Die VfB-Vorstandsklausur Die Stuttgarter Gretchenfragen

Thomas Haid, 01.12.2012 13:16 Uhr

Stuttgart - Am Samstag kämpft der VfB Stuttgart bei der SpVgg Greuther Fürth um den Anschluss an das vordere Tabellendrittel in der Bundesliga. Noch wichtiger ist aber wohl die Vorstandsklausur, die an diesem Wochenende in Tannheim stattfindet. Da werden die Weichen für 2013 gestellt – und das Ergebnis dürfte sich kurzfristig auf zwei Ebenen bemerkbar machen.

Der Trainer

Der VfB hat das Trainerthema zuletzt auf kleiner Flamme gehalten, um die Konzentration auf den Sport nicht zu stören. Dabei köchelte die Geschichte intern aber immer mal wieder hoch – beispielsweise schon im Mai bei der Abschlussbesprechung des erweiterten Vorstands nach der vergangenen Saison. Damals sprach sich die Vereinsführung für eine Vertragsverlängerung mit Bruno Labbadia aus. Die Umsetzbarkeit sollte der Manager Fredi Bobic prüfen.

Zwar lief jetzt in der Hinrunde nicht alles nach Wunsch, doch grundsätzlich hat sich an der Einstellung dem Trainer gegenüber wenig geändert. Größere fachliche Zweifel an seiner Arbeit gibt es jedenfalls nicht. Die Frage, ob Labbadia der richtige Mann ist, um das vor allem auf der Jugendförderung beruhende Vereinskonzept umzusetzen, hat sich der VfB ebenfalls gestellt – und mit „ja“ beantwortet. Daran dürften auch die noch zu bestreitenden Spiele vor der Winterpause nichts mehr ändern.

So laufen die Gespräche zwischen Bobic und Labbadia seit einiger Zeit hinter den Kulissen. „Beide Seiten haben dargestellt, wie sie sich die Zukunft vorstellen“, sagt der Manager. Damit die Zusammenarbeit ausgedehnt wird, müssen sich die beiden Seiten aber noch annähern und einigen – speziell was den finanziellen Spielraum für Transfers und damit die Perspektive des VfB im nächsten Jahr betrifft.

Denn in diesem Punkt hat Labbadia klare Vorstellungen. Weil er in der eigenen Nachwuchsabteilung nicht genügend Qualität entdeckt, hat er öffentlich schon mehrmals betont, dass die Mannschaft verstärkt werden muss. Um den Kader aufzurüsten, muss der VfB aber Geld investieren – was er, wenn überhaupt, nur zähneknirschend machen würde. Zumal fest steht, dass für 2012 ein nicht unerheblicher Verlust in der Bilanz zu verzeichnen ist.

Diesbezüglich hat die Vorstandsklausur dann richtungsweisenden Charakter. Der VfB steckt wie jedes andere Unternehmen auch in diesen Wochen seinen wirtschaftlichen Rahmen für 2013 ab. Dann weiß Bobic, wie hoch der Etat ist, der ihm für die nächste Saison zur Verfügung steht. Davon hängt ab, ob und wie der VfB auf dem Transfermarkt agieren kann – und das ist wiederum ausschlaggebend dafür, ob und wie es mit Labbadia weitergeht. Momentan zögert der Trainer mit einem Bekenntnis. Eine erneute Nullrunde wie in diesem Sommer würde er kaum mehr mitmachen – schon gar nicht, wenn er in der Bundesliga eine Alternative zum VfB (Schalke 04?) hat.

Noch kennt Bobic die Zahlen nicht, die in Tannheim auf den Tisch kommen. „Ich lasse mich da einfach mal überraschen“, sagt er. Die ersten Signale stimmen ihn allerdings nicht gerade euphorisch. So oder so hat er anschließend eine konkrete Basis, um die Verhandlungen mit Labbadia fortzusetzen. Dann sind die Karten auf dem Tisch, und es wird sich zeigen, wie weit die beiden Seiten auseinander liegen. „Wir werden uns in Ruhe zusammensetzen – und Ruhe haben wir vor Weihnachten nicht“, sagt Bobic. Aber nach den Feiertagen dürfte relativ zügig die Entscheidung fallen, weil der Manager auch Planungssicherheit auf der Trainerposition benötigt, um die neue Runde vorbereiten zu können.

Die Mannschaft

Wintertransfers sind die Spezialität von Bobic. Vor zwei Jahren verpflichtete er Tamasz Hajnal und Shinji Okazaki, die dann einen wesentlichen Anteil am Klassenverbleib hatten. Im Januar 2012 landete der Manager in Vedad Ibisevic und Gotoku Sakai ebenfalls zwei Treffer. Das ist der Maßstab, „der die Sache jetzt umso schwieriger für mich macht“, sagt Bobic.

Denn die Latte hängt hoch. Sein Wunschkandidat ist der polnische Nationalstürmer Arkadiusz Milik (18) von Gornik Zabrze (die StZ berichtete), aber die Umsetzung wird kompliziert, weil viele Vereine und Berater mitmischen. „Wir haben da unsere Hausaufgaben gemacht. Mehr können wir nicht tun“, sagt Bobic, der auch weitere Namen im Kopf hat. Die gehandelten Filip Kasalica (Roter Stern Belgrad) und Stefanos Athanasiadis (PAOK Thessaloniki) gehören dazu, aber sie wären nicht die ersten Optionen nach Milik.

Daneben muss sich Bobic jedoch auch mit möglichen Abgängen beschäftigen, obwohl er sagt, „dass wir keinen Spieler aus unserem Kader hergeben wollen.“ Bei Zdravko Kuzmanovic würde er aber vermutlich eine Ausnahme machen, da für ihn nur noch im Januar eine Ablösesumme zu erzielen ist. Denn im Sommer endet der Vertrag des Serben – und eine Verlängerung scheint sowohl für den VfB als auch für Kuzmanovic ausgeschlossen.

Ein bisschen anders verhält es sich bei zwei Talenten, von denen sich der VfB eigentlich nicht trennen will – nicht mal leihweise. Aber Antonio Rüdiger und Kevin Stöger sind frustriert angesichts der Tatsache, dass sie von Labbadia so gut wie nicht berücksichtigt werden. Deshalb machen sie sich Gedanken – was dazu führen könnte, dass sie demnächst bei Bobic um ihre Freigabe im Januar bitten. Langweilig wird es dem Manager also auch nach der brisanten Klausurtagung in Tannheim aller Voraussicht nach nicht.