Die Stettener Yburg als Krimischauplatz Ein Buch wie eine Mischung aus Tatort und Tagesschau

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Dietrich Hub ist politisch interessiert. In seinem Erstlingswerk vermischt er aktuelle politische Ereignisse mit fiktiven Geschehnissen.

Die Idylle trügt: In seinem Krimi inszeniert  Dietrich Hub die Yburg als Tatort für einen Mord. Foto: Sigerist
Die Idylle trügt: In seinem Krimi inszeniert Dietrich Hub die Yburg als Tatort für einen Mord. Foto: Sigerist

Stetten - Einfach irgendeine fiktive Geschichte schreiben will Dietrich Hub nicht. Es soll schon um etwas gehen, was so auch wirklich passieren könnte. Gesagt, getan: Sein Roman „Tod auf der Y-Burg“ (Anmerkung: Im weiteren Verlauf des Artikels schreibt die Redaktion nach der üblich gewordenen Schreibweise „Yburg“) liest sich von der Brisanz ein bisschen so, als würde man Tagesschau und Tatort schauen.

Der NSU-Untersuchungsausschuss spielt genauso eine Rolle wie die Aktionen der S21-Gegner

Da spielt der NSU-Untersuchungsausschuss genauso eine Rolle wie die Aktionen der S21-Gegner. „Die Verbindung der beiden politischen Ereignisse habe ich frei erfunden, aber die Sachen an sich haben sehr viele wahre Komponenten. Insgesamt ist daraus eine erfundene Geschichte in der realen Zeit und mit Ereignissen aus dem aktuellen Geschehen entstanden“, sagt Dietrich Hub, der sein Erstlingswerk selbst als „politischen Kriminalroman“ beschreibt, und die Ruine Yburg als passende Kulisse für einen Mord an einer Richterin inszeniert.

Dietrich Hub Foto: Simone Käser

Promoviert hat der Pfarrer aus Rommelshausen in neuerer Kirchengeschichte. Das viele Recherchieren für die Doktorarbeit hat ihm jetzt geholfen. „Durch mein Studium habe ich die Fähigkeit erlernt, Fakten zusammenzutragen.“ Als er sich vor etwa einem Jahr an den Krimi ranwagt, hat er schon Reisereportagen und Führer für Reisen mit Kindern geschrieben. „Das sind tolle Bücher, die quasi auch als Familienalbum dienen, aber trotzdem wollte ich einfach mal was anderes schreiben“, sagt Hub.

Der politisch interessierte Mann stößt bei den Recherchen auf viele Ungereimtheiten

Der politisch interessierte Mann setzt sich an den Schreibtisch, und stößt, je mehr er schreibt, auf immer größere Ungereimtheiten. „Irgendwie ist es realer geworden, als mir lieb ist“, sagt Dietrich Hub. So zweifelt er in seinem Kriminalroman den realen Tod eines Mannes durch eine nicht entdeckte Diabetes-Erkrankung an. „Ich habe geschrieben, dass er auch hätte vergiftet sein können. Als mein Buch schon im Druck war, stand genau diese Vermutung plötzlich groß in der Zeitung“, sagt der bekennende S21-Gegner. Wer sich mit den aktuellen Vorfällen befasse und sich auskenne, würde in seinem Roman viel wiederentdecken, sagt Dietrich Hub.

Dietrich Hub durchforstet jede Menge öffentliche Quellen

Aber wie kommt man an all die brisanten Fakten? Dietrich Hub durchforstet jede Menge öffentliche Quellen, er ist beim Untersuchungsausschuss dabei und der Notfallseelsorger hat Beziehungen zur Polizei. „Ich hatte Interna und wurde immer sofort hellhörig, wenn was komisch wirkte oder faul zu sein schien.“ Verfolge man die Berichterstattung bezüglich der NSU-Morde müsse man oft starke Zweifel an der logischen und seriösen Vorgehensweise haben, sagt Dietrich Hub und betont, dass er kein Fan von Verschwörungstheorien sei.

Mit seinem Kriminalroman möchte Dietrich Hub keine Aufklärungsarbeit leisten. Aber er will dazu motivieren, Vorfälle zu hinterfragen. „Vielleicht kann ich mit meiner Geschichte einen anderen Blick auf die Dinge lenken. Für mich ist beispielsweise klar, Michele Kiesewetter kann kein Zufallsopfer sein, das glaubt doch kein Mensch. So ein kritisches Bewusstsein will ich auch im Leser wecken“, sagt Dietrich Hub. Dafür brauche man nicht viel Fantasie. „Die Realität reicht leider völlig. Vieles ist frei erfunden, aber gar nicht so weit von der Wahrheit weg.“