Filder-Zeitung
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Die Jungen und Mädchen der Klassen 2 a und b an der Nürtinger Braikeschule schließen die Augen. Aufmerksam lauschen sie den Tönen, die Volker Jacobsen seiner Bratsche entlockt. Der Professor für Viola an der Hochschule für Musik und Theater Hannover lässt den zweiten Satz aus Robert Schumanns Märchenbildern erklingen. Welche Gefühle löst die lebhafte Passage bei den Kindern aus, welche Bilder wachsen vor dem inneren Auge? Das ist die Aufgabe, die der Gründer des Bartholdy Quintetts, das am Abend zuvor in der Kreuzkirche gastiert hat, den Schülern aufgibt. "Wer hat Ideen?", fragt der Bratscher die Schüler.
Die Ideen sprudeln nur so. "Galoppieren", "in den Wald rennen", "Ritter reiten aus der Burg und Trompeten", "Flucht und Panik" - das sind einige der Assoziationen, die den Sieben- bis Achtjährigen in den Sinn kommen. Volker Jacobsen ist begeistert. "Jede einzelne Antwort war fantastisch", lobt der Berufsmusiker die Grundschüler. In der Welt der Kunst, so lernen die Jungen und Mädchen in dieser Stunde, ist die Trennlinie zwischen "richtig" und "falsch" nicht sauber zu ziehen. Was zählt, ist der subjektive Eindruck. Bei Rhapsody in School ist eine aktive Beteiligung der Kinder ausdrücklich gewünscht. Und die Schüler der beiden zweiten Klassen lassen sich nicht lange bitten. Als Volker Jacobsen Freiwillige braucht, die ihn dirigieren, wird er sofort fündig. Gleich mehrere aus der Runde wollen ihre Arme als Taktstock schwingen lassen. Mit solchen Übungen sollen die Kinder ein Gefühl und ein Bewusstsein für klassische Musik entwickeln.
Zum Verständnis gehört auch, dass die Buben und Mädchen über den Aufbau eines Instruments Bescheid wissen. Steg, Griffbrett, Stimmstock - das sind wesentliche Bauteile einer jeden Bratsche, die zwar einer Geige sehr ähnlich sieht, wegen ihrer langsameren, schwergängigeren Spielweise laut Jacobsen von manchen Geigern aber als "Dieselgeige" verspottet wird. Die Eleven dürfen auch an den Wirbeln der Bratsche drehen, um zu sehen, wie bei nachlassender Spannung der Saiten die einzelnen Töne in den Keller gehen.
Dass die Kinder so engagiert mitmachen, liegt nicht zuletzt an Jacobsen selbst. Der 41-Jährige nimmt die Schüler mit seiner gewinnenden Art von Beginn an mit auf seine musikalische Reise. Im letzten Teil der Projektstunde löchern die Jungen und Mädchen Jacobsen regelrecht mit ihren Fragen. Wann er mit dem Bratschespiel angefangen habe, lautet eine. "Genau in eurem Alter, und ich habe nie wieder damit aufgehört." Auch bei Fragen nach dem Lieblingsessen - "Spargel" - oder der nach der Schuhgröße - "kleiner als eine Bratsche" - ist er um keine Antwort verlegen.
Ein Mädchen möchte wissen, wie lange Jacobsen gebraucht hat, um so gut zu spielen wie er es heute tut. Die Antwort könnte den Kindern als Maxime für den weiteren Lebensweg gelten. "Wenn ich jetzt aufhöre zu üben, werde ich schlechter. Aber ich will ja nicht schlechter werden, sondern besser. Deshalb übe ich weiter."



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