Die Trainerfrage beim VfB VfB-Chef Mäuser glaubt an Labbadia-Verbleib

Heiko Hinrichsen, Belek, 09.01.2013 16:32 Uhr

Belek - Zu Beginn seines Auslandseinsatzes hat Gerd Mäuser noch mit leichten Akklimatisierungsproblemen zu kämpfen. „Es ist ja saukalt hier“, sagt der frisch angereiste VfB-Präsident auf dem Trainingsplatz in Belek – und schützt sich unter blauem Himmel mit einer roten Vereinsmütze gegen den kalten Wind, der in Böen vom Meer her bläst. Lange hat Mäuser aber nicht gebraucht, um im Teamquartier auf Betriebstemperatur zu kommen.

Schließlich wollte der ehemalige Porsche-Manager am Mittwochabend die heiße Phase der Vertragsgespräche mit seinem Cheftrainer Bruno Labbadia eröffnen. Zu einer Unterredung unter vier Augen zogen sich die beiden Männer zurück. Mäusers Ziel: eine Verlängerung des im Juni auslaufenden Vertrages mit Labbadia. Sind die Wünsche in Einklang zu bringen, soll sich das Managerduo Fredi Bobic und Jochen Schneider um den Feinschliff kümmern.

Dabei ist Gerd Mäuser weiterhin guter Dinge, den Trainer zu einem Bleiben in Stuttgart bewegen zu können. „Wir haben einen klaren Plan, den der erweiterte Vorstand bei der Klausurtagung in Tannheim erstellt hat“, sagt Mäuser, „den setzen wir jetzt Schritt für Schritt um.“ Dass sich Labbadia, mit dem bereits Vorgespräche geführt worden sind, mit einem Bekenntnis zum VfB bisher schwertut, schiebt der Präsident resolut beiseite.

Eine Vertragsverlängerung jagt die nächste

Ohne irgendwelche Vorbehalte, sagt Mäuser, werde man sich intensiv besprechen. „Wir tun das sauber, seriös, harmonisch, konstruktiv.“ Meilenweit, so sagt der Präsident, sei man ohnehin nicht auseinander. Eine sanfte Deadline hat der Vereinsboss aber gezogen: „Bis Ende Januar würden wir die Sache gerne vom Tisch haben, obwohl es mich andernfalls auch nicht in eine Krise stürzen würde.“ Auch, dass Labbadias Teamgefährte aus Lauterer Tagen, der Ex-Torhüter Michael Serr, am Dienstag in Belek eingetroffen ist, darf als Zeichen gedeutet werden, dass der Vertragspoker in die heiße Phase geht. Schließlich steht Serr Labbadia seit Jahren beratend zur Seite.

Einige Bonbons hat Gerd Mäuser bereits zuvor über seinen Manager Fredi Bobic an den Chefcoach verteilen lassen. So jagt dieser Tage beim VfB eine Vertragsverlängerung die nächste: Nach Christian Gentner (am Sonntag), Tamás Hajnal (Montag), dem Trainerduo Christos Papadopoulos und Andreas Menger (Dienstag) hat sich nun auch Georg Niedermeier länger an den Club gebunden. Der Innenverteidiger aus München bleibt anstatt bis 2014 nun bis 2016. Zudem ist es gut möglich, dass die Stuttgarter demnächst auch eine Einigung mit dem Rechtsverteidiger Gotoku Sakai verkünden werden.

„Ich musste mich etwas gedulden, damit unser schönen Plan aufgeht“, sagte Niedermeier, der bereits zu Beginn des Trainingslagers unterschrieben hat: „Denn wir wollen jeden Tag gute Signale senden. Nach dem Motto: Beim VfB geht was.“ Und tatsächlich ist es den Stuttgartern gelungen, in Niedermeier, Gentner und Hajnal erfahrenes Personal langfristig zu binden. „Das sind wichtige Säulen in unserem Teamgefüge“, sagte Martin Harnik, der im Vorjahr in Belek unterzeichnet hatte: „Es ist auch ein Zeichen für andere Spieler, dass der VfB nicht nur ein Sprungbrett für Talente ist, bei dem oft ausgemistet wird – sondern das hier Beständigkeit herrscht.“

Vorerst keine öffentlichen Erklärungen von Labbadia

Auch der zögerliche Labbadia wird die Rauchzeichen, die ihm der Verein mit den Personalien sendet, zu deuten wissen. Öffentliche Erklärungen über seine Positionen will der 46-Jährige aber vorerst keine mehr abgeben. Klar ist derweil, dass Labbadia stark am Zukunftskonzept des VfB interessiert ist. Passt der Trainer aber zur Strategie des Clubs, der er sich weiter wird anpassen müssen? Das ist der entscheidende Punkt in den Gesprächen.

Schließlich unterstreicht Mäuser deutlich, dass vom VfB auch künftig keine großen Sprünge zu erwarten sind. Erstmals seit zehn Jahren verbuchte der Club 2012 wieder ein Minus von rund neun Millionen Euro. „Das zeigt, dass wir Substanz im Team halten, die wir aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten hätten abgeben müssen“, sagt der Präsident, der den Personaletat von rund 45 Millionen Euro halten will.

Zumindest Gerd Mäuser ist nach seiner Stippvisite auf dem Trainingsplatz in Belek vor der Zukunft nicht bange. „Wenn ich die vielen Jungen auf dem Rasen sehe, geht mir das Herz auf“, sagt der 54-Jährige mit Blick auf Holzhauser, Rüdiger, Rani Khedira, Stöger, Röcker, Weis sowie die A-Jugendlichen Degenek und Suljagic. Es bleibt die große Frage, ob Labbadia genauso fühlt.