Diese Hasen haben keine Zeit für Ostern

Von "Kornwestheim und Kreis Ludwigsburg" 

Ludwigsburg Im Kunstbetrieb7 sind Werke von Tina Oelker zu sehen. Die Künstlerin malt am liebsten Langohren. Von Ludwig Laibacher

Ludwigsburg Im Kunstbetrieb7 sind Werke von Tina Oelker zu sehen. Die Künstlerin malt am liebsten Langohren. Von Ludwig Laibacher

Im Kunstbetrieb 7 sind die Hasen los. Doch Vorsicht! Auch wenn Ostern vor der Tür steht, mit diesen Tieren ist kein Fest zu machen. Sie werden ganz bestimmt keine Eier bemalen, und es handelt sich auch nicht um Angsthasen. Hier geht es um Exemplare der Gattung des Feldhasen - tausend an der Zahl. Na ja, genaues Nachzählen ergibt die Zahl 24. Aber auch diese Menge erscheint beträchtlich, geht es doch immer wieder nur um die Physiognomien verschiedener Langohren.

"1000 Hasen - limited Edition" heißt die Präsentation von Werken der Hamburger Malerin Tina Oelker. "Eines Tages ist der Hase zu mir gekommen, da hatte ich mein Thema", sagt die 37-Jährige nur halb im Scherz. Für sie ist der Feldhase auch deshalb etwas Besonderes, weil er sich nicht zähmen lässt; in Gefangenschaft stirbt er. Und natürlich interessiert sie sich für die vielen Mythen, die sich um dieses mümmelnde Wesen ranken.

Im Jahr 2007 hat Tina Oelker beschlossen, "den Feldhasen in die Großstadt zu holen". Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, 1000 Hasenporträts zu malen. Mittlerweile sind 305 davon fertig.

Zum Konzept gehört eine Performance, die per Videofilm in die Ausstellung geholt wird: Darin ist die Künstlerin in Städten wie Hamburg, New York oder München zu sehen. Überall trägt sie das Porträt eines Hasen mit sich, um ihn auf diese Weise in die Städte zu bringen. Weitere Stationen werden folgen, aber bei Hase Nummer 1000 soll definitiv Schluss sein.

Für die extreme Hinwendung zu einem Tier gibt es viele Beispiele in der Kunstgeschichte. Zu den Eigentümlichsten zählt sicher der Barockmaler Paulus Potter (1625 bis 1654), der sich auf die Darstellung von Kühen verlegt hatte. Und natürlich geistert das Motiv Pferd durch alle Epochen von der Höhlenmalerei bis zu Franz Marc und Sigmar Polke. Der letzte Künstler mit einer ausgeprägten Vorliebe für Hasen war wohl Josef Beuys - aber er hat sie nicht abgebildet wie Tina Oelker.

Auch wenn ihre Tierbilder Seriennummern tragen, verbindet sie doch kaum etwas mit Andy Warhols Fabrik. Die Künstlerin nennt ihr Atelier "Hasenmanufaktur", jedes Werk ist ein Unikat. Und sie agiert so versiert, dass sie sich gegen die Vereinnahmung durch Freunde des herzerwärmenden Kitschs wappnen muss. Um klarzumachen, dass es ihr nicht um etwas Dekoratives und Süßliches geht, zielt Tina Oelker auf Schockwirkung, indem sie erzählt, dass sie keine Scheu hat, einem Feldhasen das Fell über die Ohren zu ziehen und ihn zu verspeisen. Oder dass sie inzwischen den Jagdschein gemacht hat, um Hirsche und Hasen zu erlegen. Gern zitiert sie auch den Spruch: "Wild bleibt wild, bis man es gart."

1000 Hasen Die Tina-Oelker-Ausstellung ist bis zum 15. April im Kunstbetrieb 7 an der Grönerstraße 33 zu sehen. Geöffnet montags, mittwochs und freitags von 9 bis 18 Uhr, dienstags und donnerstags von 9 bis 20 Uhr.