wahlkampf betreiben", sagt Urbat. Was das bedeutet? Die Piraten wollen künftig auch auf dem Marktplatz einen Stand aufbauen. Ihr Slogan: "Klarmachen zum ändern!"