Die Zero-Waste-Bewegung Wie vermeidet man Müll?

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Die Stuttgarterin Anja Krisch versucht, möglichst wenig Abfall zu erzeugen. Deshalb nimmt sie Beutel, Flaschen und Dosen mit zum Einkaufen – und produziert ihr Deo selber.

Anja Krisch (rechts) lässt sich in einem Naturkostladen den Käse in eine Metalldose legen, die sie  mitgebracht hat. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Anja Krisch (rechts) lässt sich in einem Naturkostladen den Käse in eine Metalldose legen, die sie mitgebracht hat. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Anja Krisch steht in ihrer Küche und rührt, vermengt ein weißes Pulver mit einem anderen weißen Pulver. Sie geht zum Herd, schmilzt Öl über einem Wasserbad. Diese Zutaten verrührt sie zu einer zähen Masse. Die Szene erinnert an die amerikanische Fernsehserie „Breaking Bad“, in der der Lehrer Walter White zum Drogenmogul wird, der Crystal Meth produziert.

Anja Krisch ist keine Drogenköchin, sondern hat gerade lediglich ein Deo hergestellt. Die 38-Jährige lebt Zero Waste, das heißt sie versucht, so wenig Müll wie möglich zu erzeugen. Deshalb stellt sie viele Dinge, die man im Alltag verwendet, selbst her. An diesem Tag produziert sie außer dem Deo einen Klarspüler – aus Wodka, Zitronensäure und Wasser.

Seit etwa zweieinhalb Jahren lebt die Stuttgarterin so. Anja Krisch, verheiratet, zwei Töchter, ist Erzieherin und momentan in Elternzeit. Sie will im Rahmen ihrer Möglichkeiten dazu beitragen, dass ihre Kinder in einer intakten Umwelt aufwachsen.

Der Begriff Zero Waste bedeutet auf Deutsch „null Müll“ und ist eigentlich irreführend: Überhaupt keinen Müll zu produzieren ist kaum möglich. Das weiß auch Anja Krisch. „Zero Waste ist im Ansatz eine Utopie“, sagt sie. Sie versuche, an ihrem eigenen Konsumverhalten zu arbeiten und nicht unnötig Ressourcen zu verbrauchen.

Riesiger Müllberg

Die Deutschen sind spitze, was das Erzeugen von Müll angeht: Jeder Einwohner produziert im Durchschnitt etwa 617 Kilogramm Müll pro Jahr, also pro Tag knapp 1,7 Kilo. Laut dem Statistischen Bundesamt liegen die Deutschen damit weit über EU-Durchschnitt (481 Kilogramm pro Jahr). Wegen des hierzulande gut funktionierenden Abfallentsorgungssystems bekommt kaum jemand etwas von den enormen Müllmengen mit. Der Trend zu immer mehr kleinen Haushalten, der zunehmende To-go-Verkauf und der wachsende Versandhandel bewirken weitere Zunahmen.

Schaut man sich an, was man allein in der ersten Stunde des Tages an Müll produziert, wird klar, wie diese Massen entstehen. Nach dem Aufstehen geht es ins Bad. Was wandert sofort oder später in den Müll? Wattepads, Zahnpastatube, Cremetiegel, Shampooflasche. In der Küche geht es weiter: Kaffee-, Wurst- und Käsepackung, Milchtüte, Essensreste.

Um möglichst wenig zu diesem Müllberg beizusteuern, setzt Anja Krisch auf verschiedene Strategien. Zum einen stellt sie so viele Dinge wie möglich selbst her: Neben dem Deo und dem Klarspüler beispielsweise Zahnpasta oder Essig. Zum anderen hat sie ihr Verhalten beim Einkaufen verändert: Sie geht in Läden, wo es Waren möglichst unverpackt gibt, und auf den Markt, bringt die Verpackungen selbst mit. Allein dadurch, sagt sie, könne man sehr viel Müll vermeiden.